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Nürburgring : „Ein wirklicher Neuanfang“

Insolvenzverwalter Jens Lieser (l.) und der Sanierungsgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, Thomas B. Schmidt vor der Achterbahn am Nürburgring Bild: dpa

Nach Eröffnung der vorläufigen Insolvenz der Nürburgring GmbH sind die bisherigen beiden Geschäftsführer überraschend von ihrer „Verantwortung entbunden“ worden. Angestrebt wird eine rasche Rückkehr ins operative Geschäft.

          Nach Eröffnung der vorläufigen Insolvenz der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH (NG) und ihrer beiden Tochtergesellschaften „in Eigenverwaltung“ sind die bisherigen beiden Geschäftsführer mit Zustimmung der Gesellschafterversammlung überraschend von ihrer „Verantwortung entbunden“ worden.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Um einen „wirklichen Neuanfang“ für die mit mehr als 400 Millionen Euro staatlicher Kredite verschuldete Gesellschaft zu ermöglichen, führt nun der Trierer Rechtsanwalt Thomas B. Schmidt als „alleinvertretungsberechtigter“ Geschäftsführer und Sanierungsbeauftragter das angeschlagene Unternehmen weiter. Als „verlängerter Arm“ des Amtsgerichts Bad Neuenahr-Ahrweiler steht ihm als „Sachwalter“ der Koblenzer Fachanwalt Jens Lieser „gleichberechtigt“ zur Seite.

          „Den Mythos Nürburgring erhalten“

          Als „ersten großen Schritt“ zur Sanierung der Besitzgesellschaft der Rennstrecke und des neu erbauten Freizeitparks wollen Schmidt und Lieser sich so schnell wie möglich mit der privaten Betreibergesellschaft der beiden Düsseldorfer Unternehmer Jörg Lindner und Kai Richter über die Beendigung des Pachtvertrags und die Räumung der Immobilien einigen.

          Um wieder wie früher in das „operative Geschäft“ bei der „Vermarktung“ von Großveranstaltungen wie der Formel Eins oder „Rock am Ring“ einsteigen zu können, müsse die NG rasch wieder die „Verfügungsgewalt“ über die verpachteten Liegenschaften erhalten, sagte Schmidt. Danach müsse nach Beginn des formalen Insolvenzverfahrens in etwa drei Monaten auch „weltweit“ ein Investor für die tradtionsreiche Rennstrecke gefunden werden.

          Dabei werde es nicht „um den höchstmöglichen Preis“ gehen, sondern um eine Lösung, die der „Eifel-Region“ strukturell einen Vorteil verschaffe. „Wir glauben, den Mythos Nürburgring erhalten zu können“, sagte Sachwalter Lieser. Den Vorwurf der Oppositionsfraktion CDU, dass mit einer Insolvenz in „Eigenverwaltung“ die „Mauschelei“ der Landesregierung weiter „vertuscht“ werde, wies sein Kollege Schmidt entschieden zurück: „Es ist nicht möglich, dass das Land in irgendeiner Weise Einfluss darauf ausübt, was hier passiert.“

          Im Februar hatte der für den Nürburgring zuständige rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) im Namen des Landes als Hauptgesellschafter der NG die fristlose Kündigung des Pachtvertrags mit der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) mitgeteilt.

          Aus Sicht der rot-grünen Landesregierung von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hatten Lindner und Richter nicht ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der NG erfüllt und die vereinbarte Mindestpacht von zunächst fünf und später 15 Millionen Euro gezahlt. Mit diesen Pachtzahlungen wollte die NG den bei der Investitions- und Strukturbank (ISB) aufgenommenen Kredit von 330 Millionen Euro für den Bau des überdimensionierten Freizeitparks bedienen.

          Da diese Pachtzahlungen verspätet und nur spärlich flossen, geriet die NG zunehmend in eine finanzielle Schieflage. Lindner und Richter sahen sich angeblich aus wirtschaftlichen Gründen außerstande, diese Zahlungen zu leisten, weil die von der NG vor Vertragsabschluss vorausgesagten Zahlen von 300.000 Besuchern pro Jahr ausblieben.

          „Verhalten optimistisch“

          Beck und Lewentz mussten schließlich vor einer Woche die bevorstehende Insolvenz der NG eingestehen, nachdem die EU-Kommission eine vom Land beantragte Rettungsbeihilfe von 13 Millionen Euro und eine Stundung der Zinszahlungen an die ISB nicht bewilligt hatte. Für die ISB-Kredite hatte das Land gebürgt. Mit der NAG stand das Land nach Aussage von Lewentz kurz vor einer Einigung über eine Räumung der Liegenschaften und eine Übernahme bestehender Verträge über laufende Veranstaltungen.

          In Rede stand ein Betrag von rund drei Millionen Euro, die Richter und Lindner bei einer Trennung zum 31. Oktober von der NG als Ausgleich erhalten hätten.

          Der Sanierungsbeauftragte Schmidt zeigte sich „verhalten optimistisch“, dass man sich auch im Insolvenzverfahren schnell einvernehmlich mit der NAG einigen werde. „Wenn wir Rechtssicherheit am Ring haben, können wir uns zeitnah mit Vertragspartnern über Veranstaltungen einigen“. Zu diesen gewünschten Partnern gehört auch der Formel-Eins-Rechteinhaber Bernie Ecclestone, mit dem die NAG als Noch-Pächter der Rennstrecke angeblich kurz vor der Einigung über das nächste Rennen 2013 steht.

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