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Pegida in Dresden : Weihnachtsmann fürs Abendland

Pegida-Demonstranten mit Deutschlandfahnen auf dem Platz vor der Dresdner Semperoper Bild: dpa

Das islamkritische Pegida-Bündnis versammelt abermals mehr Menschen in Dresden zu einer Veranstaltung, die an Skurrilität kaum zu überbieten war.

          Die Veranstalter hatten in Dresden diesmal mit sehr viel mehr Menschen gerechnet, vor allem wegen der beginnenden Weihnachtsferien und der um die zehn Grad milden Temperaturen, doch dann füllte sich der Theaterplatz im Zentrum nicht einmal zur Hälfte. Die Polizei zählte am Ende 17.500 Menschen bei der Kundgebung des asyl- und islamkritischen Bündnisses „Pegida“, an der den Transparenten zufolge diesmal auch Menschen aus Bayern, Hamburg, Berlin und Niedersachsen teilnahmen. Das waren 2500 mehr als am vergangenen Montag, erhofft hatten sich die Pegida-Macher nach den Zuwächsen in den vergangenen Wochen jedoch mindestens 20.000 Unterstützer.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Kann sein, dass es auch daran lag, dass Pegida-Gründer Lutz Bachmann nach der Veranstaltung sichtlich verärgert neben seinem Rednerwagen stand. Bereits während der Kundgebung, die er als „Gemeinsames Weihnachtsliedersingen“ angekündigt hatte, musste er sich für einen seiner Redner entschuldigen, dazu gleich mehr. Zunächst wetterte Bachmann abermals gegen Medien und Politiker, was erfahrungsgemäß stets größte Zustimmung hervorruft. „Lügenpresse, Lügenpresse!“, erschallte es umgehend wie jeden Montag, und diesmal noch häufiger und heftiger als sonst.

          IS nun auch in Pakistan?

          Wie häufig von Fakten ungetrübt erläuterte Bachmann sodann, dass die Greueltaten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), denen in Pakistan 140 Schüler und in Sydney zwei Geiseln zum Opfer gefallen waren, den hiesigen Medien nur „Randnotizen“ wert gewesen seien, während über Pegida nahezu ausschließlich Lügen verbreitet würden. Dass die 140 Schüler in Pakistan von den Taliban ermordet wurden, und der islamistische Einzeltäter in Australien keinen direkten Bezug zu IS hatte, vor allem aber über beide Verbrechen ausführlich berichtet worden war, spielte da schon keine Rolle mehr.

          Stattdessen kam Bachmann, wie zu erwarten war, auf die angebliche Forderung des Bundestagsabgeordneten der Grünen, Omid Nouripour zu sprechen, über die am Montag die „Bild“-Zeitung berichtet hatte. Danach sollten als Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder und in Moscheen christliche Weisen gesungen werden. Die Menge protestierte aufs heftigste - obwohl der Vorschlag in der „Lügenpresse“ erschienen und in diesem Fall offenbar tatsächlich manipuliert worden war. Wie Nouripour am Montagnachmittag mitteilte, sei ihm der Vorschlag von der Zeitung „in den Mund gelegt“ worden.

          Wenig Beifall für "christlich-jüdische Wurzeln"

          Beifall gab es auch noch, als Bachmann vor Überfremdung warnte und Bundeskanzlerin Angela Merkel zitierte, die 2010 beim Deutschlandtag der Jungen Union „Multikulti“ für „absolut gescheitert“ erklärt hatte. Weniger Resonanz bei seinem Publikum erzielte er hingegen mit dem Verlesen von Horst Seehofers Sieben-Punkte-Plan, mit dem dieser ebenfalls vor vier Jahren gefordert hatte, dass Deutschland kein Zuwanderungsland und für Migranten die deutsche Leitkultur maßgebend sei. Als Bachmann, Seehofer zitierend, die deutsche Kultur als von „christlich-jüdischen Wurzeln und von Christentum, Humanismus und Aufklärung geprägt“ erläuterte, versiegte der Beifall gänzlich.

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