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Pädophilievorwürfe Kein Mann, keine Frau, nur ein Kind

Als Studentin forderte Dagmar Döring die Straffreiheit für pädophile Übergriffe - nun holt die FDP-Politikerin ihre Vergangenheit ein.

© Sick, Cornelia Vergrößern Die Wiesbadener FDP-Politikerin Dagmar Döring

Als Dagmar Döring am Freitagmittag von der F.A.Z. zu ihrer Vergangenheit als Aktivistin der Pädophiliebewegung befragt wird, bittet sie - die immerhin führende Frauenpolitikerin der FDP in Hessen - um einen Tag Zeit. Dann tritt sie die Flucht nach vorne an, um Freunden und politischen Weggefährten zu ersparen, erst am Montag aus dieser Zeitung von ihren Verfehlungen zu erfahren. In einer persönlichen Erklärung beichtet sie der Öffentlichkeit ihre Vergangenheit als Studentin, die sich im damaligen West-Berlin für eine kurze Zeit geradezu leidenschaftlich für straffreien Sex zwischen Erwachsenen und Kindern eingesetzt hat.

Thomas Holl Folgen:      

Nach Rücksprache mit dem hessischen FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn und dem Wiesbadener FDP-Kreisvorsitzenden und Wirtschaftsminister Florian Rentsch zieht sie schließlich am Samstag ihre Bundestagskandidatur im Wiesbadener Wahlkreis 179 zurück. Sie verzichte auf ihre Kandidatur, „um Schaden von meiner Familie und der FDP abzuwenden“, begründet Döring ihren Schritt. Die Entwicklungen, die zu diesen „Irrungen und Wirrungen“ führten, könne sie heute „im Einzelnen“ und im Abstand von mehr als 30 Jahren nicht mehr verstehen: „Meine Sichtweisen und politischen Aktivitäten in entsprechenden Organisationen sind aus heutiger Sicht völlig inakzeptabel und ein großer Fehler gewesen.“

„Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von allen Schriften und politischen Aktionen aus diesem frühen Kapitel meines Lebens.“ Als „verheiratete Frau und Mutter von drei Kindern sind mir meine damaligen unreifen Gedanken heute unvorstellbar peinlich - vor allem vor meiner Familie und vor meinen heutigen Weggefährten“. Wenige Tage zuvor war die 53 Jahre alte Vorsitzende der „Liberale Frauen Hessen“ schon durch einen Anruf des Göttinger Politikprofessors Franz Walter von ihrer Vergangenheit eingeholt worden, die sie nach eigener Aussage in den vergangenen drei Jahrzehnten „komplett ausgeblendet“ hatte.

Einfluss der Pädophilen-Gruppen

Auf Wunsch der Grünen-Parteiführung arbeitet Walters „Institut für Demokratieforschung“ an der Universität Göttingen seit Wochen den Einfluss der Pädophilen-Gruppen bei den Grünen wissenschaftlich auf. Die Forscher haben dabei ungehinderten Zugang zu den Archiven der Grünen und ihrer damals führenden Politiker. Sie sichten zudem zahlreiche Dokumente aus den Anfängen der westdeutschen Schwulenbewegung, in der sich in den späten siebziger und bis Mitte der achtziger Jahre auch Pädophilen-Gruppen um politischen Einfluss bemühten.

Bei ihren Recherchen stießen die Wissenschaftler schnell auf den Namen Dagmar Döring. Die damals 19 Jahre alte Döring kam nach ihrem Abitur in Aachen 1979 als Studentin nach Berlin, schrieb sich an der Freien Universität für Philosophie, Theater- und Filmwissenschaft ein. Sie sei mit 17 Jahren in einen zehn Jahre älteren pädophilen Lehrer verliebt gewesen, der einen starken emotionalen Einfluss auf sie ausgeübt habe, sagte Döring der F.A.Z. Über diesen Freund findet sie im damaligen bunt-alternativen Milieu West-Berlins Zugang zu jener auch vielen Homosexuellen merkwürdig erscheinenden Szene, deren Vertreter sich pseudowissenschaftlich verbrämt für die Abschaffung des Paragraphen 176 des Strafgesetzbuches einsetzen.

Darin wird der sexuelle Missbrauch von Kindern bis 14 Jahren durch Erwachsene unter Strafe gestellt. Döring lässt sich als eine von wenigen Frauen in den Vorstand der akademisch harmlos klingenden „Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie“ wählen, die sich laut Walter als „politische Speerspitze der Pädosexualität“ verstand. Über die Jungdemokraten, der damaligen linksliberalen Jugendorganisation der FDP, versuchte die DSAP Anfang der achtziger Jahre Einfluss auf die mit der SPD zusammen regierenden Freien Demokraten zu nehmen.

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