http://www.faz.net/-gpf-7nfjh

Pädophilie-Ermittlungen : Edathy sorgt für Irritation und Empörung

Sebastian Edathy (Archivbild Februar 2013) Bild: dpa

Mit teils drastischen Worten reagieren Politiker von SPD und Union auf die jüngsten Äußerungen des früheren Abgeordneten. Sebastian Edathy hatte den Erwerb von Bildern nackter Kinder und Jugendlicher unter Bezug auf die „Kunstgeschichte“ verteidigt.

          Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat befremdet auf die Versuche des langjährigen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy reagiert, das Bestellen von Bildern nackter Kinder und Jugendlicher zu rechtfertigen. „Mich hat das Interview irritiert, es war sehr stark geprägt von Selbstverteidigung“, sagte er am Montag in Berlin.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Er hob hervor, dies sei seine Sichtweise, das Thema Edathy habe in der Telefonkonferenz des SPD-Präsidiums keine Rolle gespielt. Schäfer-Gümbel sagte weiter, Edathys Angriffe gegen den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel in dem Interview in der Zeitschrift „Der Spiegel“ halte er „für absurd“.

          Edathy, gegen den in der SPD ein Parteiordnungsverfahren läuft, das allerdings bis zur Klärung einer strafrechtlichen Relevanz durch die Justiz auf Eis gelegt wurde, hatte in dem Interview den Umgang mit ihm in der SPD scharf kritisiert und zudem geäußert, dass er keineswegs pädophil sei.

          Edathy: Habe mich rechtskonform verhalten

          Edathy verteidigte den Erwerb der Nacktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen, bei denen es sich – nach Einschätzung der Behörden – nicht um Kinderpornographie handelt. Die Ermittlungen prüfen derzeit, ob Edathy auch im Besitz von strafrechtlich relevantem Material war, zumal er angegeben hatte, ein Laptop sei ihm gestohlen worden.„Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber“, sagte Edathy. In der Kunstgeschichte habe der männliche Akt eine lange Tradition, auch der Kinder- und Jugendakt.

          Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der „Tageszeitung“: „Ein Liebhaber der Kunstgeschichte kann ins Museum gehen. Er braucht sich keine Bilder von einem windigen Kinderporno-Dealer aus Kanada zu bestellen.“

          „Allerhöchste Zeit für ein Edathy-Gesetz“

          CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer reagierte in drastischen Worten auf Edathys Vergleich: „Dieser im Ausland feixende Edathy kotzt mich an. Wer Bilder nackter Jungen auch noch schamlos als Kunst bezeichnet, gehört in die Klapse.“ Es werde „allerhöchste Zeit für ein Edathy-Gesetz, das unsere Kinder vor solchen Widerlingen schützt“.

          Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Nadine Schön warf Edathy vor, er unterstütze Geschäfte mit den Körpern von Kindern, „selbst wenn er nur legales Material gekauft haben sollte“. In dem Interview reagiert Edathy auf die Frage, ob er einmal eine Therapie erwogen habe, ungehalten: „Was soll das? Ich finde es sehr irritierend, in diese Ecke gestellt zu werden.“

          Streiter kritisiert den „Spiegel“

          Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Georg Streiter, geriet unterdessen wegen eines Eintrages auf seiner „Facebook“-Seite in die Kritik, über welchen die Zeitung „Handelsblatts“ berichtet hatte. In dem geschlossenen Bereich des sozialen Netzwerks, zu dem einige Journalisten Zugang hatten, schrieb er zu Edathys kunsthistorischen Erklärungsversuchen: „Ich jedenfalls habe noch keinen gesehen, der sich im Museum einen runterholt – und ich bestreite auch, dass die von einem schmierigen deutschen Typen in Rumänien geschossenen Fotos von verarmten ahnungslosen nackten Kindern irgendetwas mit Kunst zu tun haben.“

          Zudem warf er der Zeitschrift vor, Edathy ein Forum geboten zu haben. Der Vorsitzende des Deutsche Journalisten-Verband, Michael Konken, sagte im „Handelsblatt“: „Der Vize-Regierungssprecher überschreitet seine Kompetenzen, wenn er dem ,Spiegel‘ Nachhilfeunterricht in Sachen Themenfindung erteilt.“ Streiter wollte sich nicht zu dem Vorwurf öffentlich äußern.

          Weitere Themen

          Trump will 2020 wieder zur Wahl antreten Video-Seite öffnen

          Laut Interview : Trump will 2020 wieder zur Wahl antreten

          Am Rande seines Besuchs in Großbritannien hat der amerikanische Präsident Donald Trump in einem Interview gesagt, er wolle sich 2020 abermals zur Wahl aufstellen lassen. Anhänger rechter Organisationen feierten ihn in London.

          Trump und Putin in Finnland Video-Seite öffnen

          Präsidententreffen : Trump und Putin in Finnland

          Trump erklärteim Vorfeld, er gehe mit niedrigen Erwartungen in das Treffen. Zuvor hatte er zur nächsten Verbalattacke ausgeholt und bezeichnete die Europäische Union in einem Interview als einen Feind der Vereinigten Staaten.

          Topmeldungen

          Freihandelspakt EU-Japan : Käse gegen Autos

          Japan und die EU schließen das größte bilaterale Freihandelsabkommen der Welt. Es soll ein Fanal gegen den Protektionismus Donald Trumps sein. Doch strittige Punkte wurden ausgeklammert.

          Handelsstreit : Auge um Auge, Zoll um Zoll

          Handel hilft allen – doch nicht alle sehen das so. Der aktuelle Streit zwischen Donald Trump, der EU und China bedroht den Wohlstand überall auf der Welt. Hier sind die Fakten.

          Nato und EU zurückhaltend : Und Brüssel schweigt

          Normalerweise dringen zumindest aus dem Nato-Hauptquartier rasch Einschätzungen zur Weltlage und zur Haltung Russlands an die Öffentlichkeit. Doch nach dem Treffen von Trump und Putin ist es ungewöhnlich still in Brüssel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.