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Pegida-Demo in Köln : „Wir wussten das schon vorher“

Pegida-Anhänger sammeln sich am Kölner Hauptbahnhof. Bild: dpa

Die sexuellen Übergriffe in Köln sind Wasser auf die Mühlen der Pegida-Anhänger. Das sei nur geschehen, weil die Politik nicht auf ihre Sorgen gehört habe. Sie selbst glauben nur noch ihre eigene Wahrheit.

          Es ist ein bisschen, als würden sie sich freuen über das, was in der Silvesternacht passiert ist. Es ist die Freude von Rechthabern. „Wir wussten das schon vorher“, sagt ein Mann mittleren Alters am Rande der Pegida-Demonstration. „Wir wussten, was passiert, wenn wir die ganzen Syrier und Araber ins Land lassen.“ Deshalb gehe er seit Monaten regelmäßig zu den Pegida-Spaziergängen, die in Duisburg stattfinden, um ein Zeichen gegen die Flüchtlingspolitik zu setzen. Bespuckt und als Nazi beschimpft habe man ihn. „Hätte man auf uns gehört und die Grenzen geschlossen, wären die Frauen hier am Hauptbahnhof nicht geschändet worden.“

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs, auf dem in der Silvesternacht Frauen begrapscht, bestohlen und vergewaltigt wurden, haben sich auch Asylbewerber aufgehalten. Die Kölner Polizei hat das über Tage bestritten. Eine Woche nach Silvester wurde es durch Medienveröffentlichungen bekannt. Es wirkte, als wollte man etwas unter den Teppich kehren. Für die Pegida-Anhänger ist es eine Bestätigung ihrer Verschwörungstheorien. Dass Asylbewerber in der Nähe der Taten waren, diese Information wirkt wie ein Brandbeschleuniger.

          Am Samstagmittag haben sich auf dem Breslauer-Platz, der Rückseite des Kölner Hauptbahnhofs, 1700 Anhänger der islamfeindlichen rechten Pegida-Bewegung versammelt. Das sind etwas weniger als an einem durchschnittlichen Montag in Dresden, wo immer noch 2000 Menschen auflaufen. Es sind noch weniger, wenn man bedenkt, dass nach Polizeiangaben 700 von ihnen der organisierten Hooligan- und Nazi-Szene zuzurechnen sind. Anders als in Dresden kommt es in Köln nicht zum breiten Protest der „besorgten Bürger“.

          „Der erste Progrom in Deutschland seit 1945“

          Es liegt vielleicht auch daran, dass die Polizei den Platz komplett abgeschirmt hat. Wer dort hin will, verlässt den Kölner Hauptbahnhof durch die B-Passage. Jeweils drei Polizisten stehen vor den Ausgängen. Sie fragen auch Eberhard Sturm: „Wollen Sie zu Pegida?“ Er schaut verdutzt. Ja, das wolle er, sagt er. „Wieso fragen Sie?“ – „Wir machen das, weil sonst ganz normale Leute in die Demo laufen“, antwortet der Hundertschaftpolizist, der Helm und eine Art Körperpanzer trägt. Eberhard Sturm geht zum ersten Mal zu einer Pegida-Demo und er ist anfangs irritiert. Von den Männern mit Glatze, von den Vermummten mit Sonnenbrille. Sturm ist ein älterer Herr, der sich, wie er sagt, „ganz große Sorgen macht.“ Die Islamisierung schreite voran, das sei schon länger so. 2020 sei Deutschland eine islamische Republik, darüber dürften die Medien nicht berichten, ist er überzeugt. „Jetzt kommen Tausende, Millionen aus frauenfeindlichen Ländern“, sagt er. „Die vergewaltigen, klauen und machen unser Land kaputt.“

          Ein massives Polizeiaufgebot begleitete die Pegida-Demonstration in Köln.

          Als er das sagt, steht vorne auf der Bühne Michael Mannheimer, er ist einer der Einheizer der Szene. Mannheimer ruft: „Was wir in Köln erlebt haben, ist der erste Pogrom in Deutschland seit 1945.“ Zustimmendes Grölen. „Angela Merkel ist das schlimmste Regime seit Adolf Hitler“, ruft Mannheimer. Die Menge jubelt. Wenn er dann sagt: „Ich fordere ein Asylverbot für alle Muslime“, skandieren Sprechchöre: „Abschieben, abschieben, abschieben.“ Ein Plakat hüpft auf und ab, auf dem steht: „Armlänge reicht nicht – Mittelmeerbreite“. Eberhard Sturm klatscht mit. Ein Asylverbot findet er gut. „Wir müssen die Syrer in Flugzeuge packen und zurückschicken. In ihrem Land können die gegen den IS kämpfen“, sagt er. Er hat augenscheinlich Mut gefasst.

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