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Veröffentlicht: 30.03.2014, 17:51 Uhr

Pädophiler BKA-Beamter Sanft entsorgt

Das Verzeichnis, das Edathys Käufe von Bildern nackter Kinder offenlegte, listet auch einen BKA-Beamten - einen Leitenden Kriminaldirektor. Um einen Skandal zu vermeiden, wurde er lautlos entfernt.

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© dpa In Erklärungsnot: Fragt man BKA-Präsident Ziercke nach Karl-Heinz D., wird er wütend

Die Affäre um den ehemaligen SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy verwandelt sich allmählich in eine hässliche Angelegenheit für das Bundeskriminalamt und seinen Präsidenten Jörg Ziercke. Das hat damit zu tun, dass sich in Wiesbaden der Fall Edathy auf merkwürdige Weise verbindet mit der pädophilen Neigung eines BKA-Spitzenbeamten. Karl-Heinz D., Ehemann und Vater, hatte im BKA Karriere gemacht. Er war über das Amt eines stellvertretenden Referatsleiters für Fahrzeugdelikte und weitere Stationen zum Leitenden Kriminaldirektor aufgestiegen.

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In der Abteilung Organisierte Kriminalität führte er die Rauschgift-Ermittlung. Zur selben Abteilung gehörte auch die Bekämpfung von Kinder- und Jugendpornographie. D. war Autor der Fachzeitschrift „Kriminalpolizei“ und gut vernetzt bei Interpol. Und er engagierte sich in der SPD. In der Schule seiner Tochter war D. im Elternbeirat aktiv. Nebenbei Kinderpornographie.

Eine Sachbearbeiterin entdeckte den Namen einer ihrer Chefs

Am 10. Januar 2012 beendet eine Sachbearbeiterin beim Bundeskriminalamt das Doppelleben des Karl-Heinz D. Die junge Frau, erst seit ein paar Monaten im Referat SO 12 beschäftigt, bearbeitete an diesem Tag eine Computer-Liste mit etwa sechstausendfünfhundert Einträgen. In der Datei waren Namen, Vornamen und Adressen deutscher Kinderporno-Käufer verzeichnet. Die Polizei in Toronto hatte die Kundenverzeichnisse zuvor bei einem dubiosen Filmvertrieb beschlagnahmt und die grob sortierten Daten weltweit an Polizeibehörden übermittelt. Eine verschlüsselte Festplatte war im November 2011 dem BKA ausgehändigt worden.

Die Excel-Dateien und Filmkopien enthielten unter anderem Edathys Schicksalsdaten: Ab der Spalte 5.311 unter dem Buchstaben „S“ wie Sebastian befanden sich seine Bestellungen für Bilder nackter Jungen. Aber bis zu diesem Eintrag kam die Beamtin nicht. Sie blieb bei der groben Durchsicht bei Spalte 1123 hängen: Und war wie elektrisiert: Denn dort stand, unter dem Buchstaben „D“, der Name ihres BKA-Gruppenleiters. Einer ihrer Chefs. Sie gab den Namen in die Suchfunktion ihres Computers ein und tatsächlich: Ab Nr. 3.415 tauchen weitere Bestellungen auf, diesmal unter „K“ wie Karl-Heinz.

„Die Hierarchie“ habe entschieden

Das war ein Schock. Der Leitende Kriminaldirektor Karl-Heinz D. hatte, wie Edathy, bei der kanadischen Kinderporno-Firma Azov Nacktbilder bestellt, mehr als zwanzig Mal. Unter den Masturbationsvorlagen für Pädophile befanden sich in seinem Fall auch solche, deren Besitz in Deutschland strafbar ist. Sie zeigten sexuelle Handlungen. Sofort brach die Sachbearbeiterin ihre Arbeit ab und informierte ihre Vorgesetzten. Pädophile organisieren sich oft in abgeschotteten Chat-Räumen. Man kennt einander und schützt sich vor Strafverfolgung, so gut es geht.

Ein Kinderporno-Konsument im Bundeskriminalamt, sozusagen Tür an Tür mit seinen ärgsten Jägern. Das hätte für maximales Aufsehen gesorgt – wenn es bekannt geworden wäre. Präsident Ziercke handelte blitzschnell. Der Fall D. wurde herausgelöst aus den kanadischen Daten. Das Innenministerium bekam eine mündliche Information. D. erschien nicht mehr zum Dienst, innerhalb von Tagen entstand eine Akte für die Mainzer Staatsanwaltschaft. Nachdem das erledigt war, geschah lange nichts mehr.

Der Rest des giftigen Materials wurde unter Verschluss gehalten. Niemand im BKA durfte sich dafür interessieren, ob noch andere Bekannte auf der Liste standen. Das habe, so sagt die Sachbearbeiterin heute, „die Hierarchie“ entschieden.

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