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Pädophilievorwurf gegen Grüne : Viele Entschuldigungen und ein Erklärungsversuch

Vergangenheitsbewältigung: Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter (hier in einer Aufnahme aus dem September) stellte an diesem Mittwoch eine Studie über den Einfluss von Pädophilen auf die Grünen in den achtziger Jahren vor. Bild: dpa

„Die Grünen und die Pädosexualität“: So lautet der Titel einer Studie zur Haltung der Grünen zu pädophilen Strömungen in der eigenen Partei der achtziger Jahre. Heute ist sie in Berlin vorgestellt worden.

          Die Entschuldigungs- und Bedauernsgesten der Grünen-Parteiführung haben sich am Mittwoch umgekehrt proportional zu den Neuigkeiten verhalten, die der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter in Berlin zum Thema „Die Grünen und die Pädosexualität“ präsentierte. Walter legte in Buchform den vorläufigen Abschluss eines Gutachtens vor, um dessen Erstellung er von den Grünen im Mai vergangenen Jahres gebeten worden war. Damals drohte der Bundestagswahlkampf der Grünen zu entgleisen durch Indizien und Mutmaßungen, wonach sich die grüne Partei in ihrer in den achtziger Jahren von Pädophilen mit ihrer Forderung nach Straffreiheit für sexuelle Handlungen mit Kindern instrumentalisieren ließ.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Während im Bundestagswahlkampf des Jahres 2013 vor allem das Detail erschütternde Wirkung entfaltete, dass der seinerzeitige Spitzenkandidat Jürgen Trittin 1981 an einem Wahlprogramm mitwirkte, das solche pädophilenfreundlichen Forderungen erhob, legte der Forscher Walter jetzt in seinem Bericht eher Wert auf die kulturgeschichtlichen Wandlungen des Phänomens der Pädophilie. Er lässt die Untersuchung in der Antike beginnen und gibt seinem Werk den Untertitel „eine bundesdeutsche Geschichte“.

          Forderung vieler Landesverbände

          Der Bericht verzeichnet, in welchen Jahren Wahlprogramme der Grünen die Forderung nach  der Straffreiheit pädophiler Handlungen aufnahmen: in Köln 1979, in Nordrhein-Westfalen 1980 und 1985, in Göttingen 1981, in Berlin 1981 und 1985, in Bremen und Rheinland-Pfalz 1983, in Hannover 1981, in Hamburg 1982. Als eine Minderheitenposition habe das grüne Grundsatzprogramm des Jahres 1980 die Legalisierung von pädosexuellen Kontakten enthalten.

          Im Zentrum der Kritik: der Grünen-Europapolitiker und Publizist Daniel Cohn-Bendit in einer Aufnahme aus dem Jahr 2013

          Die heutige Grünen-Vorsitzende Simone Peter nahm Walters Studie nun zum Anlass vielfachen Bedauerns: Die damals gefassten Beschlüsse seien „nicht akzeptabel“, gewesen, die Grünen „bedauern zutiefst“, dass es dazu habe kommen können, „viel früher“ hätten Konsequenzen gezogen werden müssen, die Grünen hätten „nicht mit der nötigen Konsequenz“ reagiert, „viel zu spät Verantwortung übernommen“, „bedauern, dass viele Jahre verstrichen sind“. Die Grünen „entschuldigen sich deshalb nochmals bei allen Opfern“ und „bedauern zutiefst“, dass die Täter sich auf Beschlüsse der Grünen „als Legitimation ihrer Taten“ hätten berufen können.

          Kaum öffentlicher Widerspruch

          Der Politikforscher Walter aber präsentierte am Donnerstag andere neue Zusammenhänge, die als Ursachen für den Erfolg der Pädophilen bei den Grünen wesentlich sind: Er erinnerte an eine Bundestags-Anhörung aus dem Jahr 1970, bei der rund 30 Juristen, Sozialwissenschaftler, Soziologen und Pädagogen mehrheitlich die Ansicht verlautbart hätten, einvernehmliche sexuelle Handlungen mit Kindern fügten diesen keine seelischen Schäden zu.

          Diese aus linksliberalem Befreiungsgeist, aus Wissenschaftsgläubigkeit und Emanzipationseifer entstandene These (und ihre Vertreter) seien dann von den Grünen in ihrem Gründungswirbel angezogen worden; es habe sich dieser Ansicht aber auch in Öffentlichkeit und Publizistik kaum Widerspruch entgegengestellt. Walter fiel am Donnerstag namentlich nur eine Ausnahme ein: Friedrich Karl Fromme, der frühere innenpolitische Ressortleiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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