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Pädophilie-Vorwürfe Sexuelle Befreiung

Die Grünen wollten mit der deutschen Geschichte brechen. Dazu gehörte der Umgang mit Sexualität. Sie schufen sich eine Ideologie, die Kindesmissbrauch Vorschub leistete.

© Hinnerk Bodendieck Vergrößern

Es ist ein Dokument des Ekels. Eine junge Frau schildert, wie sie die sexuelle Gewalt durch ihren eigenen Onkel erlebte. Wie er sie bei ihrer Kommunion im Keller bedrängte. Wie sie sich später als 11-Jährige im Auto verzweifelt gegen die Umklammerung des Mannes wehrte. Wie er verlangte, dass sie sein Glied in den Mund nimmt. „Ich ertrage bis heute den Geruch von Sperma nicht“, schreibt sie. Der Leser scheut und bewundert zugleich die schonungslose Offenheit der Frau.

Der Text stammt aus dem Jahr 1985, er erschien als kritischer Beitrag zur Pädophilie-Debatte in der innergrünen Postille „Basisdienst“. Interessant ist, was daraufhin mit der mutigen Frau geschah: Mitglieder der grünen Partei machten sie regelrecht fertig. Wie sie darauf komme, ihre individuelle Erfahrung „einfach zu verallgemeinern“, warfen ihr pädosexuelle grüne Arbeitsgruppen vor.

Gegen das Sexualstrafrecht

Den Kritikern ging es um Prinzipielles: die kriminalisierenden Strukturen in der Gesellschaft. Sexualität, so ihr Argument, dürfe nicht durch das Strafrecht geregelt werden. „Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft“, so klärte die grüne Arbeitsgemeinschaft „Schwule und Päderasten“ die missbrauchte Frau auf, in der „Menschen jeden Geschlechts und jeden Alters und jedweder Zahl sich lieben“.

Die Grünen wollten in den achtziger Jahren legalisieren, was sie Sex mit Kindern nannten. So hieß das damals. Heute sagt man dazu sexualisierte Gewalt oder einfacher: Sexueller Kindesmissbrauch.

Das sind in der Tat olle Kamellen, und sie sind sattsam bekannt, seit die Geschichte des lange Zeit populärsten und schamlosesten grünen Propagandisten von kindlichem Sex wieder aufgerollt wurde: Daniel Cohn-Bendit, der unter anderem detailliert beschrieb – angeblich eine Fiktion –, wie er sich von kleinen Kindern die Hose öffnen und streicheln lässt. Das war 1975. Die Frage ist freilich nicht, wie alt die Texte und Zitate sind, sondern: Wieso nahmen Grüne damals die offen pädophile Propaganda widerspruchslos hin?

Glaube an Moral der grünen Kirche

Die Antwort ist kompliziert und doch sehr einfach: Weil die Grünen Gläubige sind. Sie glauben fest an die Moral der grünen Kirche von der Bewahrung der Schöpfung, der ehrlicheren Politik und einer besseren, weil grünen Welt.

Empathie gibt es bei den Grünen immer nur für die Opfer der anderen. Als 2010 im Zuge der Missbrauch-Aufklärung der Odenwaldschule, wo es mehr als hundert Opfer gab, die Rolle des Pädagogengurus Hartmut von Hentig hinterfragt wurde, meldete sich sogleich Antje Vollmer zu Wort: Man habe den armen Hentig reingelegt, sagte die grüne Vordenkerin. Und wies mit dem Zeigefinger auf – die Kirche: „Die katholische Kirche wird ihr Verhältnis zur Sexualität überprüfen müssen“, verlangte Vollmer.

Das war 2010, und seitdem tun die Grünen alles, um sich ihrem Verhältnis zur Sexualität nicht zu stellen. Sie lenken von ihrer Verantwortung lieber Richtung Kirche ab. Dabei ist das gefährlich, denn die katholische Kirche klärt anders auf als die Grünen – genauer und gründlicher. Niemand symbolisiert das besser als Pater Klaus Mertes, der den Missbrauchs-Opfern des Berliner Canisius-Kollegs schrieb: „Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese... systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen“. Mertes Botschaft an alle Alt-Schüler: Wir bitten Euch um Verzeihung, meldet Euch! Der Leiter des Kollegs löste damit die beispiellose Aufklärungswelle aus, die Deutschland seitdem in Atem hält.

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