Es steht dahin, ob Philipp Rösler jene Tage im Herbst 2009 verflucht, in denen er auf eine Weise des „Nolens-volens“ aus der niedersächsischen Landespolitik in die Bundespolitik geriet. Für die FDP hatte er bei den Koalitionsgesprächen in Berlin die Verhandlungsführung zur Arbeits- und Sozialpolitik übernehmen wollen. Guido Westerwelle übertrug ihm die Gesundheitspolitik. Westerwelle, damals FDP-Vorsitzender fragte ihn, so Röslers Wahrnehmung, ob er ihn als Kandidaten für ein Ministeramt vorschlagen könne.
In der Erwartung, Ursula von der Leyen (CDU) werde ihren Wunsch erfüllt bekommen, Gesundheitsministerin zu werden, sagte Rösler Ja. Am Vorabend der Personalentscheidungen in Berlin unterzeichnete er einen Vertrag zum Kauf eines Einfamilienhauses daheim in Niedersachsen. Aus dem Landesminister wurde ein Bundespolitiker: Minister für Gesundheit. Im Bündnis mit Altersgenossen drängte er eineinhalb Jahre später Westerwelle aus dem Parteivorsitz und Rainer Brüderle aus dem Wirtschaftsministerium.
Der Satz seiner damaligen Parteitagsrede, von nun an werde die FDP „liefern“, hängt Rösler heute noch wie ein Mühlstein am Hals. Die Umfragen der FDP, die Westerwelle zum Verhängnis geworden waren, blieben schlecht. Er schaffte es nicht, die FDP-Zentrale „Thomas-Dehler-Haus“ zu einem schlagkräftigen Instrument zu machen. Seine freundlichen und höflichen Umgangsformen wurden höhnisch als Schwäche bewertet. Die FDP-Erfolge in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden nicht auf seinem Haben-Konto verbucht. Dass unter seiner Führung die FDP gegen den Willen Angela Merkels die Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten durchsetzte, ist - im umgangssprachlichen Ton der Machtkämpfe in Berlin - „Schnee von gestern“.
Am Sonntag dann auf offener Bühne
Seit Monaten wird in den sogenannten FDP-Kreisen über nichts anders als die politische Zukunft des Parteivorsitzenden geredet. Es wird gesägt, dass die Späne fliegen: Rösler wisse, was er zu tun habe, wenn die FDP in Niedersachsen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitere; es solle ein Sonderparteitag einberufen werden. Wie vor zwei Jahren vor dem Fall Westerwelles glauben die Lemminge, mit einem neuen Gesicht an der Spitze werde alles besser. Viele Ämter könnten dann neu vergeben werden: Der FDP-Vorsitz, die Aufgabe als Wirtschaftsminister, der Ehrentitel „Vizekanzler“, in der Folge womöglich auch der Fraktionsvorsitz und das Amt des Entwicklungshilfeministers. Auch würde sich die Frage stellen, ob Königsmörder belohnt werden. Rösler hat aus diesen Umständen einen Schluss gezogen. Rücktritt? „Die Frage habe ich mir nie gestellt.“
Vieles hat die FDP in früheren Jahren schon unternommen, das Interesse für ihr „Dreikönigstreffen“ anzuheizen: Streit in Koalitionen, einst sogar Debatten über den Liberalismus in Deutschland. An diesem Sonntag aber gibt es eine Premiere: Auf offener Bühne hat der Parteivorsitzende (Rösler) gegen zwei vor ihm redende Kandidaten zu bestehen: Dirk Niebel und Rainer Brüderle.
Warum sollte man nicht über die politische Zukunft von Philipp
Rösler sprechen?
Heiner Peters (Peters1961)
- 05.01.2013, 23:24 Uhr
Viel Aufregung um nichts
Ralf Kowollik (InterNETkobold)
- 05.01.2013, 18:56 Uhr
Die heiligen 3 Könige der FDP werden nicht mehr gebraucht,
Closed via SSO (paultheodor)
- 05.01.2013, 06:54 Uhr
am meistern wundert mich, dass ein Mensch, der wie ein Computer spricht,
Sebastian Sodbrenner (Sodbrenner)
- 05.01.2013, 05:29 Uhr
Liberalismus
Jan Frisch (Bunrakunier)
- 04.01.2013, 21:16 Uhr