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Peer Steinbrück und „peerblog“ Mit allen Wassern gewaschen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kommt nicht aus den Schlagzeilen. Schon 2010 gab es in Nordrhein-Westfalen einen Blog-Skandal. Damals waren teilweise die gleichen Personen involviert. Bestehen Verbindungen zwischen „Wir in NRW“ und dem „peerblog“?

© dpa Vergrößern Peer Steinbrück beim politischen Aschermittwoch in Nordrhein-Westfalen: Die Vorgänge um „peerblog“ liegen im Dunkeln

Es war ein schier unglaublicher Vorgang, der im März 2010 öffentlich wurde. Ein Unbekannter hatte in der Zentrale der Gelsenwasser AG in Gelsenkirchen interne Dokumente der nordrhein-westfälischen CDU eingescannt, die dann auf der angeblich unabhängigen Internetseite „Wir in NRW“ auftauchten. Gelsenwasser, einer der größten Trinkwasserversorger Deutschlands, fürchtete, durch die Scan-Affäre Schaden zu nehmen. Schließlich hatte der Blog „Wir in NRW“ die Rüttgers-CDU mit offenbar von einem Maulwurf zur Verfügung gestellten Dokumenten im Landtagswahlkampf 2010 schwer in Bedrängnis gebracht. Umgehend versicherte das Unternehmen, nichts mit der Sache zu tun zu haben. Der Konzern verfolge in keiner Weise irgendwelche parteipolitischen Interessen. „Zwischen der Gelsenwasser AG und den Betreibern des Blogs ‚Wir in NRW‘ bestehen keine Beziehungen“, teilte ein Anwalt im Auftrag des Konzerns mit. Die Gelsenwasser-Pressestelle aber ließ wissen, dass recherchierenden Journalisten „auf Wunsch technische Ressourcen wie Kopierer oder Scanner zur Verfügung“ gestellt würden. Es war ein einziges Kommunikationsdesaster.

Damit die Sache nicht noch weiter aus dem Ruder lief, holte sich der Trinkwasserversorger Hilfe von außerhalb: Hans-Roland Fäßler, der heute als Berater von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück tätig ist. Fäßler, der Geschäftsführer der Ein-Mann-Beratungsgesellschaft Polimedia, wurde „anlässlich unzulässiger Unterstellungen gegenüber der Gelsenwasser AG im Zusammenhang mit dem Blog ‚Wir in NRW‘ im Frühjahr 2010 für die externe Kommunikationsberatung engagiert“, wie Gelsenwasser im Rahmen einer Rechercheanfrage dieser Zeitung bestätigt. Was genau Fäßler unternahm, teilt das Unternehmen nicht mit. Jedenfalls begann Fäßler am 24. März 2010 mit seiner Beratungsarbeit für die Gelsenwasser AG. Als sein Vertrag am 31. Mai 2010 endete, schien die Sache ausgestanden.

Organisatorisches Chaos im Team

Doch erst durch das Desaster mit „peerblog“, jener von anonymen Geldgebern finanzierten Internetseite, mit der Düsseldorfer PR-Leute von der Agentur „steinkühler-com“ eine geneigte Gegenöffentlichkeit für den vom traditionellen Journalismus so kritisch begleiteten SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück schaffen sollte, ist nun, fast nebenbei, die Rolle Fäßlers im „Gelsen-Gate“-Fall bekanntgeworden. Es ist anzunehmen, dass es nicht bei diesem „Beifang“ bleiben wird. Denn im Zuge der Affäre „peerblog“ ist der „Wir in NRW“-Blog wieder auf die politische Agenda in Nordrhein-Westfalen geraten. Erst allmählich zeichnet sich das Ausmaß merkwürdiger politischer Verquickungen ab, an denen nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch CDU-Leute beteiligt gewesen sein müssen. Denn die skandalisierenden Veröffentlichungen des Blogs „Wir in NRW“ waren nur durch Intrigenspiel aus dem Rüttgers-Lager denkbar.

Aktuell wirft das „peerblog“-Desaster freilich vor allem ein Licht auf das organisatorische Chaos im Steinbrück-Team. Dabei gilt Fäßler als einer der gewieftesten Schattenmänner des politischen Geschäfts. Seit Jahren ist der frühere Radiojournalist als Grenzgänger zwischen Medien auf der einen sowie Politik und Wirtschaft auf der anderen Seite unterwegs.

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