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Peer Steinbrück : Mettmann oder die Welt

Unterwegs in Land: Peer Steinbrück, gut gelaunt in Münster; das Bild entstand im April Bild: dpa

Peer Steinbrück besucht den Wahlkreis, in dem er 2013 ein Direktmandat für den Bundestag erringen möchte. In Mettmann I hat er 2009 schon einmal gegen die CDU-Politikerin Michaela Noll verloren. Auch diesmal ist ihr nicht bange.

          Es kommt nicht oft vor, dass sich Michaela Noll und Peer Steinbrück in ihrem Wahlkreis über den Weg laufen. Steinbrück war schon immer ziemlich beschäftigt: früher als Bundesfinanzminister und danach auf Vortragsreisen. Zudem wohnt Steinbrück nicht im nahe Düsseldorf gelegenen Mettmann, sondern in Bonn. Ende August aber war es mal wieder so weit. Die CDU-Politikerin Noll, die den Wahlkreis Mettmann I 2009 gegen Steinbrück gewann, traf bei einem Straßenfest auf den SPD-Mann, der im Herbst 2013 nicht nur Kanzler, sondern eben auch direkt gewählter Bundestagsabgeordneter werden will. „Er kam auf mich zugerauscht und sagte in ziemlich barschem Kommandoton: Frau Noll, sechs Flaschen Sémillon, und ich wette, dass Sie aus der Regierung fliegen.“ Frau Noll war ziemlich verdutzt und nahm gleich an.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die am 24. Dezember 1959 als Tochter eines Persers und einer Deutschen geborene Frau Noll hat gute Gründe, optimistisch zu sein. 2009 kam sie im Wahlkreis Mettmann I auf 44,5 Prozent der Stimmen und ließ den damaligen Finanzminister elf Prozentpunkte hinter sich. „Dass er mal Ministerpräsident hier in Nordrhein-Westfalen war, hat ihm nicht genützt, ganz im Gegenteil“, meint Frau Noll. Die Leute im Wahlkreis hätten die Düsseldorfer Steinbrück-Ära nicht in guter Erinnerung.

          Ein Wahlkreis, zwei Mentalitäten

          Der Wahlkreis umfasst den südlichen Teil des Landkreises Mettmann mit den Gemeinden Erkrath, Haan, Hilden, Langenfeld, Mettmann und Monheim. Er reicht also vom Rhein bis hinein ins Bergische Land und verbindet zwei sehr unterschiedliche Mentalitäten: Im Süden das Rheinisch-Fröhliche und im Norden das Bergisch-Ernste. „Man muss sich nur anschauen, wie unterschiedlich die Leute Karneval feiern, dann wird einem klar, wie sie ticken“, sagt Frau Noll. Der zwischen Köln, Düsseldorf und Wuppertal gelegene Kreis Mettmann ist ein attraktiver Gewerbestandort. Auf eine lange Tradition blicken die am Rhein ansässige chemische Industrie und die überwiegend im Bergischen beheimatete metallverarbeitende Industrie zurück.

          Hinzu kommen seit einiger Zeit immer wieder neue, aus Universitätsinstituten hervorgegangene Hightech- und Biotech-Firmen, die in Köln oder Düsseldorf keine erschwinglichen Gewerbeflächen mehr finden. Es gibt aber auch ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen und weiträumige Landschafts- und Naturschutzgebiete. Familien, die sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, ziehen gerne in die Gegend. Der Kreis Mettmann ist ein typischer deutscher suburbaner Raum.

          Basisarbeit als Pfund

          Politisch ist der Kreis nicht so eindeutig festgelegt, wie die CDU das gerne hätte. Zwar ist die Union im Kreistag seit jeher die stärkste Kraft. Doch bei der Landtagswahl im Mai gingen alle vier Mettmanner Direktmandate an die SPD. Und auch Frau Nolls Bundestagswahlkreis Mettmann I gilt als Wechselwahlkreis. In den siebziger Jahren war er eine feste Bank für die SPD, danach wieder für die CDU. Als Frau Noll 2002 das erste Mal antrat, gewann ihre sozialdemokratische Konkurrentin Lilo Friedrich mit ein paar hundert Stimmen Vorsprung.

          Das Geheimnis des politischen Erfolgs im Wahlkreis sei die intensive Basisarbeit, sagt Frau Noll. „Die Leute merken, ob man wirklich für sie da ist.“ Weil sie die Basisarbeit liebe, sei ihr auch nicht bange, nun den SPD-Kanzlerkandidaten als Gegner zu haben, sagt Frau Noll. „Der größte Unterschied zwischen mir und ihm ist: Ich setze auf Heimat. Er will ganz Deutschland.“

          Quelle: F.A.Z.

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