23.09.2011 · Im Februar ließ Papst Benedikt höchstpersönlich wissen, er selbst wolle in Erfurt einen „stärkeren Akzent“ auf dem Gebiet der Ökumene setzen. Nach der Begegnung an historischem Ort ringen die Evangelischen um Fassung.
Von Reinhard Bingener und Daniel Deckers, ErfurtVon zwei Mauerringen wurde das mittelalterliche Erfurt vor Angreifern geschützt. Am Freitag ist es ein Großaufgebot der Polizei, das für Sicherheit sorgt. Entlang der Straßen zum Augustinerkloster stehen etwa alle dreißig Meter beidseitig Polizisten Spalier. Die Stadt ist hermetisch abgeriegelt, der Alltag ist zum Erliegen gekommen. Man wartet gebannt auf den Mann aus Rom - die Katholiken, die Protestanten und vielleicht auch mancher, der mit dem Christentum schon lange abgeschlossen hat oder nie etwas angefangen hat.
In Erfurt sind es aber insbesondere die Protestanten, die mit Spannung erwarten, was der Papst zu sagen hat - ob er das Miteinander der Konfessionen voranbringen will, das in den vergangenen Jahren eher wie ein Neben- und ab und an sogar ein wenig wie ein Gegeneinander wirkte.
Man ist bescheiden geworden
Während die Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Kapitelsaal darauf wartet, unter Ausschluss der Öffentlichkeit 35 Minuten lang zu konferieren, parlieren in der Klosterkirche diejenigen evangelischen Kirchenführer miteinander, die nicht Mitglied der Delegation geworden sind. Den „unübersehbaren Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung“, von dem Bundestagspräsident Lammert, ein Katholik, tags zuvor im Parlament in Berlin gesprochen hat, erwartet wohl keiner von ihnen. Die EKD hat auch schon vorgebaut und in den vergangenen Wochen versucht, hochfliegende Erwartungen zu dämpfen. Zwar wird sie den Wunsch vortragen,
gemischtkonfessionellen Ehepartnern „in absehbarer Zeit“ Zugang zur Eucharistie zu gewähren, doch ein befreiendes Wort aus Rom erwartet man nicht. Ein Wort der Anerkennung über den Reformator, das ist es, was die Protestanten vom Papst hören wollen, und - vielleicht - einen Anstoß zu einem neuen theologischen Gespräch, um in einer Kommission einen substantiellen Fortschritt in der Ökumene vorzubereiten. Man ist bescheiden geworden.
Unweit der Kanzel steht Margot Käßmann. Wäre sie noch die Ratsvorsitzende, hätte sie nebenan das Wort zu führen. So unterhält sie sich mit dem nordelbischen Bischof Gerhard Ulrich. Im kommenden Jahr wird sie das neugeschaffene Amt der „EKD-Botschafterin“ für das große Reformationsjubiläum im Jahr 2017 übernehmen. Wenn der Papst wieder abgereist ist, wird sie eine Ahnung davon bekommen haben, welchen Raum sie in ihrer Arbeit für die Ökumene einplanen muss.
Die Delegationen lassen auf sich warten. Der Papst ist mit Verspätung eingetroffen. Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff sitzen bereits in der ersten Kirchenbank. Dem Bläserchor gehen langsam die Lieder aus. In der Not hilft man sich mit einer Instrumentalversion von „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“, das man eher in einem christlichen Jugendlager erwarten würde. Es folgt ein Musikstück, das kaum einer kennt. Selbst der Organist auf der Empore zuckt mit den Schultern. „Irgendeine Jazz-Version eines Chorals“, lautet sein Tipp.
