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Pegida : Aus diesem Schoß kann etwas kriechen

Unterstützer der Pegida-Bewegung marschieren durch die Innenstadt von Dresden. Bild: AFP

Der befürchtete Zulauf nach der Blutnacht von Paris blieb für die Pegida-Bewegung aus. Dafür wird ihre Rhetorik immer menschenverachtender. Wohin führen die Hasspredigten auf dem Dresdener Theaterplatz?

          Da wehen sie wieder, die Fahnen des selbsternannten nationalen Widerstandes. Sie strecken sich im Südwestwind, der dem nahenden Regen vorauseilt, über den Köpfen der Demonstranten, auf dem Platz zwischen Semperoper und der katholischen Hofkirche, diesen Symbolen von Humanismus, Toleranz und abendländischer Kultur.

          Es wehen ungeheuer viele Flaggen, die Pegida-Bewegung liebt den Fahnenkult, die versteckten Codes der Farben, Wappen, Runen, sie ist ausgesprochen vielschichtig und für einen nicht Eingeweihten ist es schwer, anhand der Tücher herauszufinden, was diese Menge wohl einen könnte. Ist es der Hass auf den Islam? Der Hass auf die Regierung? Der Hass auf die vermeintlich Verantwortlichen für tief empfundene Verunsicherung und Unordnung?

          Vor allem ist es eine Sehnsucht nach der hart bis rücksichtslos ordnenden Hand. „So jedenfalls geht es nicht weiter“, ist der kleinste gemeinsame Nenner, den hier fast jeder Zuhörer formuliert. Wenn diese Sehnsucht „rechts“ ist, dann sind hier fast alle Schattierungen jenseits der Union vertreten. Die Nationalbewussten sind da und sorgen sich schlicht um „unser Deutschland“. Die Amerikahasser sind gekommen und schwenken ihre Russland-Fahnen oder Tafeln mit der Aufschrift „Ami, verpiss Dich“. Die Anhänger der jungen identitären Bewegung recken das Lambda ihrer völkischen Vereinigung in den Abendhimmel. Das gelbe Kreuz auf blauem Grund, das Zeichen der Europäischen Aktion, ist mehrfach zu sehen, einer Gruppierung von Holocaust-Leugnern.

          Die Südstaatenflagge flappt im Wind, ein untrügliches Symbol für rassistische Gesinnung. Unter mehreren israelischen Flaggen haben sich Berliner Antimuslime versammelt und ein älterer Herr schwenkt die thailändische Fahne, die neuerdings als Signal für NS-Sympathisanten herhalten muss. Es gibt ganz wenige Deutschlandfahnen, dafür aber ganz viele Flaggen in deutschen Farben nach skandinavischem Muster, das schwarze Kreuz mit gelbem Rand auf rotem Grund, die sogenannte Wirmer-Flagge, entworfen von Josef Wirmer für die Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944.

          Unzufrieden mit der Freiheit

          Zum Grauen von Wirmers Nachfahren ist das einstige Kampf-Symbol für Demokratie und Verfassung die eigentliche Flagge all derer geworden, die hier nach Dresden gekommen sind, um vor allem eines zu demonstrieren: Ihre abgrundtiefe Unzufriedenheit mit der Demokratie, der Politik, den Medien – eigentlich allem, was in diesem Land die freiheitliche politische Kultur prägt.

          Rund 8000 Menschen sind es diesmal, eine Enttäuschung für die Veranstalter. Es sind nicht mehr als am vorvergangenen Montag, obwohl es die erste Demo nach der Blutnacht von Paris ist. Viele hatten mit einem Massenzulauf gerechnet, einer machtvollen Manifestation des Anti-Islamismus, einem radikalen Signal gegen die Regierungspolitik der offenen Grenzen.

          Ton wird lauter

          Doch die Zahl blieb konstant. Dafür wurde der Ton mal wieder lauter. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) hatten vor der Kundgebung am Montag davor gewarnt, die Anschläge von Paris politisch zu missbrauchen. Als ob sich in dieser Menge irgendjemand irgendetwas aus einer Mahnung irgendeines Regierungsvertreters machen würde, die auf diesem Platz noch am harmlosesten als Mitglied der „Regierungsbande“ tituliert werden.

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