http://www.faz.net/-gpf-75l5l
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.01.2013, 10:12 Uhr

Patriot-Abwehrsystem Erste Bundeswehrsoldaten auf dem Weg in die Türkei

Im Hafen von Lübeck-Travemünde hat die Verschiffung von Elementen der Patriot-Systeme der Bundeswehr für den Einsatz in der Türkei begonnen. Sie sollen auf dem Seeweg in die türkische Stadt Iskenderun gebracht werden.

© dpa Vor der Verschiffung: Fahrzeuge und Container im Hafen von Lübeck-Travemünde

Die Bundeswehr hat am Dienstag in der Ostsee-Hafenstadt Travemünde damit begonnen, das Material für den Patriot-Einsatz in der Türkei zu verladen. Seit dem Morgen würden rund 300 Fahrzeuge und Anhänger sowie 130 Container auf ein gechartertes Frachtschiff einer dänischen Reederei verladen, teilte ein Bundeswehrsprecher mit. Das Schiff solle noch am Abend Richtung Türkei aufbrechen. Die eigentlichen Raketen würden an einem anderen Hafen dazugeladen, sagte der Sprecher weiter. Dieser solle aber nicht genannt werden.

Das Material soll voraussichtlich am 21. Januar im türkischen Hafen Iskenderun eintreffen und von dort auf dem Landweg ins rund 200 Kilometer entfernte Kahramanmaras im Süden der Türkei gebracht, wo die Patriot-Raketen stationiert werden sollen. Die Großstadt liegt etwas 120 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Nach Angaben des Sprechers ist es das Ziel der Bundeswehr, dass das Waffensystem Anfang Februar einsatzbereit ist.

Die Patriot-Luftabwehrsysteme der Bundeswehr können Flugzeuge und Raketen bekämpfen und sollen ein mögliches Übergreifen des bewaffneten Konflikts in Syrien auf das Nachbarland Türkei verhindern. Wegen der angespannten Lage hatte die Türkei ihre Nato-Partner um Hilfe gebeten. Deutschland, die Vereinigten Staaten und die Niederlande entsenden deshalb je zwei Patriot-Raketenbatterien modernsten Typs.

Erstes Vorauskommando abgeflogen

Das erste Kontingent von Bundeswehrsoldaten war am Dienstag bereits in die Türkei aufgebrochen, um die Stationierung der „Patriot“-Abwehrraketen vorzubereiten. 20 Soldaten der Bundeswehr und rund 30 Soldaten der niederländischen Streitkräfte flogen mit einer Maschine der niederländischen Luftwaffe vom Flugplatz in Eindhoven in die südtürkische Stadt Adana.

Im Rahmen eines Nato-Einsatzes stationieren die Niederlande, Deutschland und die Vereinigten Staaten jeweils zwei Luftabwehrstaffeln, um die Türkei vor möglichen Angriffen aus Syrien zu schützen.

„Der Einsatz ist ein deutliches Signal für die Solidarität innerhalb der Nato“, sagte der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, General Rainer Glatz, bei der Verabschiedung der Quartiermeister. Der niederländische General Leo Beulen betonte, dass es um einen rein defensiven Einsatz gehe. „Wir gehen dorthin, um die türkische Bevölkerung zu schützen und eine Eskalation des Konflikts zu verhindern.“

Mehr zum Thema

Quelle: AFP/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schwere Explosion Selbstmordanschlag im westtürkischen Bursa

Eine schwere Explosion erschüttert die westtürkische Stadt Bursa. Nach Regierungsangaben hat sich eine Selbstmordattentäterin in die Luft gesprengt. Die Angaben über Verletzte gehen auseinander . Mehr

27.04.2016, 22:19 Uhr | Politik
Türkei Bundeswehr-Tornados starten zu ersten Aufklärungsflügen

Vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus sind die Aufklärer zu einem etwa dreistündigen Einsatz aufgebrochen. Die Ziele seien den Piloten vom internationalen Hauptquartier in Qatar vorgegeben worden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam. Mehr

31.03.2016, 15:34 Uhr | Politik
Wegen Kritik an Erdogan Türkische Polizei setzt niederländische Journalistin fest

Die türkische Polizei hat die niederländische Kolumnistin Ebru Umar während eines Aufenthaltes in der Türkei in Gewahrsam genommen. Die Regierung bemüht sich um Aufklärung. Mehr

24.04.2016, 11:26 Uhr | Feuilleton
Video Nordkorea soll Antrieb für Interkontinental-Raketen getestet haben

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat nach Berichten staatlicher Medien den erfolgreichen Test eines neuen Antriebs für eine Interkontinental-Rakete beaufsichtigt. Nordkorea steht wegen seiner Raketen- und Atomtests seit langem international in der Kritik. Mehr

10.04.2016, 18:15 Uhr | Politik
Nato-Einsatz in der Ägäis Auf der Suche nach Migrantenbooten

Seit dem Beginn der Nato-Mission in der Ägäis sinkt die Zahl der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln signifikant. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieht für die Entwicklung aber noch einen anderen Grund. Mehr Von Johannes Leithäuser, an Bord der Bonn

21.04.2016, 10:50 Uhr | Politik

Wiener Hausaufgaben

Von Reinhard Müller

Österreich hat durch sein Verhalten die Schließung der Balkan-Route herbeigeführt. Ist die Wiener Asylpraxis europarechtswidrig, ein Verstoß gegen Völkerrecht? Mehr 237