20.12.2009 · Die Linkspartei setzt auf die politische Rückkehr ihres Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Auf der Beerdigung des Künstlers Alfred Hrdlicka in Wien trat der Saarländer erstmals nach seiner Krebsoperation wieder öffentlich auf.
Der Vorsitzende der Linkspartei Oskar Lafontaine ist erstmals nach seiner Krebsoperation wieder öffentlich aufgetreten. Auf der Beerdigung des Künstlers Alfred Hrdlicka in Wien hielt der 66 Jahre alte Politiker am Samstag eine Trauerrede. Er sagte, es gehe ihm relativ gut. Fragen über seine politische Zukunft beantworte er indes nicht. Vor der Operation hatte Lafontaine angekündigt, er werde im Januar eine Entscheidung über seinen Verbleib in der Politik bekanntgeben. Er wird am 11. Januar zur Klausurtagung der Bundestagsfraktion seiner Partei in Berlin erwartet, wo er sich zu seiner politischen Zukunft äußern wolle.
„Die Zeichen sprechen für eine Rückkehr“, sagte ein Mitglied der Parteiführung der Zeitung „Frankfurter Rundschau“. Auch die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtete, in der engsten Parteiführung werde damit gerechnet, dass Lafontaine weiterhin Bundesvorsitzender bleibe. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi sagte der Zeitung „Die Welt“ über Lafontaine: „Natürlich kehrt er zurück. Aber ich gebe zu, dass da auch die Hoffnung ein schweres Gewicht hat. Gesundheit und Familie haben Vorrang.“ Er hoffe aber, dass Lafontaine bundespolitisch engagiert bleibe. „Wir sind für Anfang Januar verabredet, da werden wir alles besprechen.“
Den Fraktionsvorsitz hatte Lafontaine überraschend im Oktober abgegeben - ohne dies mit seiner Erkrankung, die ihm damals schon bekannt war, zu begründen. Erst Spekulationen über sein Privatleben, die in einen Zusammenhang mit dem Rückzug vom Fraktionsvorsitz gestellt worden waren, veranlassten ihn, über die Krebserkrankung zu reden.
Lafontaine war am 19. November wegen seiner Krebserkrankung operiert worden und hatte seitdem keine öffentlichen Termine mehr wahrgenommen. Er hatte damals angekündigt, „zu Beginn des neuen Jahres“ unter Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber zu entscheiden, „in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe“. Lafontaine hat sich laut „Frankfurter Rundschau“ bereits in der vergangenen Woche wieder in der Linksfraktion im saarländischen Landtag blicken lassen, deren Vorsitzender er ist.
Gabriel gesprächsbereit
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich unterdessen offen für ein Gespräch mit Lafontaine. "Wenn Oskar Lafontaine mit mir reden will, wird er sich schon melden, und natürlich rede ich dann mit ihm", sagte Gabriel der Zeitung "Bild am Sonntag". Derzeit sehe er allerdings keinen Anlass für ein Gespräch. Die Mitglieder der Linkspartei "müssen für sich klären, ob sie regierungsfähig" werden wollten. "Diese Debatte findet ja gerade zwischen den ostdeutschen Pragmatikern und den westdeutschen Sektierern statt", sagte Gabriel. Auch die Linkspartei zeigte sich gesprächsbereit.
Ein Bündnis mit Grünen und Sozialdemokraten könne er sich schon vorstellen, sagte Gregor Gysi, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion. "Aber das bedarf gewaltiger Entwicklungen, vor allem bei SPD und Grünen, ein wenig auch bei uns", fügte er hinzu. Er forderte die SPD auf, möglichst rasch ihren Standort zu finden. "Die SPD brauchte eine grundsätzliche selbstkritische Aufarbeitung."