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Rechtsextremismus : Alte Schule, neuer Terror

Sprengstoff und Waffen beschafft: Ein Mitglied der „Oldschool Society“ bei der Festnahme in Augsburg Bild: dpa

Sicherheitsbehörden sind gegen eine neue rechtsextreme Gruppe vorgegangen. Über das Internet hatte die „Oldschool Society" ein überregionales Netz gebildet - und wollte offenbar Anschläge in Deutschland verüben.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist es, der am Mittwochvormittag als erster öffentlich den NSU-Vergleich zieht. Wenige Stunden zuvor gingen Spezialeinheiten der Bundes- und Länderpolizei in Sachsen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern gegen die bisher unbekannte Organisation „Oldschool Society“ (OSS) vor, die Anschläge auf Salafisten, Moscheen, Asylbewerberheime aber auch politisch Andersdenkende geplant haben soll.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          250 Ermittler durchsuchten zahlreiche Wohnungen von insgesamt neun Personen. Drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 22 und 56 Jahren wurden festgenommen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt sie dringend, eine terroristische Vereinigung gegründet und sich in ihr als Mitglieder beteiligt zu haben. Bestätige sich der Verdacht, sagt de Maizière in Berlin, dann handle es sich um die erste Vereinigung dieser Art in Deutschland nach dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Der jahrelang unentdeckte NSU wird für eine Mordserie mit zehn Toten verantwortlich gemacht.

          Die vier nun Festgenommenen hatten sich, wie es von der Bundesanwaltschaft heißt, Sprengmittel für „etwaige terroristische Anschläge“ beschafft - die Fahnder stellten bei ihren Razzien „pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft“ sicher. Intensiv sollen OSS-Mitglieder zuletzt damit beschäftigt gewesen sein, weiteren Sprengstoff und Waffen zu beschaffen. Offensichtlich schätzte die Bundesanwaltschaft das Risiko als so hoch ein, dass sie das Verfahren vor gut zwei Monaten an sich zog.

          Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass Verfassungsschützer verschiedener Bundesländer im Herbst vergangenen Jahres auf die OSS aufmerksam geworden waren. Sie beobachteten, wie sich im Internet ein überregionales Netz zu bilden und schnell weiter zu radikalisieren begann. „Sie gehören nicht zu den intelligentesten, aber zu den gefährlichsten Rechtsextremisten“, heißt es aus Sicherheitskreisen. Zunächst kommunizierte die Gruppe vorwiegend im Internet. Im November 2014 sollen sich die mutmaßlichen Rechtsextremisten dann im sächsischen Frohburg südlich von Leipzig zu einer Art Gründungsveranstaltung getroffen haben; auch ein eigenes Abzeichen entwarfen die OSS-Leute: Es besteht aus einem von zwei blutverschmierten Fleischerbeilen flankierten Totenkopf und dem Fraktur-Schriftzug: „Oldschool Scociety“.

          „Menschen, die die deutsche Kultur und ihre Werte leben“

          Regionaler Schwerpunkt der Gruppe scheint Sachsen zu sein. Drei der führenden OSS-Kräfte kommen aus dem ostdeutschen Freistaat: Daniel A. (gegen den bisher kein Haftbefehl erging), Denise Vanessa G. und Markus W., der in der straff hierarchisch, nach dem Vorbild von Rockerbanden organisierten OSS der „Vizepräsident“ ist. Als „Präsident“ fungiert Andreas H. aus Augsburg. Olaf O. aus Bochum soll ebenfalls eine zentrale Rolle in der Organisation gespielt haben soll. Wie seine OSS-Freunde war O. den Behörden seit Jahren als „Mitläufer“ auf rechtsextremen Demonstrationen und Besucher von Skinhead-Konzerten bekannt. Dass Leute wie Olaf O., den die Polizei am Mittwoch morgen in seiner völlig zugemüllten Wohnung in Bochum festnahmen, sich nun binnen weniger Monate offensichtlich zum Rechtsterroristen radikalisieren, alarmiert Verfassungsschützer.

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