Home
http://www.faz.net/-gpg-75qc8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Ottmar Schreiner Abschied eines Kämpfers

Der SPD-Sozialpolitiker Ottmar Schreiner zieht sich aus dem Bundestag zurück. Wegen einer Krebserkrankung verzichtet der Saarländer auf eine abermalige Kandidatur.

© dapd Vergrößern Ottmar Schreiner: Das sozialpolitische Gesicht der SPD

Der SPD-Bundestagsfraktion gehen mit der Wahl im September eine Reihe verdienter Parlamentarier verloren: Nach Heidemarie Wieczorek-Zeul und Hans-Ulrich Klose hat nun auch Ottmar Schreiner bekanntgegeben, auf eine neue Kandidatur zu verzichten. Hintergrund ist eine Krebserkrankung, wegen der er vor gut zwei Jahren schon einmal vorübergehend pausieren musste.

Majid Sattar Folgen:  

Der Krebs sei zurück, daher könne den Wahlkampf nicht mit voller Kraft führen, kündigte Schreiner am Wochenende im Saarland an. Der Sozialpolitiker hatte im vergangenen Jahr bereits den Vorsitz der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) abgegeben.

Erbitterter Agenda-Gegner

Schreiner, der 1978 in einer Wahl für den Juso-Vorsitz gegen den späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder unterlag, begann 25 Jahre später seinen Kampf gegen Schröders Agenda 2010. Dazwischen lagen Jahre, in denen er zeitweise stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion und Bundesgeschäftsführer in der Parteizentrale war. Doch die längste Zeit war Schreiner, der Mann mit den dunklen Tränensäcken, vor allem als Afa-Vorsitzender das sozialpolitische Gesicht seiner Partei.

1946 im saarländischen Merzig geboren, studierte der Sohn eines Angestellten in Saarbrücken, Berlin und Lausanne Jura. 1980 wurde er erstmals in den Bundestag gewählt, wo er den Wahlkreis Saarlouis vertrat. Den jungen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine, der 1985 in die Staatskanzlei des bis dahin CDU-regierten Saarlands einzog, beäugte er anfangs skeptisch, damals galt der spätere Gründer der Linkspartei als mutiger Modernisierer. Später rückten beide zusammen.

Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün 1998 trat Schreiner die Nachfolge Franz Münteferings als Bundesgeschäftsführer unter dem Parteichef Lafontaine an. Lange konnte er sich auf diesem Posten nicht halten. Nach dem Rücktritt Lafontaines und der krachenden Niederlage der SPD in der Europawahl 1999 schuf der neue SPD-Vorsitzende Schröder das Amt des Generalsekretärs und setzte Müntefering auf den Posten. Lafontaine-Mann Schreiner musste weichen.

Mehr und mehr wurde Schreiner die Stimme der innerparteilichen Opposition, zumal als Schröder 2003 die Reformagenda verkündete, die er als sozialen Kahlschlag im Geiste des Neoliberalismus empfand. Es folgte ein harter Kampf: Schröder focht seine Agenda durch, doch als er 2004 den SPD-Vorsitz an Müntefering abgab, hieß es, er könne den Laden nicht mehr zusammenhalten. Und als er 2005 vorzeitig Neuwahlen anstrebte, hieß es, er habe nicht von Ottmar Schreiner und Andrea Nahles gestürzt werden wollen. So erbittert Schreiner die Agenda-Politik bekämpfte, so wenig kam für ihn in Frage, Lafontaine auf seinem Weg aus der SPD zu folgen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reformdebatte in der Koalition Müntefering fordert „Agenda 2030 oder 2040“

In der zweiten großen Koalition von 2005 bis 2009 drängte Franz Müntefering auch innerhalb der SPD auf weitere Reformen. Nun hat sich der frühere SPD-Vorsitzende und Vizekanzler wieder zu Wort gemeldet - auch mit Kritik an seinem Nachfolger Sigmar Gabriel. Mehr

14.08.2014, 12:37 Uhr | Politik
Linke-Haltung zu Braunkohle Im braunen Strom

Das Land Brandenburg steht treu zur Braunkohleverstromung - auch weil sie viele Arbeitsplätze schafft. Die Linkspartei hat damit nicht nur im Wahlkampf ihre Probleme. In Widersprüche verstrickt sie sich auch auf Bundesebene. Mehr

22.08.2014, 14:25 Uhr | Politik
Teil 6 der „Beruf und Chance“-Sommerserie Der Schreiner kann es feiner

Auf schriftliche Bewerbungen gibt Gerhard Luther wenig. Praktisches Talent und Zuverlässigkeit der Bewerber sind ihm wichtig. Wer in seiner Tischlerei lernen will, ist erst mal Praktikant. Mehr

22.08.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance