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Nürburgring-Affäre Viele Nullen machen noch keine Million

Auf verschlungenen Wegen sollte einst von irgendwoher das Geld für den Bau des Freizeitparks am Nürburgring kommen. Der damalige Finanzminister trat zurück. Nun beginnt der Prozess gegen ihn.

© ddp images/dapd/Torsten Silz Ministerpräsident Beck im Juli 2009 bei der Eröffnungsfeier des umgebauten Nürburgrings

Am 16. Juni 2009, einem Dienstag, hatte Ingolf Deubel bedeutende Neuigkeiten zu verkünden. Der rheinland-pfälzische Finanzminister und promovierte Volkswirt, den sein Chef Kurt Beck ehrfurchtsvoll „Professor“ nannte, lud kurzfristig für den Nachmittag zu einer Pressekonferenz in Mainz ein. Gerüchte machten die Runde, dass Deubel wegen der immer noch fehlenden privaten Finanzierung der kurz vor der Eröffnung stehenden „Erlebniswelt“ am Nürburgring seinen Rücktritt erklären könnte. Das Warten auf immer wieder versprochene und dann doch nicht geflossene Millionen für das Lieblingsprojekt seines Ministerpräsidenten, dazu die vielen kritischen Fragen der Medien und Opposition zerrten an den Nerven des Ministers - einem Eckpfeiler in Becks Regierung, der seine Kabinettskollegen gerne mit hochkomplexen Vorträgen zur Schuldendynamik in öffentlichen Haushalten beeindruckte.

Thomas Holl Folgen:

Doch statt eines Gescheiterten erlebten die Journalisten in dem überfüllten Medienraum des Ministeriums einen Politiker in Triumphstimmung. Deubel badete im Hochgefühl, es all den Nörglern, Bedenkenträgern und Kleingeistern gezeigt zu haben, die sein Finanzierungsmodell zur Kreditbeschaffung für das damals noch knapp 275 Millionen Euro teure Vorhaben angezweifelt hatten. Die „vollständig private“ Finanzierung des Projektes sei gesichert. Die erste Tranche von 70 Millionen Euro sei unterwegs. Die privaten Investoren, die in Luxemburg ansässige Firmengeflecht IPC/Pinebeck und ein geheimnisvoller amerikanischer Geldgeber, den er nicht nennen wolle und könne, hätten das Geld für den Ring auf den Weg gebracht. Skeptische Nachfragen, wann denn die vielen Millionen in Mainz einträfen, bügelte Deubel ab: „Machen Sie sich da mal keine Sorgen.“

Einem Hochstapler aufgesessen

Drei Wochen später trat ein ganz anders gelaunter Deubel vor die Presse. In Begleitung des düster dreinschauenden Ministerpräsidenten erklärte er in der Staatskanzlei am 7. Juli 2009 seinen Rücktritt. Den Journalisten trat Deubel zerknirscht gegenüber. Die Finanzierung des Freizeitparks mit Hilfe eines angeblichen amerikanischen Milliardärs hatte sich als Fata Morgana erwiesen. Der erste Scheck über 67 Millionen Dollar war nicht „werthaltig“. Das Konto des vermeintlich steinreichen Industriemoguls namens Pierre S. Dupont V. bei der Wells Fargo Bank wies nur ein Guthaben von 57,18 Dollar aus. Deubel, aber auch Beck („ganz großer Milliardärsadel“) waren einem Hochstapler aufgesessen, die Blamage war perfekt.

Der mit seiner SPD damals noch allein regierende Beck zog mit Deubels Rücktritt auch die „Reißleine“ bei der erfolglosen Suche nach privaten Investoren. Das schon fertig gebaute Freizeit- und Veranstaltungscenter ließ Beck nachträglich mit staatlichen Krediten finanzieren. Eine weitere Entscheidung mit katastrophalen Folgen. Inzwischen ist die fast landeseigene Nürburgring GmbH pleite, die Kredite von 330 Millionen Euro konnten im Juli nicht mehr bedient werden. Kurt Beck kündigte Ende September - mehr als drei Jahre nach Deubel - seinen Rückzug aus der Politik an.

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Für die Rücktrittsankündigung aus gesundheitlichen Gründen wählte Beck einen politisch günstigen Termin. Denn am Dienstag beginnt vor der 1. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Koblenz die juristische Aufarbeitung der Affäre um die vor allem für Beck und die SPD an Peinlichkeiten reiche Finanzierung des Nürburgring-Ausbaus. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss hatte seine Arbeit zur Klärung der Finanzierungsversuche Deubels vor der Landtagswahl im März ohne Abschlussbericht beendet.

Dessen Arbeit könnten nun die Richter zu Ende bringen. Im Zentrum der Anklage wegen Untreue und Beihilfe zur Untreue zur Lasten der Nürburgring GmbH steht Deubel. Zusätzlich muss sich der frühere Judotrainer auch noch einer Anklage wegen uneidlicher Falschaussage im Untersuchungsausschuss stellen. Neben Deubel stehen unter anderen drei ehemalige Manager der Nürburgring GmbH vor Gericht, allen voran der frühere Geschäftsführer Walter Kafitz, der Beck noch zu sozialliberalen Regierungszeiten für die Idee eines Freizeitparks an der Rennstrecke begeistern konnte.

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