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Veröffentlicht: 19.01.2016, 09:02 Uhr

Pegida-Aktivistin Festerling Radikaler geht’s nicht

Mit ihren ständigen Attacken gegen Asylbewerber, „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ verliert Pegida-Rednerin Tatjana Festerling jedes Maß. Das hat nicht nur ideologische Gründe. Warum ist das so?

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© Reuters Pegida-Aktivisten Lutz Bachmann und Tatjana Festerling auf einer Kundgebung im April 2015

Der Montagabend vergangene Woche verlief ganz nach dem Geschmack von Tatjana Festerling. Sie war Hauptrednerin beim sogenannten Jubiläum des Pegida-Ablegers Legida in Leipzig und stand im Nieselregen auf der Bühne zwischen zwei großen „Rapefugees Not Welcome“-Postern. Die Zuschauer jubelten. Es fehle nicht mehr viel, „bis aus der Kölner Domplatte eine Schlachtplatte“ werde, rief Festerling und kritisierte die ihrer Meinung nach völlig verweichlichten Deutschen: „Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.“

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Die Rede, in der sie Asylbewerber auch als „afroarabische Sexterroristen“ bezeichnete, brachte ihr mehrere Anzeigen, darunter des Deutschen Journalistenverbandes, wegen Volksverhetzung ein. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt. Auch in Dresden ermitteln die Strafverfolger seit längerem gegen sie wegen des Verdachts der Volksverhetzung, der Verleumdung sowie des Aufrufs zu Straftaten. Seit Festerling vor einem Jahr erstmals bei einer Pegida-Kundgebung auftrat, ist sie zu einer Art verbalem Maschinengewehr der Bewegung avanciert.

Was sie stets in leicht schrillem Singsang, aber klarem Deutsch formuliert, ist vielfach obszön, beleidigend und bisweilen so abwegig, dass man Zweifel haben muss, ob Festerling selbst an das glaubt, was sie sagt. Kürzlich forderte sie eine neue Mauer in Deutschland, welche den „guten Deutschen im Osten“ und den „linken Gutmenschen im Westen“ voneinander trenne. Sie plädierte auch für einen Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik. Mehrfach forderte sie einen Generalstreik und auch die Bundeswehr zum Putsch auf, „Heimatverteidigung“, so sagte sie im Dezember, brauche Methoden „die der weichgespülte, moralisierende Mainstream für nicht anständig hält“.

Zweifelhaftes Verhältnis zur Wahrheit

Laut ihrem Redemanuskript, das Festerling stets abliest, wollte sie am Montagabend auch zu den Strafanzeigen Stellung nehmen. „Ich back’ mir ein Ei auf eure Strafanzeigen“, heißt es dort. „Wenn ihr den Prozess haben wollt, dann kriegt ihr ihn! Dann schauen wir mal, ob nicht Hunderte oder gar Tausende Bürger mit mir zum Gerichtssaal kommen und sehen wollen, was da passiert.“ Die Welt werde sehen, „dass hier Methoden von 1933 angewendet werden – die Nazis sind heute nur nicht mehr braun, sondern tragen die Farben der Regierungsparteien!“ Festerling erwähnt auch das Bild der Mistgabel. Diese sei „ein Symbol für Revolution! Und nichts anderes brauchen wir hier in Deutschland – es ist höchste Zeit für eine Revolution!“ Gleichwohl wolle sie nicht zu Gewalt aufrufen. „Pegida war, ist und bleibt eine friedliche Bewegung.“

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Festerling scheint in ihrer Rolle aufzugehen. Ihr Motto: Je radikaler, desto besser. Als Mitglied des Pegida-Vereinsvorstandes hält Festerling immer öfter Reden anstelle des Vorsitzenden Lutz Bachmann. Im Juni kandidierte sie bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden und holte 9,6 Prozent. Dass mehr als 90 Prozent der Dresdner nicht für sie gestimmt hatten, schob sie auf „Altparteien“ und „Lügenpresse“. Dabei hat Festerling selbst bisweilen ihre Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Erst vergangene Woche verurteilte sie das Landgericht Hamburg zu einem Ordnungsgeld von 500 Euro, weil sie bestritten hatte, dass auf einer Pegida-Demonstration ein Journalist angegriffen worden war.

Alles begann bei der Hamburger AfD

Festerling selbst mag nicht reden. In einem Telefonat sagt sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag, sie spreche derzeit „nur mit ausländischen Medien“, womit Festerling wohl Sender wie „Russia Today“ meint, dem sie im Januar nach der Kölner Silvesternacht sagte, in Deutschland werde „Kritik an unkontrollierter Zuwanderung sofort unterdrückt“. Frühere Parteigänger von Festerling aus ihrer Zeit in der Hamburger AfD haben weniger Hemmungen, über ihre Erfahrungen zu sprechen – auch wenn sich nicht alle mit ihrem Namen zitieren lassen wollen.

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