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OECD-Studie Deutschland soll die Studienquote steigern

07.09.2010 ·  Deutsche Studienanfänger wählen im internationalen Vergleich häufig die Fächergruppen Geisteswissenschaften und Kunst, vor allem bei Ingenieuren fehlen dagegen Absolventen. Andere Länder weisen bei den Hochqualifizierten eine viel größere Dynamik auf.

Von Heike Schmoll, Berlin
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Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern wählen deutsche Studienanfänger überdurchschnittlich oft die Fächergruppen Geisteswissenschaften und Kunst. In diesen Fächern dürfte der Nachwuchs trotz des demographischen Wandels gesichert sein. In den sogenannten Mint-Fächern, also Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Informatik, vor allem bei Ingenieuren, fehlen hingegen Absolventen. Selbst wenn die Anzahl der Hoch- und Fachhochschulabsolventen der Studie zufolge zwischen 2000 und 2008 um mehr als ein Drittel auf 260.000 im Jahr wuchs, weisen andere OECD-Länder bei den Hochqualifizierten eine wesentlich größere Dynamik auf.

Auch wenn der Anteil der Studienanfänger in Deutschland auf 43 Prozent eines Altersjahrgangs gestiegen sei, müsse die Studierquote weiter wachsen, so die OECD unter Verweis auf andere OECD-Länder mit Studierquoten von nahezu 90 Prozent. Auch im Alter seien noch 56 Prozent der Hochqualifizierten aktiv, bei den Absolventen beruflicher Ausbildungen seien es nur 36 Prozent.

Allerdings werden in solchen Ländern auch Ausbildungen zum Tertiärbereich gezählt, die im deutschen System traditionell in das System der dualen Bildung fallen, etwa die Krankenpflegerausbildung.

Die Anstrengungen der Politik sollten sich darauf konzentrieren, empfiehlt die OECD, Studienberechtigten aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Familien und Studierwilligen mit beruflicher Qualifikation mit Krediten oder Stipendien den Weg ins Studium zu ebnen. Bisher nehmen weniger als ein Prozent der beruflich Qualifizierten ohne Abitur ein Studium an einer Universität auf, an Fachhochschulen sind es 1,8 Prozent - jedoch sind die Abbrecherquoten in dieser Gruppe hoch. Bisher haben erst drei Länder das Hochschulstudium für beruflich Qualifizierte geöffnet, Baden-Württemberg war Vorreiter. In allen anderen 13 Ländern stehen entsprechende Regelungen noch aus, obwohl es einen entsprechenden Beschluss der Kultusministerkonferenz längst gibt, der allerdings nur Empfehlungscharakter besitzt.

Zum ersten Mal hat die OECD in diesem Jahr eine gesonderte Studie zur beruflichen Bildung in Deutschland vorgelegt. Bei den Abschlussquoten im Sekundarbereich II liegt Deutschland OECD-weit an der Spitze. Die Jugendarbeitslosigkeit ist nur halb so hoch wie im internationalen Durchschnitt. 56 Prozent eines Altersjahrgangs schließen hierzulande eine berufliche Ausbildung ab, zwölf Prozent erwerben einen beruflichen Abschluss und eine Hochschulzugangsberechtigung. Allerdings landen ein Drittel der Berufsanfänger mit unterschiedlich Schulabschlüssen in Übergangssystemen, weil sie den direkten Übergang von der Sekundarstufe I in das Berufsbildungssystem nicht schaffen. Allein das Bundesministerium für Bildung und Forschung bietet 193 Einzelprogramme an, davon 21 auf Bundes- und die übrigen auf Länderebene. Häufig handelt es sich um Berufsfachschulen, die zwar nicht zu einem beruflichen Abschluss führen, aber einen mittleren Schulabschluss vergeben. Alarmierend ist, dass 80 Prozent der Schüler ohne Schulabschluss in das Übergangssystem gehen, besonders gefährdet sind Schüler mit Migrationshintergrund.

Die OECD rät den Politikern, früher präventiv tätig zu werden

Die OECD empfiehlt den Ländern deshalb, in jedem Bundesland einen Koordinierungsausschuss für das Übergangssystem einzurichten, um die Zusammenarbeit verschiedener Akteure transparenter und kostengünstiger zu gestalten. Sie rät den Politikern, früher präventiv tätig zu werden und Schüler nach dem Vorbild des Schweizer „Case Management“ beim Übergang vom Sekundarbereich I in den Sekundarbereich II zu unterstützen. Außerdem verweist die OECD darauf, dass Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten bei Schülern ohne Real- und Gymnasialabschluss beim Eintritt in das Übergangssystem überprüft werden müssten.

Bisher hat das Berufsbildungssystem sich nicht dafür verantwortlich gefühlt, Basiskompetenzen aufzubessern, darauf müsse jedoch in den Berufsschulen mehr Wert gelegt werden, kritisiert die OECD. Sie empfiehlt auch, die in der Berufsschule erzielten Abschlussnoten im Kammerzeugnis zu vermerken und die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen explizit zu beurteilen.

Die geplanten Maßnahmen wie lokale Bildungsbündnisse zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Risikosituationen, die Bildungsketten für den Übergang von der Hauptschule in den Beruf, aber auch das Nationale Stipendienprogramm seien geeignet, mehr Menschen Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen zu eröffnen, sagte Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) in Berlin. Das Ziel, zehn Prozent des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) für Bildung auszugeben, wolle die Bundesregierung trotz der Finanzkrise aufrechterhalten. Während die Mitgliedsstaaten der OECD im Jahre 2007 etwa 5,7 Prozent ihres BIP in Bildungseinrichtungen steckten, lagen die Investitionen in Deutschland nach OECD-Kriterien bei 4,7 Prozent. Unterdessen hat der Lehrerverband vor einem Wettrüsten um Studierquoten gewarnt. Deutsche Länder wie Bayern, Österreich und die Schweiz belegten, dass wirtschaftliche Prosperität keineswegs mit einer hohen Studierquote einhergehen müsse.

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