Gebeugt tritt der Papst in die Klosterkirche ein
Vorn, direkt vor dem Altar liegt eine steinerne Grabplatte von beachtlicher Größe. Darunter befinden sich die Gebeine des Johann Zachariae. Er war ein Theologieprofessor in Erfurt, über den man sich später eine Zeitlang stolz in der Stadt erzählte, er sei es gewesen, der auf dem Konstanzer Konzil Jan Hus der Irrlehre überführt habe, so dass dieser am 6. Juli 1415 mitsamt seinen Schriften verbrannt und die Asche in den Rhein gestreut wurde.
Neunzig Jahre später lag auf der Grabplatte des Johann Zachariae im Erfurter Augustinerkloster wahrscheinlich gleich zweimal ein bildungshungriger, junger Mann, der 1502 als „Martinus Ludher ex Mansfeld“ an der Universität in Erfurt eingetragen worden war. Hier, in der Kirche des Erfurter Konvents der Augustinereremiten, wurde er Novize, ein Jahr darauf legte er seine Ordensgelübde ab.
Nach einer religiösen Entdeckung, die nicht nur für ihn grundstürzend war, wird er sich später in Anlehnung an das griechische „eleutherios“ (der Freie) in „Luther“ umbenennen und dem Papsttum in Rom einen Stachel ins Fleisch rammen, den es 500 Jahre später mittlerweile auf jedem Kontinent der Erde verspürt.
Endlich haben die Delegationen ihre Gespräch im Kapitelsaal beendet und strömen in den Saal. Bald wird es heißen, man sei kaum über das Verlesen der Ansprachen hinausgekommen. Gebeugt tritt der Papst durch eine niedrige Seitentür in die Klosterkirche ein. In seinen roten Schuhen läuft er getragenen Schrittes über den Steinboden der Klosterkirche hin zu der Stelle vor dem Altar, unter der der Hus-Gegner begraben liegt und auf der der spätere Papstfeind Luther lag.
Rechts nimmt der Papst Platz, links Nikolaus Schneider
Benedikt XVI. wandelt über die Jahrhunderte, die unter seinen Füßen wirr und kraus aufeinandergestapelt liegen und dabei an manchen Stellen so eigentümlich ineinandergreifen, dass man darin trotzdem das Werk eines Ironikers vermuten könnte. Mit seinen Schritten trägt das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche eine weitere Schicht auf diesen historischen Boden auf: Der Papst, dessen Vorgänger Leo X. den Reformator am 3. Januar 1521 mit der Bulle „Decet Romanum Pontificem“ exkommuniziert hat, feiert hier gemeinsam mit den Spitzen der deutschen Protestanten Gottesdienst.
Neben der Grabplatte stehen zwei Stühle, die Lehnen weiß, die Polster mit rotem Tuch überzogen. Rechts nimmt der Papst Platz, links Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rats der EKD. Lange hatte der rheinische Präses überlegt, wie er denn den Papst anreden solle. Für einen evangelischen Christen keine leichte Frage: Die respektvoll klingende, aber mit einer gezielten protestantischen Spitze versehene Anrede „Hochwürdiger Bischof von Rom“, mit der der einstige Ratsvorsitzende Eduard Lohse Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. während dessen ersten Deutschlandbesuchs 1980 willkommen geheißen hatte, kam für Schneider nicht in Betracht. Schneider entscheidet sich, seiner bisherigen Linie treu zu bleiben, spricht Benedikt in einer Mischform aus dem protestantisch-geschwisterlichen „Lieber Bruder in Christus“ und dem protokollarisch korrekten „Eure Heiligkeit“ an. Anderen in der EKD-Delegation, etwa der Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, kommt das mit der „Heiligkeit“ nicht über die Lippen.
