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Politiker in den Nachrichten : Lafontaines Lügenpresse

Einfache Wahrheiten: Oskar Lafontaine Bild: dpa

Politiker der Linkspartei sind im April seltener in den Fernsehnachrichten aufgetreten als die anderer Parteien. Oskar Lafontaine wittert eine Verschwörung der Medien, die nicht mehr unabhängig seien – dabei sind die Gründe ganz andere.

          Die deutschen Medien haben sich mit den Mächtigen verschworen, um die Wahrheit zu vertuschen, Fakten zu verbiegen und die Eliten zu schützen: Das ist gängige Meinung vieler Anhänger von Pegida und AfD. Hier unten wir, da oben die „Lügenpresse“, eng umschlungen mit dem „System“ – ein zementiertes Weltbild, das zu zerstören selbst Fakten nicht vermögen.

          Dass man diese Legende auch am anderen Ende der politischen Skala, bei der Linkspartei, gern erzählt, ist bekannt – dass vor allem ein Politiker diese Stimmung gut und gerne bedient, auch. Schon im Februar warf Oskar Lafontaine, Linken-Fraktionsvorsitzender im saarländischen Landtag, deutschen Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über den Syrien-Krieg vor, Befehle vom amerikanischen Geheimdienst erhalten zu haben – eine Verschwörungstheorie, die genauso nicht nur in rechten Pegida-Kreisen, sondern auch von vielen AfD-Anhängern vertreten wird. 

          Jetzt dreht Lafontaine die Lügenpresse-Spirale abermals ein Stückchen weiter. Unter der Überschrift „TV-Sender im Dienst der neoliberalen Parteien“ schrieb er am Dienstag auf seiner Facebook-Seite über eine neue Studie des „Instituts für empirische Medienforschung“ (IFEM), das kürzlich ausgewertet hat, wie oft Politiker welcher Partei im April in den Fernsehnachrichten aufgetreten sind. CDU-Politiker tauchten demnach 402 Mal in den Sendungen auf, ihre SPD-Kollegen 238 Mal, Grünen-Politiker 120 Mal. Dahinter: die CSU (80 Auftritte), die FDP (64) und die AfD (53). Auf dem vorletzten Platz unter den in deutschen Parlamenten vertretenen Parteien: die Linkspartei mit 52 Auftritten. Nur die NPD mit 1 Auftritt liegt noch weiter hinten.

          „Von unabhängigen Medien sind wir weit entfernt“

          Aus der Aufstellung kann man in der Tat ablesen: Die Regierungsparteien CDU und SPD waren im April in den Fernsehnachrichten deutlich präsenter als die Oppositionsparteien. Auch sonst entspricht die von dem Institut gemessene Präsenz in etwa dem jeweiligen Wahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl und damit mithin dem Gewicht der Parteien. Einziger Ausreißer: die Linkspartei. Sie erreichte bei der Bundestagswahl 2013 immerhin 8,6 Prozent der Stimmen und wurde damit drittstärkste Kraft noch vor den Grünen. Im Gegensatz zu diesen tauchte sie im April aber deutlich weniger in den Nachrichten auf und liegt noch hinter der AfD.

          Für Lafontaine ist klar, warum das so ist: die Lügenpresse ist schuld. „Nach wie vor wird die Linke als einzige Partei, die gegen Lohndumping, Rentenkürzung, Sozialabbau und Kriege kämpft, auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten bekämpft“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite, „von den Medien, die sich in privaten Händen finden, ganz zu schweigen.“ Dann fügte Lafontaine hinzu: „Demokratie setzt unabhängige Medien voraus, davon sind wir weit entfernt.“

          Keine unabhängigen Medien mehr, stattdessen Gefälligkeitsjournalismus im Dienste der Herrschenden: Das ist eine Legende, die gut klingt und mit der man als Politiker schnell viel Beifall bekommt. Und auf den ersten Blick ist es ja auch in der Tat auffällig, dass die Linkspartei, gemessen an ihrem Wahlergebnis, im April weitaus weniger präsent in den Nachrichten war als die übrigen Parteien. Die Frage ist nur: Warum ist das so?

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