13.09.2005 · Bildungsministerin Bulmahn (SPD) sieht sich durch den neuen OECD-Vergleich „Bildung auf einen Blick 2005“ in ihrem Reformkurs bestätigt. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Wanka (CDU) warnt vor voreiligen Schlüssen.
Deutschland holt nach Einschätzung der OECD bei der Bildung auf, muß sich aber noch gewaltig anstrengen, um international mithalten zu können.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sah sich am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des OECD-Vergleichsberichts „Bildung auf einen Blick 2005“ durch die Ergebnisse in ihrem Reformkurs bestätigt. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wanka (CDU), warnte vor voreiligen Schlüssen.
Gleichstellung bei Studienabschlüssen erreicht
Nach der Studie erwerben immer mehr Deutsche einen Hochschulabschluß. Lag die Abschlußquote 1998 noch bei 16 Prozent, so stieg sie bis zum Jahr 2003 auf 19,5 Prozent, lobte der OECD-Bildungsfachmann Andreas Schleicher. Damit liege Deutschland jedoch noch immer weit unter dem OECD-Durchschnitt von 32 Prozent.
Noch deutlicher zeige sich ein positiver Trend bei den Studienanfängerzahlen. 2004 hätten 38 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium aufgenommen, gegenüber 28 Prozent im Jahre 1998. Positiv bewertete Schleicher auch, daß 2003 erstmals genauso viele Frauen wie Männer ein Studium abgeschlossen hätten.
Deutsche Unis attraktiv
Die Beschäftigungschancen für junge Menschen seien in Deutschland vergleichsweise gut. Dies gelte jedoch nicht für Schulabgänger ohne Abitur. Weltweit zählten deutsche Universitäten zu den attraktivsten in der Welt: Nur die Vereinigten Staaten und Großbritannien hätten noch mehr ausländische Studenten.
Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt habe in Deutschland 2003 mit 9,8 Prozent weiterhin deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 12,9 Prozent gelegen. Damit belege Deutschland Platz 20 von 28, kritisierte Schleicher, der auch Koordinator des Pisa-Programms ist.
„Deutschland besser als vermutet“
Bulmahn sieht ihre Bildungspolitik durch den Bericht bestätigt. Der Reformkurs müsse entschieden fortgesetzt werden, betonte die Ministerin. Dagegen warnte KMK-Präsidentin Wanka davor, aus dem Bericht voreilig Probleme abzuleiten. Der Bericht sei ein Statistikvergleich, keine Problemanalyse. Deutschland sei besser, als es die Zahlen vermuten ließen.
Umstritten sind in Deutschland weiterhin die Auswirkungen von Studiengebühren. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolette Kressl warnte davor, daß die geplante Einführung von Studiengebühren in Unions-geführten Ländern die hochschulpolitischen Erfolge gefährdeten. Dagegen betonte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Notwendigkeit von Studiengebühren und forderte ein stärkeres Engagement für Kindergärten und Grundschulen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Krista Sager sprach sich für ein gebührenfreies Studium aus und verlangte, die Bildungsausgaben spürbar zu steigern.
Deutschland falle bei den Bildungsausgaben immer weiter zurück, kritisierte auch der Vorsitzende des Deutschen Philologen Verbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangte eine „große Kraftanstrengung“, um bei der Bildung weiter nach vorn zu kommen. „Es gibt keinen Grund für ein selbstzufriedenes Schulterklopfen“, sagte GEW-Vize Marianne Demmer.