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Papstbesuch im Libanon Wer Ohren hat, der höre

 ·  Der Papst war nicht der Erste, der in den vergangenen Tagen im Namen Gottes zur Mäßigung aufrief. Auch die Gewalttäter in der arabischen Welt berufen sich auf Gott. Sie verstehen nicht, worum es geht.

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Die Religionen sollten abgeschafft werden. Ist das nicht der einzige Schluss, zu dem man dieser Tage kommen kann? Der Mohammed-Film ist beschämend, die Reaktionen darauf sind beschämend. Es ist alles dermaßen dumm und würdelos. Ein Argument mehr gegen den Glauben.

Am Freitag begann der Besuch des Papstes im Libanon. Während sein Flugzeug in Beirut landete, protestierte in der Hafenstadt Tripoli eine wütende Menge gegen den Mohammed-Film. Einige skandierten auch: „Wir wollen den Papst nicht!“ Am Samstag hielt Benedikt XVI. eine Rede. Der Präsident, Politiker und Diplomaten saßen im Publikum, Priester und Imame. Der Papst sagte, er habe Gott gebeten, den Libanon und alle seine Bewohner zu segnen. Den Libanon als ein Beispiel der „Möglichkeiten des Menschen, seine Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung konkret zu leben“. An keiner Stelle seiner Rede sprach der Papst über den Film und die Proteste, und doch ging es um nichts anderes. „Der Verlust jedes Menschenlebens ist ein Verlust für die ganze Menschheit“, sagte er. Daher müsse jede Erziehung zuerst eine Erziehung zum Frieden sein. „Gewalt“, sagte er, „ist immer ein Angriff auf die menschliche Würde sowohl des Opfers wie des Täters.“ Er schloss seine Rede damit, dass Gott den Frieden wolle. Er meinte den Gott der Christen und den der Muslime.

Der Papst war nicht der Erste, der solche Worte in den vergangenen Tagen sprach. Das Friedensgebot wurde in fast allen Kirchen und Moscheen gepredigt. Und doch sind die Verbrechen in Gottes Namen geschehen, von sogenannten Gläubigen verübt worden. Diese Leute verstehen nicht, worum es geht, sie hören nur, was sie hören wollen. Das ist menschlich, göttlich ist es nicht. Christus sagte zu seinen Jüngern über seine eigene Gemeinde: „Dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel.“

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Politik.

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