Die Unterschiede zwischen den Konfessionen bestehen bis heute
Zu Beginn des Gottesdienstes wird gesungen: „Nun singe Lob, du Christenheit“, evangelisches Gesangbuch Nr. 265, katholisches Gotteslob Nr. 638. Die versammelte Geistlichkeit versteht sich aufs Singen, schmettert „Er lasse uns wie Brüder sein, der Eintracht uns erfreun, als seiner Liebe Widerschein die Christenheit erneun“. Der Catholica-Beauftragte der deutschen Lutheraner, Landesbischof Weber, liest einen Psalm aus der Lutherbibel vor. Kurt Kardinal Koch, im Vatikan für die Förderung der Einheit der Christen zuständig, trägt aus dem Johannesevangelium vor. „Alle sollen eins sein“, liest der Mann aus der Schweiz. Es ist die „Einheitsübersetzung“ - jene Übersetzung, über der es im Jahr 2005 zu einem jener Zerwürfnisse zwischen den Konfessionen kam, deretwegen von einer „Eiszeit“ in der Ökumene die Rede ist. Nickeligkeiten unter Funktionären - sicherlich auch, aber eben nicht nur. Auch nach bald 500 Jahren sind alle Differenzen auf irgendeine Weise mit der Grunderkenntnis jenes Mönches verwoben, der sich so eifrig selbst erforschte wie wohl keiner seiner Mitbrüder im besonders strengen Konvent der Augustinereremiten in Erfurt.
Und auch nach fünf Jahrhunderten reicht während des Gottesdienstes ein Blick, um zu wissen, dass diese Unterschiede zwischen den Konfessionen bis heute fortbestehen. Die evangelische Delegation: 12 Männer, acht Frauen, 14 ordinierte Pfarrer, sechs Laien. Die römisch-katholische Delegation: 20 Männer, ausnahmslos Kleriker, im Schnitt knapp zehn Jahre älter. Nun sitzen sie sich im Chor gegenüber, singen gemeinsam, beten gemeinsam. Die Anordnung ist dem englischen Unterhaus ähnlich; man sitzt sich gegenüber. Rechts die Roben und Soutanen der Kardinäle und Bischöfe, links auf der Kanzelseite die Protestanten, nüchtern in Anzügen. Doch in den Mienen der aus der vertraulichen Unterredung Zurückgekehrten liegt keine Heiterkeit. Bleiern blickt man sich in die Augen.
Der Papst kam den Evangelischen entgegen
Dabei war es doch Benedikt selbst gewesen, der die Erwartungen an die ökumenische Begegnung in die Höhe getrieben hat. „Ich werde alles tun, damit die Begegnung mit den evangelischen Christen gebührenden Raum erhält“, hat er im Februar an allen offiziellen Kanälen vorbei an Schneider geschrieben. Anlass des päpstlichen „motuproprio“ war der Wunsch nach einer eingehenderen Begegnung mit der EKD als jene Spanne von dreißig Minuten, die man in Deutschland im Einvernehmen mit den vatikanischen Behörden zunächst vorgesehen hatte - wobei es zur Erläuterung hieß, dass in den ersten Planungen aus Rom von Ökumene mit keinem Wort die Rede gewesen sei.
Und der Papst kam den Evangelischen entgegen: Das Treffen sollte nicht länger im Kreuzgang des Domes, also auf katholischem Terrain, stattfinden, sondern in der ersten Wirkungsstätte des späteren Reformators, die die evangelische Kirche heute als Tagungszentrum nutzt.
Doch wie würde der „stärkere Akzent“ ausfallen, von dem der Papst im März ebenfalls gesprochen hatte? Würde es später heißen, dass es erstmals zu einer Begegnung zwischen Evangelischen und einem Papst im Kernland der deutschen Reformation gekommen sei - einer schönen Geste also, aber ohne greifbare Folgen? Oder mussten sich Benedikts Worte und Taten nicht doch an einer anderen Begebenheit messen lassen, jener Zusammenkunft seines Vorgängers mit Repräsentanten der EKD im November 1980. Während des ersten Besuchs des polnischen Papstes in Deutschland war der Grundstein gelegt worden für eine Annäherung von Katholiken und Lutheranern - ausgerechnet in der Frage der Rechtfertigung, die Luther vor bald 500 Jahren zum Bruch mit Rom veranlasste.
