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Zum Tod von Philipp Mißfelder : Politiker aus eigener Kraft

Philipp Mißfelder 1979 - 2015 Bild: dpa

Philipp Mißfelder hatte trotz seines jungen Alters schon eine beeindruckende politische Karriere hinter sich. Vor Kontroversen schreckte er dabei nicht zurück. Vorbilder und Förderer brauchte er nicht. Bis auf eine Ausnahme.

          Gewiss hat Philipp Mißfelder schon immer Berufspolitiker werden wollen. Aber ebenso gewiss war, das er nicht von der Sorte seiner Kollegen war, die den Mächtigen gegenüber liebedienerisch auftraten. Er gehörte nicht zu politischen Entourage von Angela Merkel, was 2005 nahe gelegen hätte, als er erstmals in den Bundestag und die CDU-Vorsitzende gleichzeitig zur Bundeskanzlerin gewählt worden war. Auch mit Volker Kauder, dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden, hatte er ein von Spannungen nicht freies Verhältnis. Mißfelder wusste, dass in der Politik auf Dauer nur der Erfolg haben kann, der auf die eigene Kraft und das eigene Durchsetzungsvermögen setzt. Das war sein Bestreben.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Vorbilder, denen er zu folgen bereit war, hatte er nicht. Nur eine Ausnahme machte er dabei: Helmut Kohl, Europas und der deutschen Einheit wegen. Mißfelder hielt zu dem früheren CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler - als Jugendlicher und später auch, als Kohl wegen der Spendenaffäre in der Partei nicht mehr gelitten war. Fast schien er ein Ziehsohn des Altkanzlers zu sein, was ihm im Berliner Milieu und auch in der eigenen Partei mancherlei Spott eintrug. Ob ihm das zu Herzen ging, ließ er in der Öffentlichkeit nicht erkennen. Auf selbstbewusste und nichts vergessende Weise ging er damit um.

          In Helmut Kohl sah Philipp Mißfelder so etwas wie seinen politischen „Ziehvater“: Hier posiert er gemeinsam mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl im Oktober 2004 beim Deutschlandtreffen der Jungen Union.
          In Helmut Kohl sah Philipp Mißfelder so etwas wie seinen politischen „Ziehvater“: Hier posiert er gemeinsam mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl im Oktober 2004 beim Deutschlandtreffen der Jungen Union. : Bild: dpa

          Mißfelder wurde 1979 in Gelsenkirchen geboren - als Sohn eines Stahlarbeiters. In solcher Umgebung muss hart im Nehmen sein, wer sich im Sinne der CDU engagiert. 1993 kam er zur Jungen Union. 1995 trat er in die CDU ein. 1998, ein Jahr vor seinem Abitur, wurde er Vorsitzender der Schüler-Union, 2002 dann Vorsitzender der Jungen Union. In jenen Jahren baute er sich ein Netzwerk von Verbindungen auf, um das ihn viele beneideten. Dass „Geben und Nehmen“ in einem Zusammenhang stehen, war ihm nicht fremd. Mißfelder positionierte sich im konservativen Teil der CDU. In sozialpolitischen Angelegenheiten verstand er sich als Anwalt seiner Generation. Unvergessen sein Spruch, nicht jeder 85 Jahre alter Mensch müsse auf Kosten der Solidargemeinschaft ein „künstliches Hüftgelenk“ bekommen. Groß war der mediale Wirbel.

          Zwei Jahre später war Mißfelder Mitglied des Deutschen Bundestages. Über das Führungsamt in der Jungen Union wurde er, als er noch keine 30 war, Mitglied des CDU-Präsidiums. Bis 2014 war er das. Altersbedingt konnte er nicht mehr JU-Chef sein. Situationsbedingt konnte er nicht mit einer Wiederwahl ins Präsidium rechnen: Nebentätigkeiten, wiewohl im Rahmen des Erlaubten, hatten ihm geschadet. Eine Reise nach Sankt Petersburg auch: Im Beisein Wladimir Putins wurde der Geburtstag des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder gefeiert. Merkel und Kauder hatte er nicht vorab unterrichtet.

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          Mißfelder hatte im Bundestag im Wirtschaftsausschussbegonnen. Seine Leidenschaft aber war die Außenpolitik. Er war Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und zuständiger Sprecher seiner Fraktion. Er pflegte die transatlantischen Beziehungen. In seinem nordrhein-westfälischen Landesverband wurde er Schatzmeister. In der Nacht zum Montag erlag er einer Lungenembolie. Mißfelder hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

          Quelle: F.A.Z.

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