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Peer Steinbrück im Gespräch : „Bundeskanzler verdient zu wenig“

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Ausfälle in der Kernkompetenz: „Gerechtigkeit“ war immer wieder Thema der SPD-Wahlkämpfe; auch für den schon begonnenen kündigte Peer Steinbrück darin einen Schwerpunkt an. In der Frage, wie (leistungs-)gerecht die Kanzlerbezüge seien, distanzieren sich die Genossen von ihm - ein beispielloser Vorgang. Bild: dpa

Peer Steinbrück hält die Bezüge des Bundeskanzlers für zu niedrig. Der SPD-Kanzlerkandidat sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.“ Das vollständige Interview.

          Peer Steinbrück hält die Bezüge des Bundeskanzlers für zu niedrig. Der SPD-Kanzlerkandidat sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.“

          Herr Steinbrück, Sie haben schon vor Ihrer Ausrufung gesagt, ein Kanzlerkandidat werde in die Mangel genommen. Genau so ist es gekommen, oder?

          Ja. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, weil die Medien einen Kandidaten für dieses Amt hinterfragen müssen. Die Absurdität mancher Vorgänge hat mich aber überrascht. Selbst seriöse Medien sind Gerüchten nachgegangen, ich hätte in Namibia ein größeres Anwesen, auf dem ich Farbige beschäftige, oder ich hätte Mietwohnungen in Deutschland, die ich verfallen lassen würde.

          Sie haben drei Monate hinter sich, die von der Debatte über Ihre Nebeneinkünfte bestimmt waren. Sie haben schon als jugendlicher Parkplatzwächter gewusst, wie man ordentlich verdient. Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum Geld?

          Rein instrumentell. Es hat Zeiten gegeben, in denen ich sehr wenig Geld hatte. Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus. Meine Frau und ich haben in Bonn-Bad Godesberg ein gemeinsames Haus und in Berlin bald eine Wohnung. Das hat nicht jeder. Aber unser Lebensstil ist nicht aufwendig, wie diejenigen wissen, die uns kennen.

          Gerhard Schröder wollte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft mal richtig Geld verdienen. Hatten Sie nach dem Ende Ihrer Ministerzeit auch so ein Gefühl?

          Nein. Dieses Gefühl gab es nie. Im Übrigen finde ich allerdings, dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

          Verdient die Kanzlerin zu wenig?

          Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.

          Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

          In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind.

          Ihr langjähriger Weggefährte Torsten Albig, heute Ministerpräsident in Kiel, hat gesagt, Ihnen werde das Korsett des Kanzlerkandidaten zu eng sein. Hat er recht?

          Nein. Er vergisst, dass ein Kanzlerkandidat der SPD auch über eine klassische SPD-Wählerschaft hinaus wirken muss. Ein Kandidat, der sich mühelos ins Parteikorsett einpasst, wird für viele Wähler nicht attraktiv sein. Das bedeutet nicht, dass ein SPD-Kanzlerkandidat sich von der Programmatik der SPD entfernen kann.

          Auf dem Nominierungsparteitag haben Sie die SPD, die Jusos, die Frauen in der Partei umworben. Da war nicht viel zu spüren von der Beinfreiheit, die Sie gefordert haben.

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