Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Karl Lauterbach, hat im Zuge des Göttinger Organspendeskandals eine Reform der Vergütungspraxis für leitende Ärzte in Krankenhäusern gefordert. „Die ökonomischen Anreize für leitende Ärzte sind in Deutschland zu weit gegangen“, sagte Lauterbach der F.A.S. Er forderte eine Abkehr von umsatzabhängiger Vergütung, bei der mehr Operationen zu mehr Gehalt führen. Der Göttinger Fall sei zwar das krasseste Beispiel für schlechte Praxis, das er kenne. Es habe aber bereits ähnliche Fälle gegeben. „Wir haben uns auch zu sehr auf die Selbstkontrolle der Ärzte verlassen“, sagte Lauterbach.
In Göttingen sollen zwei Ärzte die Labordaten von Dutzenden Patienten derart geändert haben, dass die Patienten auf den Wartelisten für Organe weiter nach oben rückten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen gab am Freitag bekannt, sie wolle in 23 Fällen nun auch wegen fahrlässiger Tötung ermitteln. Patienten seien wegen der Manipulationen womöglich nicht mehr rechtzeitig an ein Organ gekommen und gestorben.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sieht als Folge des Skandals einen „schweren Vertrauensverlust“ für die Transplantationspraxis. Und es werde schwer sein, dieses Vertrauen wiederherzustellen. „Gegen eine absolute kriminelle Energie ist aber eigentlich kein Kraut gewachsen“, sagte er der F.A.S. Er sprach sich für härtere Konsequenzen für die Ärzte aus. Dazu gehöre auch eine Entziehung der Approbation. „Leider ist das nicht in unserer Hand. Dafür sind staatliche Instanzen zuständig, und die sind eher ängstlich.“ Den Entzug der Approbation forderte auch Jens Spahn, der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion. Wenn die Göttinger Fälle keine schweren Konsequenzen haben sollten, solle man in der Koalition überlegen, ob man die Transplantation nicht in staatliche Hände geben müsse.
Karl Lauterbach
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