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Organspende : „Das war ein katastrophaler Ausbau von Ersatzteilen“

  • Aktualisiert am

Eine Nierenentnahme in Göttingen 2007: Nicht alle Entnahmen laufen so reibungslos Bild: dpa

Vor 15 Jahren nimmt eine Ärztin zum ersten Mal an einer Organentnahme teil. Die Operation missrät vollkommen. Die Ärztin träumt bis heute davon.

          Das Erlebnis, über das wir sprechen wollen, hat stattgefunden, als Sie Ihr Studium gerade abgeschlossen hatten und im zweiten Jahr der Facharztausbildung waren.

          Ja. In der Anästhesie. Das war meine Wunschstelle, und ich war sehr stolz auf den Job. Im Vorstellungsgespräch hatte der Chef zu mir gesagt: Wir bilden die Medizinelite aus. Das war in einer großen Klinik, die auch von Rettungshubschraubern angeflogen wurde, weil sie einen Schockraum hatte. Dort werden Schwerstverletzte versorgt, meistens Unfallopfer. Ich hatte als Anästhesistin gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen Bereitschaftsdienst für den Schockraum, als eine Patientin eingeliefert wurde.

          Was war der Frau passiert?

          Sie hatte einen Motorradunfall gehabt. Sie wurde mit einer Hirnblutung eingeliefert, die anfangs gar nicht so problematisch erschien. Wir haben sie erstversorgt und auf die Intensivstation gebracht. Ich habe dann mit der Mutter gesprochen. Das habe ich immer so gemacht. Die Leute wollen ja wissen: Wie geht es meiner Tochter?

          Wie ging es ihr?

          Sie hatte ein Schädelhirntrauma. Wahrscheinlich ist sie mit dem Kopf aufgeschlagen, so wurde eine Hirnblutung ausgelöst. In den Tagen darauf hat sich ihr Zustand dann sehr verschlechtert. Sie hat eine Hirnmassenblutung gekriegt.

          Hatten Sie in der Phase Kontakt zu der Patientin?

          Ja. Eigentlich blieb so eine Patientin nicht in meinem Zuständigkeitsbereich. Ich hab sie auf die Intensivstation übergeben, und normalerweise wär’s das gewesen. Aber manchmal, wenn auf der Intensivstation Transporte notwendig werden, für Computertomographien oder so, wird aus der Bereitschaft ein Arzt gebeten, den Patienten zu transportieren. So kam das dann. Und ich hatte dann auch im Rahmen der Hirntoddiagnostik mit ihr zu tun.

          Die haben Sie durchgeführt?

          Nein, aber ich war dabei, als ein Oberarzt die durchgeführt hat. Der hat mich mitgenommen, um mich an den Prozess heranzuführen. Nachdem beide Fachärzte die Hirntoddiagnostik abgeschlossen hatten, bin ich mit dem Oberarzt zu den Eltern gegangen.

          Die hatte man einbestellt.

          Ja, um ihnen die Diagnose mitzuteilen. Aber das musste nicht ich machen, das hat der Oberarzt gemacht. Der hat dann auch sofort das Gespräch bezüglich der Organentnahme mit den Eltern geführt. Das ist normal, aber trotzdem, man muss sich das mal vorstellen. Da standen also die Leute, die kriegten erst mal gesagt: „Ihre Tochter ist hirntot.“ Und dann sollten sie im nächsten Moment entscheiden, ob sie die Organe freigeben. Dieses Gespräch mit den Eltern wurde in dem Zimmer geführt, in dem auch die Tochter lag. Da lag die Tochter, deren Herz schlug, die beatmet wurde, und neben ihr standen die Eltern, völlig überfordert.

          Und der Oberarzt und Sie.

          Ja. Die Eltern waren zögerlich. Der Oberarzt hat dann gesagt: „Ihrer Tochter nützen die Organe nichts mehr. Jemand anders kann mit den Organen aber weiterleben. Überlegen Sie sich das doch, ich komme in einer halben Stunde wieder vorbei.“ Ich habe das damals als ganz normal empfunden. Ich glaube, die meisten im Medizinbetrieb wundern sich darüber nicht, dass man so vorgeht.

          Die Eltern haben dann eingewilligt.

          Ja.

          Was wäre passiert, wenn die Eltern nein gesagt hätten?

          Das weiß ich nicht.

          Kommt das vor in solchen Situationen?

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