26.02.2009 · Zur Rettung des Autoherstellers Opel hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck einen Krisengipfel vorgeschlagen. Zugleich kritisierte Beck, dass sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Rüttgers auf eigene Faust in der GM-Konzernzentrale verhandelt habe. An diesem Donnerstag wollen Tausende von Opel-Mitarbeitern demonstrieren.
Von Thomas Holl, MainzZur Rettung des Autoherstellers Opel hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck (SPD) ein Treffen der Wirtschaftsminister des Bundes und der vier betroffenen Länder, in denen es Opel-Werke gibt, vorgeschlagen.
Bei dem Treffen am Wochenende müsse unter „Federführung“ des Bundes über das bei der Opel-Aufsichtsratsitzung am Freitag vorgelegte Finanzierungs- und Geschäftsmodell geredet werden. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten“, sagte Beck. Um die deutschen Standorte des Tochterunternehmens des amerikanischen Autokonzerns GM zu retten, schließe er keinen Weg aus: „Es wird ein sehr, sehr schwieriger Weg.“ Es sei derzeit nicht absehbar wie eine Entflechtung von Opel und GM aussehen könnte, die „unendlich eng“ miteinander verbunden seien: „Vielleicht ist das das größte Problem.“ Angesichts der Situation verbiete sich „alles öffentliche Gerede“ über Lösungen für Opel.
Kritik an Rüttgers und Ramsauer
Scharf kritisierte Beck in diesem Zusammenhang den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) und den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer. Das „öffentliche Gelaber und Geschwätz“ des CSU-Politikers, der bei keinem Gespräch über Opel dabei gewesen sei, „geht mir auf den Keks“, sagte Beck.
Dagegen handle der neue Bundeswirtschaftsminister Guttenberg (CSU) sehr verantwortungsvoll. Die „Aktion“ von Rüttgers sei jedoch „schädlich“ gewesen: „Was Rüttgers gemacht hat, war weder abgesprochen noch hilfreich.“ Rüttgers war auf eigene Faust in die GM-Konzernzentrale in Detroit gereist, um über Opel zu verhandeln. Rüttgers selbst sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, er halte eine Staatsbeteiligung an Opel für falsch.
Opel-Mitarbeiter demonstrieren
An diesem Donnerstag wollen Tausende von Opel-Mitarbeitern an den deutschen Standorten für eine von GM unabhängige Zukunft ihres Unternehmens demonstrieren.
Auf der zentralen Kundgebung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim wollen der SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier und IG-Metall-Vorsitzende Huber zu den rund 18.000 erwarteten Opel-Beschäftigten sprechen. Am Standort Kaiserslautern will Beck reden.
Händler wollen sich an Opel-Rettung beteiligen
Die 4000 Opel-Händler in Europa wollen sich finanziell an der Rettung des Autobauers aus Rüsselsheim beteiligen. „Wir sind bereit, in ein Opel-Zukunftskonzept zu investieren“, sagte Jaap Timmer, der Vorsitzende der europäischen Händlerorganisation Euroda am Mittwoch nach einem Treffen mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat der Adam Opel GmbH in Rüsselsheim.
Die Organisation vertritt nach eigenen Angaben mehr als 4000 Händler mit 120.000 Beschäftigten in 24 Ländern. „Ich kann versichern, dass jeder Händler hinter Opel steht“, sagte Timmer. Nach Angaben von Timmer setzen die Händler wie der Betriebsrat zumindest auf eine teilweise Trennung Opels von der amerikanischen Konzernmutter General Motors. Zum Umfang und zur Form des geplanten Händler-Engagements wurde zunächst nichts bekannt.
Dank Umweltprämie: Keine Kurzarbeit
Unterdessen berichtete Opel, dass die Umweltprämie für die Verschrottung von Altfahrzeugen das Geschäft erheblich belebe. Die Auftragseingänge für den Kleinwagen Corsa seien dreimal höher als vor der Einführung der „Fördermaßnahme“ Mitte Januar, teilte der Fahrzeughersteller mit.
Darum mache Opel von der ursprünglich im ersten Quartal geplanten Kurzarbeit in Eisenach keinen Gebrauch mehr. Das Werk arbeite im März wieder im Vollzeitrhythmus in drei Schichten je Tag. Darüber hinaus fahre das Werk in Eisenach vier Zusatzschichten. Auch das Werk im spanischen Zaragoza arbeite im Dreischichtbetrieb.
Saab schließt Allianz mit Opel aus
Der unter Gläubigerschutz arbeitende schwedische Autobauer Saab schließt indes eine engere Allianz mit der Schwesterfirma Opel aus. „Das geht nicht. Denn General Motors will Saab verkaufen. Das ist beschlossene Sache“, sagte Saab-Chef Jan-Åke Jonsson der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Dadurch ergibt sich für Opel eine zusätzliche Belastung, da die Schweden den neuen Saab 9-5 im heimischen Trollhättan produzieren wollen - und nicht wie ursprünglich geplant im Opel-Werk in Rüsselsheim. Opel hat schon einen zweistelligen Millionenbetrag in die Anlagen investiert. Darauf könne Saab nun keine Rücksicht nehmen, sagte Jonsson. (Siehe auch: Saab-Chef Jonsson: Es gibt Kaufinteressenten)
Thomas Holl Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
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