http://www.faz.net/-gpf-y6ct
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.02.2011, 13:36 Uhr

Plagiat-Affäre Merkel: Als Minister ist Guttenberg hervorragend

Die Plagiatsvorwürfe weiten sich aus, doch die Kanzlerin stellt sich hinter ihren Verteidigungsminister: Sie habe „volles Vertrauen“ in Guttenberg, seine Arbeit als Minister erfülle er „hervorragend“. Auch der CSU-Vorsitzende Seehofer stützt Guttenberg: Dessen Rücktritt sei nie ein Thema gewesen.

© dapd Demonstrative Rückendeckung aus der eigenen Partei: Verteidigungsminister Guttenberg ist unter Druck

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihrem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Schummelaffäre erneut den Rücken gestärkt. Der CSU-Politiker erfülle seine Aufgaben als Minister „hervorragend“, sagte die Kanzlerin am Montag vor Journalisten in Berlin. „Und das ist, was für mich zählt.“ Sie habe Guttenberg schließlich als Minister bestellt „und nicht als wissenschaftlichen Assistenten“. Zuvor hatte Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt, Frau Merkel habe „volles Vertrauen“ in ihren Minister. Das gelte auch für die gesamte Bundesregierung.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer hatte Guttenberg zuvor das „uneingeschränkte Vertrauen“ seiner Partei ausgesprochen. Dies gelte „nicht nur heute, sondern auch für die Zukunft“. Seehofer rief Guttenberg dazu auf, die Affäre durchzustehen. Er bekräftigte, dass die CSU auf jeden Fall an Guttenberg festhalten wolle - auch wenn sich herausstellen sollte, dass er seine Arbeit nur abgeschrieben hat. Seehofer wies einen Zeitungsbericht zurück, nach dem er Guttenberg von einem Rücktritt abhalten musste. „Er hat mir gegenüber nie von einem Rücktritt gesprochen oder einen Rücktritt angedroht“, sagte Seehofer am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Die „Süddeutschen Zeitung“ hatte zuvor berichtet, Seehofer habe indirekt bestätigt, dass Guttenberg seinen Rücktritt erwogen habe. Seehofer sagte im ZDF, er habe Guttenberg im persönlichen Gespräch den Rücken gestärkt und ihm gesagt, dass er solch eine Situation aushalten müsse.

Mehr zum Thema

Von der Leyen: Auch ohne Doktor ein guter Verteidigungsminister

Auch weitere führende Politiker der Union stellten sich am Montag hinter Guttenberg. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte sogar, dass Guttenberg selbst bei einer Aberkennung des Doktortitels noch ein guter Verteidigungsminister wäre. Von der Leyen sagte, Guttenberg stehe zu seiner Verantwortung und setze sich für sein Land ein. „Da ist er hervorragend.“ Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sicherte Guttenberg die Unterstützung der Union zu: „Er muss weitermachen.“

Guttenberg selbst hat nach Angaben seines Sprechers während der Schummelaffäre zu keinem Zeitpunkt an Rücktritt gedacht. Guttenberg habe entsprechende Spekulationen in einem am Freitagabend geführten „Focus“-Interview als „Unsinn“ bezeichnet. Das gelte nach wie vor, sagte Sprecher Steffen Moritz am Montag in Berlin.

Dem Minister wird zur Last gelegt, zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit aus Werken anderer Autoren kopiert zu haben. Laut der Zeitschrift „Spiegel“ soll Guttenberg zudem 2004 beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine Studie zum Gottesbezug in der amerikanischen Verfassung in Auftrag gegeben und das Papier fast vollständig in seine Dissertation eingefügt haben. Der Minister hatte am Freitag in der Plagiatsaffäre in einer öffentlichen Stellungnahme Fehler eingestanden und sich entschuldigt. Seinen Doktortitel will er bis zum Abschluss der Untersuchungen der Universität Bayreuth ruhen lassen. Im Internet werden unterdessen immer mehr fragwürdige Stellen veröffentlicht (siehe auch: Plagiatssucher: „Die ganze Dissertation wurde abgeschrieben“).

Erster öffentlicher Auftritt für Montagabend geplant

Die Opposition will Guttenberg in dieser Woche im Bundestag zur Rede stellen und die Plagiatsvorwürfe am Mittwoch in einer Fragestunde thematisieren. Für Montagabend hatte Guttenberg seinen ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Affäre geplant. Im hessischen Kelkheim wurde er zum traditionellen Valentinstreffen der CDU erwartet. In der vergangenen Woche hatte Guttenberg zwei Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe noch einen Wahlkampftermin in Sachsen-Anhalt abgesagt.


Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktionen auf Amoklauf Seehofer: Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit

Der Amoklauf von München hat auf der ganzen Welt für Erschütterung gesorgt. Amerika und Frankreich haben Deutschland ihre Unterstützung zugesichert. In Berlin will am Samstag das Sicherheitskabinett zusammenkommen. Mehr

23.07.2016, 08:59 Uhr | Politik
Merkel zum Brexit Niemand will eine Hängepartie

Beim Antrittsbesuch der britischen Premierministerin Theresa May am Mittwoch in Berlin warb Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Thema Brexit für Geduld mit London, mahnte aber auch zur Klarheit. Merkel hatte nach dem Referendum Rosinenpickerei der Briten in den Verhandlungen mit der EU ausgeschlossen. Mehr

21.07.2016, 16:03 Uhr | Politik
F.A.S.-exklusiv Bundesregierung erwog Einsatz der Bundeswehr in München

Gegenüber der F.A.S. erklärt Verteidigungsministerin von der Leyen, dass sich nach dem Amoklauf in München eine Feldjäger-Einheit der Bundeswehr in Bereitschaft befunden habe. Kanzlerin und Innenminister loben derweil das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Mehr

23.07.2016, 16:05 Uhr | Politik
Trumps Rede in Cleveland Das korrupte FBI

Trump wirft dem FBI implizit vor, korrupt zu sein. Die Ermittler hatten die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton untersucht, die, teilweise vertrauliche, Dienst-Nachrichten auf ihrem privaten Server gespeichert hatte. Mehr

22.07.2016, 10:23 Uhr | Politik
Willkommenskultur tödlich Wie Rechte den Amoklauf instrumentalisieren

Nachdem die Polizei vor wenigen Tagen in Würzburg einen Attentäter erschoss, löste ein Tweet der Grünen-Politikerin Renate Künast Empörung aus. Diesmal blamieren sich Konservative und Rechtspopulisten. Mehr

23.07.2016, 15:07 Uhr | Politik