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Peer Steinbrück Wenn’s um Geld geht

Wie Peer Steinbrück einmal Sparkassenpräsident in Schleswig-Holstein werden wollte. Aber es nicht schaffte - weil seine Partei dagegen war.

© dpa Vergrößern Steinbrück steckte in der Klemme.

Sparkassendirektoren also. Mit ihrem Gehalt hat Peer Steinbrück das Einkommen der Kanzlerin verglichen und für zu niedrig befunden. Warum ausgerechnet Sparkassendirektoren? Mit denen hat Steinbrück seine eigene, ganz persönliche Geschichte. Er wollte nämlich selbst mal Sparkassenchef werden - genauer gesagt: Präsident des Sparkassen- und Giroverbands in Schleswig-Holstein.

Das ist die Dachorganisation der Sparkassen und der Kommunen sowie Landkreise, die für sie haften. Einen solchen Verband gibt es in jedem Bundesland. Er berät und prüft die Kassen, er vertritt ihre Interessen gegenüber der Landesregierung und den Aufsichtsbehörden. Und er mischt bei allen Strukturentscheidungen mit. Der Verbandschef ist kein Grüßaugust, sondern ein Sparkassendirektor-Direktor. Heide Simonis pflegte als Ministerpräsidentin über die Kassen zu sagen: Die haben das Geld, wir nicht. Die Bilanzsumme der Sparkassen war dreimal so hoch wie der Landeshaushalt.

Mitte August 1998 wurde der Chefposten an der Spitze des schleswig-holsteinischen Verbandes neu ausgeschrieben. Der Gründungspräsident ging nach 25 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde von den Bürgermeistern und Landräten vorgeschlagen, mächtige Leute, die den Verwaltungsräten der Sparkassen vorstanden. Namen machten die Runde, zuerst Olaf-Cord Dielewicz, Oberbürgermeister von Flensburg, SPD. Daraufhin schickten von der CDU regierte Kommunen einen Gegenbewerber ins Rennen, Gernot Korthals, Präsident des Landesrechnungshofs mit CDU-Parteibuch. Beide waren gut vernetzt: Dielewicz war Präsident der Versammlung, die über den Kandidaten entschied. Korthals hatte dieses Amt in den achtziger Jahren ausgeübt, als Landrat von Schleswig-Flensburg. Als Letzter warf ein Mann seinen Hut in den Ring, mit dem niemand gerechnet hatte. Genau: Peer Steinbrück.

„Tritt in den Hintern“

Steinbrück war damals Wirtschaftsminister im Kabinett von Heide Simonis. Beide hatten schon lange eine spannungsreiche Beziehung, aber im Juni 1998 waren sie richtig aneinandergerasselt. Steinbrück hatte ein Papier zu den Chancen des Landes in der Ostseeregion lanciert, es ging um engere Zusammenarbeit mit Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Er selbst sprach von der Vision eines gemeinsamen Nordstaates. Und verknüpfte das mit einer maliziösen Bemerkung: Das Land könne sich „Klein-Klein auf Pepita-Niveau“ nicht leisten.

Steinbrück und Sparkasse

Simonis bezog die Bemerkung sofort auf sich, denn sie trug gerne Kostüme mit Pepitamuster, kleines Karo, höchstens ein Zentimeter groß. Sie wusste von Steinbrücks Lästereien in Hintergrundrunden, etwa über ihren „Kaffeekannen-Tick“ - Simonis lebt mit mehreren Hundert solcher Gefäße zusammen. Nun war das Maß voll. Die Ministerpräsidentin ließ sich im „Spiegel“ mit den Worten zitieren, Steinbrücks Spruch sei „weit schlimmer als die vielen Gemeinheiten, denen man in der Politik ständig ausgesetzt ist“. Mit einem „solchen Tritt in den Hintern“ habe sie nicht rechnen müssen. Sie drohte ihrem Minister öffentlich mit dem Rauswurf: Wer glaube, das Ziel eines Nordstaats verfolgen zu müssen, „kann es nicht innerhalb der Landesregierung unter meinem Vorsitz tun“.

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