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Odenwaldschule Comenius-Stiftung entzieht Hentig Preis

26.10.2011 ·  Dem Pädagogen Hartmut von Hentig ist der 1994 verliehene Comenius-Preis aberkannt worden. Hentig hatte drei Fragen zu seiner möglichen Verstrickung in den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule nicht beantwortet.

Von Heike Schmoll, Berlin
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Die Comenius-Stiftung hat dem Pädagogen Hartmut von Hentig den 1994 verliehenen Comenius-Preis aberkannt. Nachdem Hentig einen offenen Brief mit drei Fragen zu seiner möglichen Verstrickung in den sexuellen Missbrauch an Schülern der Odenwaldschule durch seinen Lebenspartner Gerold Becker oder seine Mitwisserschaft kurz und im Grunde nicht beantwortet hatte, wurde ihm der Preis, den auch Hildegard Hamm-Brücher, Wolfgang Huber und Simon Rattle erhielten, am 18. Oktober entzogen.

Unmittelbar auf die Anfragen der Comenius-Stiftung habe Hentig in einem Brief lediglich bestätigt, dass und wann sich der Stiftungsvorsitzende mehrmals um klärende Gespräche mit ihm vergebens bemüht habe. Lakonisch ende sein Brief mit den Worten: „Sie werden verstehen, warum ich die weiteren in diesem Geist (Hentig ist renitent) gestellten Fragen nicht beantworten möchte. Ihr Hartmut Hentig.“

Preissumme auch an Odenwaldschule

Dieser Schluss, so die Stiftung, verlängere das von Hentig praktizierte Verschweigen, Verharmlosen und Vertuschen. Die Comenius-Stiftung sei eine gemeinnützige und mildtätige „Stiftung zur Unterstützung Not leidender Kinder und Jugendlicher“. Sie ehre durch die Verleihung des Comenius-Preises Personen oder Gruppen, die sich in hervorragender Weise für Kinder oder Jugendliche eingesetzt haben. Die mit dem Preis verbundene Geldsumme, so heiße es in der Satzung, müsse der jeweilige Preisträger an Not leidende junge Menschen weitergeben.

Hentig habe die Preissumme von 20.000 D-Mark 1994 an die Odenwaldschule sowie an die Wiesbadener Helene-Lange-Schule gegeben. Damals habe man nicht ahnen können, dass Kinder und Jugendliche an der einen Schule sexuell missbraucht wurden und ein Musiklehrer an der anderen Hunderte pornographischer Fotos seiner Schüler anfertigte. Als der Stiftung diese Straftatbestände bekannt wurden und sie um Aufklärung bat, bezichtigte Hentig den Gründer und Vorsitzenden der Stiftung der „Vorverurteilung“.

In einem Beschluss der Stiftung heißt es, „die bronzene Comenius-Statuette mögen Sie behalten, zumal der böhmische Bischof Sie zu mahnen vermag, sich um das Wohl und Wehe von Kindern zu kümmern, nicht aber um die sexuelle Befriedigung Erwachsener durch den Missbrauch an den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Die damalige Preissumme bitten wir, an den Opferfonds der Odenwaldschule zu transferieren, auf dass wenigstens materiell eine Geste der Wiedergutmachung sichtbar wird“.

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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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