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„Pegida“-Demonstrationen : Die neue Wut aus dem Osten

Teilnehmer einer Demonstration unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden Bild: dpa

Die Bewegung nennt sich „Pegida“ - und wehrt sich gegen die „Islamisierung des Abendlandes“. Jede Woche demonstrieren Tausende. Und es werden jedes Mal mehr.

          Seit sieben Wochen ist es immer das gleiche Ritual, montags, halb sieben in Dresden. Ein weißer Verkaufswagen wird seitlich aufgeklappt, darin steht ein Rednerpult, und auf dem Dach werden zwei Lautsprecher plaziert. Helfer verteilen weiße Armbinden mit der Aufschrift „Ordner“, Deutschland-Fahnen und Transparente. Dann tritt ein großer, kräftiger Mann mit kurzen Haaren und im dunklen Parka ans Mikrofon und ruft: „Guten Abend, Dresden!“ Die Menge johlt. Am vergangenen Montag wehte ein eiskalter Wind, der Atem dampfte, und dennoch waren 7500 Menschen gekommen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Wieder mal ein Rekord, den Lutz Bachmann, der Redner und Gründer von „Pegida“, verkünden kann. Das Kürzel steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Ursprünglich sollte es „friedliche“ statt „patriotische“ Europäer heißen, aber „Fegida“ lief nicht so, und gewaltfrei will man ja ohnehin sein.

          Jedenfalls steht es so auf Bachmanns Transparent: „Gewaltfrei & vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden!“ und darunter in Großbuchstaben: Pegida. Bei jeder Kundgebung und den daran anschließenden stillen „Spaziergängen“ tragen Bachmann und sein „Orgateam“ diesen Spruch in der ersten Reihe vor sich her.

          Pegida-Ableger in ganz Deutschland

          Die Kunde, dass in Dresden „was losgeht“, hat sich vor allem im Internet rasend schnell verbreitet. Die meisten Demonstranten erfahren über „Facebook“ vom Bündnis. Seit die Seite Mitte Oktober online ging, haben dort mehr als 30.000 Leute auf „Gefällt mir“ gedrückt.

          Zum Vergleich: Sachsens CDU, schon ein paar Jahre länger im Netz, kommt auf kaum 2000, Sachsens Linke gerade mal auf 7600 „Likes“. Inzwischen haben sich Pegida-Ableger in ganz Deutschland gegründet, darunter in Kassel, Düsseldorf, Bochum, München, Würzburg, Rostock, Bonn und Ostfriesland; auch sie wollen demonstrieren.

          Mit dieser Resonanz hätte niemand gerechnet, als der 41 Jahre alte Bachmann am 20. Oktober die erste Demo anmeldete. Anlass dafür seien „die schrecklichen Ereignisse in Hamburg und Celle“ gewesen, teilt er schriftlich mit - direkte Interviews lehnt er ab. Mit „Ereignissen“ meint er die Straßenschlachten, die sich Kurden und Salafisten Anfang Oktober wegen des Kampfes um die syrische Stadt Kobane lieferten.

          Auch in Dresden kam es zu Kundgebungen, deren Teilnehmer Waffen für die Kurden in Syrien forderten. Das waren laut Bachmann „linksfaschistische Kräfte“. Er findet, „dass Waffenlieferungen, egal in welche Region der Welt, immer der falsche Weg sind“. Gut hundert Leute versammelten sich bei seiner ersten Kundgebung um ihn. Womöglich wäre es dabei geblieben, doch just sechs Tage später randalierten in Köln 5000 „Hooligans gegen Salafisten“ („Hogesa“), darunter auch Hooligans aus Sachsen. Am Montag darauf folgten bereits 500 Leute dem Aufruf von Pegida, darunter nicht wenige aus der Dresdner Hooliganszene.

          Die bösen... Asylanten, Medien, USA

          Seitdem hat sich die Teilnehmerzahl jede Woche ungefähr verdoppelt. Wobei jeder Teilnehmer ganz eigene Vorstellungen zu haben scheint, worum oder vielmehr wogegen es bei den montäglichen Veranstaltungen geht. Zu hören sind vor allem Themen wie: „kriminelle Asylanten“, „die etablierten Parteien“, „die gleichgeschalteten Medien“, „der Euro“, „die USA“, „die Frühsexualisierung von Kindern“.

          Kleinster gemeinsamer Nenner war bisher die Ablehnung von Islamisten, wobei nicht wenige darunter den Islam als Ganzes verstehen, der für sie nicht zu Deutschland gehört. Spätestens seit vergangenem Montag geht es auch offen gegen die zunehmende Zahl an Asylbewerbern.

          Eine solche Melange zieht zwangsläufig auch einschlägiges Publikum aus NPD, rechtsextremen Kameradschaften und der Hooliganszene an, die sich obendrein mit den Worten „deutsch“ und „Boden“ auf den Transparenten bestens identifizieren können. Traten die Rechtsradikalen anfangs noch deutlich unter den Demonstranten hervor, verschwinden sie nun in der Masse; die Polizei schätzt ihre Zahl auf rund 150.

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