Die Geschäftsführer der Firma Pinebeck, die einen Investor für den Freizeitpark am Nürburgring finden sollten, haben der landeseigenen Nürburgring GmbH außerordentlich hohe Kosten für Spesen und Reisen in Rechnung gestellt. Der rheinland-pfälzische CDU-Abgeordnete Alexander Licht berichtete der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über eine ihm vorliegende Spesenabrechnung. Darin werden Kosten für Bewirtung und Aufenthalt im Züricher Luxushotel „Dolder Grand“ am 2. Mai 2009 für den Pinebeck-Geschäftsführer Michael Merten sowie den Controller und den Finanzchef der Nürburgring GmbH in Höhe von 2288 Franken geltend gemacht.
Die beiden letztgenannten Männer müssen sich zusammen mit dem früheren rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) und drei weiteren Angeklagten vom 16. Oktober an dafür wegen Untreue und Beihilfe vor dem Landgericht Koblenz verantworten. Deubel und den früheren Verantwortlichen der Nürburgring GmbH wird unter anderem vorgeworfen, in fünf Fällen „zum Nachteil der Nürburgring GmbH“ ohne vertragliche Verpflichtung 385.000 Euro an die Firma „Pinebeck“ gezahlt zu haben.
Auf der Spesenabrechnung für die Reise in die Schweiz ist „Vor- bzw. Nachbesprechung Finanzierung NR 2009“ angegeben. In der Rechnung enthalten sind Übernachtungskosten für zwei Personen in Höhe von 980 Schweizer Franken. Geordert wurden unter anderem Zigarren für 76,80 Franken, aber auch Lakritzkonfekt der Marke „Haribo“ für sieben Franken. Der „Roomservice“ schlug mit 163,50 Franken zu Buche.
Licht vermutet, dass sich ein interner Aktenvermerk des nun angeklagten Nürburgring-Controllers an seine Vorgesetzten über „exzessive Aufenthalte“ mit Bordellbesuchen im Züricher Rotlichtviertel auch auf jenen 2. Mai 2009 beziehen könnte. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte aus diesem Aktenvermerk zitiert. Die beiden Pinebeck-Geschäftsführer Merten und Normann Böhm hatten nach mehreren gescheiterten Versuchen der Kreditbeschaffung den Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun ins Spiel gebracht, der Geldgeber für das Projekt gewinnen sollte.
Aus einer E-Mail des früheren Finanzchefs der Nürburgring GmbH geht hervor, dass bei den Zürich-Aufenthalten der Pinebeck-Manager auch „Friseurbesuche“ für Barandun auf Staatskosten bezahlt wurden. „Barandun wird ab 13.30 Uhr im Hotel sein. Um 14 Uhr habe ich für ihn einen Termin beim Friseur im Haus gemacht. Normann bezahlt und das nette Mädchen schneidet die Haare.“
Ungedeckte Schecks
In der CDU wird nun gerätselt, ob mit dem „netten Mädchen“ keine Friseurin, sondern eine Prostituierte gemeint gewesen sein könnte. Der von Barandun versprochene amerikanische Milliardär mit Schecks von rund 100 Millionen Dollar entpuppte sich 2009 als Hochstapler. Der erste Scheck in Höhe von 67 Millionen Dollar war nicht gedeckt und Deubel trat zurück.
Fast hätten die Pinebeck-Geschäftsführer auf Anweisung Deubels dafür noch eine Provision von vier Millionen Euro auf ein Konto in der Schweiz erhalten. Nur wegen eines Fehlers in den Kontodaten konnte die Überweisung nicht ausgeführt werden. Wegen dieser „konkreten Gefährdung“ des Vermögens der Nürburgring GmbH muss sich Deubel ebenfalls vor Gericht verantworten.
Der arme Kurt steht im Regen, ganz still und einsam!
ulrich hofer (refoh1)
- 23.08.2012, 12:48 Uhr
Nur noch gewissenlose Menschen?
marc siebecker (sevenbaker)
- 22.08.2012, 19:41 Uhr
"Der Nürburgring kostet den Steuerzahler keinen einzigen Euro"
Holger Schlichte (hoschl)
- 22.08.2012, 12:40 Uhr
Blindheit ist ein Unglück, Nicht-Sehen-Wollen eine Frechheit
Kai Schraube (schrauber)
- 22.08.2012, 12:10 Uhr
Wie sagte Altbundespräsident v.Weizäcker doch so richtig?
Dirk Lehmann (DkLehmann)
- 22.08.2012, 11:38 Uhr