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Pius-Bruderschaft Wo Gottes Stellvertreter unterrichten

11.02.2009 ·  Vier Schulen unterhält die umstrittene Pius-Bruderschaft in Deutschland - eine war wegen Misshandlungen mehr als ein Jahr geschlossen. Nach dem Fall des Holocaust-Leugners Williamson fordern auch führende Katholiken, die Schulen der Gruppierung zu überprüfen.

Von Thomas Jansen
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Die umstrittene traditionalistische Piusbruderschaft wehrt sich gegen Kritik an ihren Schulen. Die deutschen Piusbrüder zeigten sich am Mittwoch „bestürzt“ und „befremdet“ über die Forderung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, die Schulen der Gruppierung zu überprüfen.

„Hätte er sich im Vorfeld informiert, wüsste er, dass sämtliche Schulen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Saarland und Baden-Württemberg seit ihrer Gründung unter der Aufsicht der jeweiligen Kultusministerien stehen und den staatlichen vorgegebenen Lehrplänen folgen“, sagte der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger. Insofern sei Meyers Aussage „geradezu ein Affront“ für die zuständigen Ministerien.

„Ideale eines christlichen Lebens“

Schmidberger betonte: „Angesichts des heute überall beklagten Werteverfalls sollte man doch froh sein, dass hier jungen Menschen die Ideale eines christlichen Lebens vermittelt werden.“ Meyer sei eingeladen, sich durch einen Besuch selbst ein Bild von den Schulen der Piusbruderschaft zu machen.

Vor dem Hintergrund der Leugnung des Holocausts durch den Lefebvre-Bischof Williamson hatte ZdK-Präsident Meyer eine Überprüfung dieser Schulen gefordert. Meyer hatte sich am Montag im SWR für eine Prüfung der Schulen ausgesprochen: „Wenn die Prüfung ergibt, da werden Grundsätze vertreten, die nicht mit der freiheitlichen Verfassungsordnung in Einklang sind, dann muss man das verbieten.“ .

„Nationalsozialistisches, insbesondere den Holocaust leugnendes Gedankengut, hat an einer katholischen Schule keinen Platz, also auch nicht am St.-Theresien-Gymnasium“, teilte dagegen das St.-Theresien-Gymnasium der Piusbrüder im nordrhein-westfälischen Ruppichteroth-Schönenberg mit. Die kritische Auseinandersetzung mit dem „kirchenfeindlichen und menschenverachtenden“ Nationalsozialismus und dessen Folgen habe immer zum Unterricht des Gymnasiums gehört. Und überdies: Alle Lehrer der Schule bekennten sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.

Die Schulen werden überprüft

Das St.-Theresien-Gymnasium für Mädchen mit angeschlossenem Internat im Bergischen Land ist eine von insgesamt vier Schulen ist, die mittelbar von der Priesterbruderschaft Pius X. in Deutschland unterhalten werden. Zudem gibt es noch zwei Grundschulen, eine im baden-württembergischen Riedlingen und eine in Saarbrücken, sowie – ebenfalls in Saarbrücken – eine Realschule für Jungen.

Eine fünfte Schule, ein Gymnasium für Jungen im westfälischen Wadersloh, wurde 2007 wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen. Träger der Schulen ist jeweils der Don-Bosco-Schulverein, der aus der Pius-Bruderschaft hervorging und nicht mit dem weit bekannteren Orden der Salesianer Don Boscos zu verwechseln ist, der ebenfalls Schulen unterhält. Die Schulen sind staatlich anerkannte Privatschulen.

Wegen Züchtigung ein Jahr geschlossen

Konflikte mit der Schulaufsicht gab es bisher nur im Fall der Herz-Jesu-Realschule in Saarbrücken. Diese waren allerdings so gravierend, dass der saarländische Kultusminister Schreier (CDU) im März 2006 die Schließung der Schule wegen Unzuverlässigkeit des Schulträgers sowie des Schulleiters verfügte. Der religiös-erzieherische Ansatz der Schule berge angesichts der großen Zahl verhaltensauffälliger Schüler aus schwierigen Verhältnissen ein Konfliktpotential, das immer wieder zu körperlichen Züchtigungen von Schülern durch Lehrer führe, hieß es zur Begründung.