Der Wunsch verhallte nicht ungehört
Landesbischof Lohse hatte bei Johannes Paul II. eindringlich für eine Verbesserung des ökumenischen Miteinanders geworben: „Wir bitten daher Sie und alle römisch-katholischen Brüder, mit uns in allem Ernst darauf zu sinnen, wie wir das Ärgernis der Spaltung überwinden und die gemeinsame Gliedschaft am Leibe Christi Wirklichkeit werden lassen können“, sagte Lohse damals. Der Wunsch verhallte nicht ungehört, auch wenn ökumenische Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen anders als damals angeregt bis heute tabu sind und es aus dem Vatikan kein anerkennendes Wort zu den vielen gemischtkonfessionellen Ehen gab, die nach wie vor nicht gemeinsam von einem katholischen Priester das Abendmahl empfangen dürfen.
Jedoch wurde damals eine „Gemeinsame Ökumenische Kommission“ gegründet, die sich der Frage annahm, ob die Lehrverurteilungen, mit denen sich die katholische Kirche und die evangelische Kirche im 16. Jahrhundert wechselseitig überzogen hatten, die jeweils andere Kirche auch heute noch träfen. Im Mai 1981 stellte Kardinal Ratzinger als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre für die katholische Kirche fest, dass die Lehrentscheidungen des Konzils von Trient im Licht neuer Realitäten überprüft werden müssten. Der „alte massive Dissens“ existiere faktisch nicht mehr. Landesbischof Lohse äußerte sich für die evangelische Seite ähnlich. 1985 lagen die Untersuchungen katholischer, lutherischer und reformierter Theologen über die Frage „Lehrverurteilungen - kirchentrennend?“ vor. Fast 14 Jahre später kam es zu einem weiteren Schritt: Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes unterzeichnen am Reformationstag des Jahres 1999 eine „Gemeinsame Offizielle Feststellung“, die sich auf eine im Jahr zuvor von beiden Seiten zur Kenntnis genommene „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ aus dem Jahr 1997 bezog. Zum ersten Mal machten sich Kirchenleitungen Ergebnisse eines ökumenischen Dialogs offiziell zu eigen, auch wenn auf evangelischer Seite schon damals zahlreiche Theologieprofessoren monierten, mit dem Dokument werde die theologische Grundeinsicht Luthers verwässert, dass Gerechtigkeit vor Gott allein aus Glauben und nicht aus Werken kommt.
Die evangelische Kirche als „Kirche der Freiheit“
Die vor allem auf evangelischer Seite so empfundene „ökumenische Eiszeit“ sollte dann beginnen, als Joseph Kardinal Ratzinger weniger als ein Jahr später in „Dominus Iesus“, einer Erklärung der Glaubenskongregation, einschärfte, dass die Kirchen der Reformation keine Kirchen im eigentlichen Sinn, sondern bestenfalls kirchliche Gemeinschaften seien. Diese und andere Äußerungen aus Rom empfand man in der evangelischen Kirche als herabsetzend. In der EKD gewann darauf unter dem Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber eine Auffassung an Einfluss, nach der die Zukunft einer „Ökumene der Profile“ gehöre, in der die evangelische Kirche für sich in Anspruch nimmt, die „Kirche der Freiheit“ zu sein - eine Kirche, in der etwa Laien über Synoden mitbestimmen und Frauen zu Bischöfinnen gewählt werden.
Vor den Delegationen im Kapitelsaal sagt auch Nikolaus Schneider, dass sich die evangelische Kirche als „Kirche der Freiheit“ verstehen wolle. Mit Freiheit sei allerdings nicht, das hebt er hervor, eine „unverbindliche Beliebigkeit“ gemeint, sondern eine Freiheit, die sich im „Ja“ zu Christus gründet. Schneider versichert dem Papst auch, dass das Jahr 2017 nicht in „triumphalistischer Großspurigkeit“ gefeiert werden wird. Das sollte das Gastgeschenk der Evangelischen sein - die Versicherung, dass man trotz des Ansehensverlustes der katholischen Kirche auch weiterhin öffentlich zuerst das Gemeinsame herausstellt und nicht das Trennende.
