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Obama in Deutschland Dresden nahe Buchenwald

05.06.2009 ·  Präsident Obama ist in Dresden angekommen. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt sind streng. Ein „Bad in der Menge“ wird es zum Beispiel nicht geben. Die Sachsen fragen sich indessen, warum der amerikanische Präsident gerade sie beehrt.

Von Peter Schilder, Dresden
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Präsident Obama war kaum in Kairo gestartet, da versammelten sich die ersten Dresdner auf dem Altmarkt, dem kahlen Wohnzimmer der sächsischen Landeshauptstadt, um die „Welcome-Party for Mr. President“ zu feiern. Künstler, Musik- und Tanzgruppen aus der Region sorgten dort für Stimmung und kämpften gegen die Schafskälte an. Auf einer 40 Quadratmeter großen Großbildwand wurden die Stationen des amerikanischen Präsidenten übertragen. Das ist wohl die engste Tuchfühlung, die die Dresdner mit dem hohen Gast aufnehmen können. Ein „Bad in der Menge“ ist nicht vorgesehen. Stattdessen war schon am Donnerstagvormittag das Zentrum von einem hohen Zaun umgeben. Tausende Polizisten aus allen Bundesländern wiesen Einheimische und Touristen ab. „Heute und morgen gibt es keinen Zugang“, lautet die Auskunft. Eine Gruppe von Polizisten aus Nordrhein-Westfalen posiert derweil auf der Carolabrücke für ein Foto vor der barocken Kulisse.

Irritiert ziehen die Touristen zum nächsten Kontrollpunkt und versuchen dort abermals, dorthin zu gelangen, wohin sie der Reiseführer weist und weshalb sie überhaupt in die Elbestadt gekommen sind. Sie wollen Dresden sehen, und Obama wäre noch ein schönes Geschenk obendrein geworden. Nun drohte für einen Moment aus beidem nichts zu werden. Der Stimmung der Dresdner tun die Sperrungen indes keinen Abbruch. Sie sind allenfalls hinderlich, um von dem einen Teil der Stadt in den anderen zu gelangen. Die Straßenbahnen tragen Spruchbänder „Welcome Mr. President“. Doch auch die wird er nicht sehen.

Die deutsche Seite musste insistieren

Anfangs, als die überraschende Nachricht, Obama werde nach Dresden kommen, in den Zeitungen zu lesen war, konnten sie es gar nicht glauben. Da sah es auch noch so aus, als komme Präsident Obama bewusst nach Dresden, nicht nur auf der Durchreise. Oberbürgermeisterin Helma Orosz konnte auch einen Tag vor dem Besuch nicht schlüssig erklären, warum sich das Weiße Haus für Dresden entschieden hatte. Gesetzt und offensichtlich gewünscht war der Besuch in Buchenwald. Gewünscht war sodann eine vorherige Übernachtung in der Nähe, weshalb einige Zeit erwogen worden war, dass der amerikanische Präsident in Weimar übernachten könnte.

Dresden freilich mag die amerikanischen Vorausdelegationen mehr beeindruckt haben. Erst spät kam die Überlegung dazu, Obama werde auch das amerikanische Militärkrankenhaus in Landstuhl in der Pfalz besuchen. Da klar war, er werde noch am Freitagabend nach Paris weiterfliegen, wurden Kürzungen an seinem Besuchsprogramm in Dresden vorgenommen. Das Programm schmolz immer mehr zusammen. Lange Zeit war nicht einmal klar, ob sich Obama die Zeit für einen Besuch der Frauenkirche nehmen würde. Nun tut er es doch. Angeblich musste die deutsche Seite regelrecht insistieren.

Die Party auf dem Altmarkt geht mit Rockmusik noch weiter

Trotz allem ist Obama für die Dresdner ein Superstar. Da wird auch nicht vorgerechnet, wie teuer der Besuch pro Stunde kommt - ein Millionenbetrag für 17 Stunden, von denen er einige schlafend verbringen wird. Oberbürgermeisterin Orosz macht hingegen eine ganz andere Rechnung auf. „So viel Geld können wir im Stadtmarketing gar nicht ausgeben, wie uns dieser Besuch an Publizität einspielt“, sagt sie. Vor ihrem geistigen Auge sieht sie schon die Fernsehbilder mit der Stadtsilhouette in aller Welt. Deshalb seien die 100.000 Euro, die die Stadt für die Party auf dem Altmarkt ausgibt, gut angelegtes Geld. Auch andere hoffen, von Obama zu profitieren. So wird er auch in den Welterbestreit, der in Dresden gerade ausgefochten wird, hineingezogen. Die Gegner der Waldschlößchenbrücke haben auf einem Plakat den strahlenden Obama vor der Kulisse des Elbtales abgebildet und ihm die Worte in den Mund gelegt: „I can't understand your Ms. Orosz“ - Ich kann Eure Frau Orosz nicht verstehen. Dies ist im Rathaus als Beleidigung des Gastes bewertet worden. Deshalb hat man die Plakate in der Nacht zum Donnerstag abnehmen lassen und Strafanzeige gegen die Initiatoren erstattet.

Gegen 10.30 Uhr an diesem Freitag wird die Oberbürgermeisterin mit dem Goldenen Buch der Stadt vor dem amerikanischen Präsidenten stehen und ihn um seinen Eintrag bitten. Die Party auf dem Altmarkt geht mit Rockmusik noch weiter, wenn Obama Dresden längst mit dem Hubschrauber verlassen hat.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent in Sachsen.

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