Einem Lehrer der Schule wurde vorgeworfen, im Dezember 2005 zwei Schüler mit der Hand auf den Hinterkopf geschlagen sowie einige Wochen später einen dritten Schüler geohrfeigt zu haben. Die Schulleitung hatte den ersten Vorfall der Schulaufsicht jedoch zunächst verschwiegen. Schon einige Monate zuvor hatte die Schule nach einer Strafanzeige eine Abmahnung erhalten, körperliche Züchtigungen künftig zu unterbinden. Die Schule sprach von der „medialen Verleumdungskampagne“ einer Mutter und wetterte gegen eine „Mediokratie“, welche die Demokratie zunehmend ersetze.

Kein Grund mehr zur Beanstandung

Im Mai 2007 hob das Verwaltungsgericht Saarlouis die Verfügung des Kultusministeriums nach einer Klage des Schulvereins schließlich wieder auf, bestätigte aber, dass es Misshandlungen gegeben habe. Für die Zuverlässigkeit des Schulträgers und des Schulleiters sei jedoch allein maßgeblich, ob die Schule in Zukunft ordnungsgemäß betrieben werden könne, hieß es in der Begründung. Dies sah das Gericht als gewährleistet an. Ein Lehrer der Schule, dem ein ehemaliger Schüler Misshandlungen während seiner Schulzeit schon Mitte der neunziger Jahre vorgeworfen hatte, wurde unterdessen 2007 freigesprochen. Der ehemalige Schüler, der die Vorwürfe gegen den Lehrer erhoben hatte, wurde wegen falscher Angaben vor Gericht angeklagt.

Das saarländische Kultusministerium verstärkte nach diesen Vorfällen die Kontrollen der Schule. Seither habe es aber keinen Grund zur Beanstandung gegeben, teilt das Kultusministerium mit. Verfassungswidrige oder antisemitische Zielsetzungen konnten bei wiederholten Unterrichtsbesuchen nicht festgestellt werden. Mutmaßungen über die Pius-Bruderschaft und deren ökumenische Gesinnung seien rechtlich unerheblich.

„Wir sind - wie die Eltern - Stellvertreter Gottes“

Auf das St.-Theresien-Gymnasium ist das nordrhein-westfälische Schulministerium erst in den vergangenen Wochen aufmerksam geworden. Man habe sich die Schule nun „genau angeschaut“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Es seien jedoch keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Er verweist zudem auf das Schulgesetz des Landes, das sogenannte Ersatzschulen, die das St.-Theresien-Gymnasium ist, berechtigt, sich eine „besondere pädagogische, religiöse oder weltanschauliche Prägung“ zu geben und „den öffentlichen Schulen gleichwertige“ Lehr- und Erziehungsmethoden zu entwickeln.

Das St.-Theresien-Gymnasium bezeichnet die Enzyklika über die Erziehung von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1929, „Divini illius magistri“, als „maßgeblichen Leitfaden“ für seine Erziehung. Demnach ist das Wissen um die Erbsünde, um die Abhängigkeit von Gott und die Notwendigkeit der Erziehung das erste Prinzip der Schule. Das zweite Prinzip ist die „Achtung der Autorität“. „Wir sind – wie die Eltern – Stellvertreter Gottes und von den Schülerinnen als solche zu achten“.

Die Rücknahme der Exkommunikation ändert nichts

An dem Religionsunterricht, der am St.-Theresien-Gymnasium erteilt wird und der nach Auskunft des Erzbistums Köln nicht den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche entspricht, ändert die Rücknahme der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe durch Benedikt XVI. indessen vorerst nichts, wenngleich sich auch der Status der Pius-Bruderschaft hierdurch geändert haben dürfte. Bis Mitte Dezember 2008 habe man diese durchaus als eigenständige Religionsgemeinschaft ansehen können, sagt der Kölner Staatskirchenrechtler Stefan Muckel, nach der Rücknahme der Exkommunikation spreche Vieles dafür, dass die Pius-Bruderschaft nun als eine – wenngleich auch problematische – Gruppierung innerhalb der römisch-katholischen Kirche gelten könne.

Weil das St.-Theresien-Gymnasium aber als Privatschule nicht an die Richtlinien für den katholischen Religionsunterricht gebunden ist, besteht auch weiterhin die Möglichkeit, diesen nach den Grundsätzen der Pius-Bruderschaft zu erteilen. Die Befähigung zum interreligiösen Dialog, die von den nordrhein-westfälischen Richtlinien für den katholischen Religionsunterricht gefordert wird, müssen die Schülerinnen des St.-Theresien-Gymnasiums also auch künftig nicht erlernen. Und auch das zweite Vatikanische Konzil wird ihnen wohl weiterhin erspart bleiben.

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