Später, im Gottesdienst, gibt Benedikt XVI. den Hinweis, dass man sich ein evangelisches Entgegenkommen eher auf einem anderen Terrain gewünscht hätte. In einer weithin säkularen Welt „wird Ethik durch das Kalkül der Folgen ersetzt“, predigt Benedikt und fährt fort: „Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod - in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe.“ Bei der Präimplantationsdiagnostik aber hat sich die EKD Anfang diesen Jahres eben nicht auf die katholische Position festgelegt, dass diese verboten werden muss, sondern gezielt einen gewissen Raum für Abwägungen gelassen.
Die ohnehin bescheidenen Erwartungen wurden nicht übertroffen
Dann folgen die Sätze, die zu einer weiteren Versteinerung der Gesichtszüge führen: Der Papst greift, zwar in konziliantem Ton, aber doch ganz unbefangen die Frage auf, wie es nun um das „ökumenische Gastgeschenk“ steht, dass man sich von seinem Besuch erwarte. Es sei ein „politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene“ zu glauben, man könne wie Diplomaten eines Staates über Glaubensinhalte verhandeln. „Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln.“
Die Arbeit, die nach dem Besuch Johannes Pauls II. seit 1980 unter Eduard Lohse geleistet wurde, lobt der Papst immerhin als eine Einübung in ein „gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben“, wofür er auch auf katholischer Seite Kardinal Lehmann dankt. Doch seine Worte, die sich nur mit Mühe durch den Raum tragen, klingen wie die Erinnerung an eine Vergangenheit. Als der Papst nach der Predigt vom Pult auf seinen Sitz zurückkehrt, umarmt ihn Schneider kurz. Auch eine dieser Gesten, die den guten Willen sichtbar machen sollen und an denen es in Erfurt nicht mangelt.
Pflichtschuldiges, irgendwie hilflos, wird man später während der Pressekonferenz sagen, der Papst habe Martin Luther, den er in seiner Predigt mit keinem Wort erwähnt, im Kapitelsaal als jemanden gewürdigt, dessen Frage nach Gott „die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens gewesen ist“. Die für eine theologische Bewertung nicht unwichtige Frage, ob der Reformator sich aus Sicht des Vatikans von seiner Leidenschaft schlicht auf einen Irrweg treiben ließ oder, im Gegenteil, den Christen eine Wahrheit eröffnete, die die damalige Kirche eher verdeckte, war von Benedikt nicht einmal gestellt worden.
Draußen vor der Kirche, auf dem Hof des Augustinerklosters, sind sich die evangelischen Theologen einig, dass damit die ohnehin bescheidenen Erwartungen zumindest nicht übertroffen worden sind. „Weniger als wenig“ sei das gewesen, ist zu hören. Volker Jung, Kirchenpräsident in Hessen-Nassau, spricht andernorts ganz offen von einer „Enttäuschung“ und davon, dass andere Leitende Geistliche der EKD ähnlich empfänden. Da konnten die noch nicht gehört haben, was sich kurze Zeit später auf der Pressekonferenz abspielte. Kurt Kardinal Koch, im Vatikan immerhin Präsident des Rates für die Einheit der Christen, fragt Nikolaus Schneider ins Gesicht, wie die „evangelische Kirche die 1500 Jahre Kirchengeschichte sieht, von der sie sich gelöst hat“. Schneider ist ein besonnener Mann, doch man sieht ihm an, dass er kurz um Fassung ringen muss. „Das ist nicht unser Verständnis“, antwortet er. Es sind Gesten, die den Protestanten im Gesicht schmerzen.
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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