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NSU-Prozess : „Tatvorwurf voll bestätigt“

Zeigt sein Gesicht offen: Ralf Wohlleben im Jahr 2015 Bild: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat im NSU-Prozess Carsten S. und Ralf Wohlleben in den Fokus des Plädoyers gerückt. Die Beweisaufnahme habe den Anklagevorwurf der Beihilfe zum neunfachen Mord untermauert.

          Carsten S. hat aus „tiefster Reue“ heraus im NSU-Verfahren ausgesagt. Diese Überzeugung vertritt die Bundesanwaltschaft, die am Montag bei der Fortsetzung ihres Plädoyers im NSU-Prozess die Angeklagten Carsten S. und Ralf Wohlleben in den Mittelpunkt rückte. Zwar habe Zschäpe immer im Zentrum des öffentlichen Interesses gestanden, so der Sitzungsvertreter des Generalbundesanwalts Jochen Weingarten. „Doch die Wahrnehmung von Ralf Wohlleben und Carsten S. war für uns nie durch den Schattenwurf der Angeklagten Zschäpe beeinträchtigt.“ Durch seine Aussage habe Carsten S. „maßgeblich“ an der Aufklärung der Verbrechen des NSU mitgewirkt – und sich dabei selbst belastet.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Beweisaufnahme habe demnach eindeutig ergeben, dass sich der Anklagevorwurf der Beihilfe zum neunfachen Mord sowohl für Ralf Wohlleben als auch für Carsten S. „voll bestätigt“ habe. Nach den Worten Weingartens unterstützte Ralf Wohlleben „in maßgeblicher Weise“ Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos von dem Tag an, an dem sie 1998 aus Jena flüchteten. Er sei eine „Zentralfigur“ der Unterstützerszene in Jena gewesen und habe ein „klandestines Kontaktsystem“ mit „Hilfswilligen“ aufgebaut, die telefonisch in Erfahrung gebracht hätten, was die drei „wünschten und brauchten“. Zu diesen Mittelsmännern gehörte demnach auch Carsten S., der sich 1997 der Szene angeschlossen hatte und Wohlleben durch das Kameradschaftsleben verbunden war.

          Die entscheidende Aussage

          Es war nach den Ausführungen Weingartens dann Carsten S., an den sich Böhnhardt und Mundlos im Frühjahr 2000, Monate vor dem ersten Mord, mit einer folgenreichen Bestellung richteten: die Beschaffung einer scharfen Waffe samt Munition und Schalldämpfer. „Gerade der Schalldämpfer entsprach demnach den Absichten des NSU, eine Vielzahl von akustisch unauffälligen Tötungen unentdeckt zu begehen.“ Es sei insgesamt um vierzehn Opfer gegangen, das hätten die vierzehn „Felder“ im Bekennervideo ergeben. Carsten S. gab diese Bestellung nach seinen Angaben daraufhin an Ralf Wohlleben weiter. Wohlleben wiederum habe S. an einen Bekannten verwiesen, den Betreiber eines Szeneladens in Jena. Der beschaffte die Waffe schließlich von einem weiteren Bekannten, das hatte er in polizeilichen Vernehmungen ausgesagt. Es war die Česka 83 Kaliber 7.65, die bei neun Morden verwendet wurde – davon ist die Bundesanwaltschaft überzeugt. Die Waffe wurde später im Brandschutt der Wohnung des Trios in Zwickau gefunden.

          Den Weg der Česka bis in die Hände von Böhnhardt und Mundlos führte der Sitzungsvertreter des Generalbundesanwaltes bis ins kleinste Detail aus. Im April 1996 wurde die Waffe von einem Schweizer Waffengeschäft an eine Person in der Schweiz versandt, über mehrere Mittelsmänner gelangte sie dann im Jahr 2000 in die Hände des Betreibers des Szeneladens. Dieser verkaufte die Ceska demzufolge für 2500 Mark im Frühjahr 2000 an Carsten S. Auf Geheiß von Ralf Wohlleben habe Carsten S. die Waffe dann nach Chemnitz gebracht und dort an Böhnhardt und Mundlos übergeben.

          Die Beschaffung dieser Waffe wurde den Angeklagten zum Verhängnis. Die Ceska, Typ 83, ist als Tatwaffe identifiziert.
          Die Beschaffung dieser Waffe wurde den Angeklagten zum Verhängnis. Die Ceska, Typ 83, ist als Tatwaffe identifiziert. : Bild: dapd

          Carsten S. hatte zu Beginn des Verfahrens ausführlich ausgesagt. Weingarten hob hervor, dass die Bundesanwaltschaft an seiner Glaubwürdigkeit „keinerlei Zweifel“ hege. Er habe „ohne Belastungseifer zur Aufklärung der Verbrechen des NSU und seiner Tatbeteiligung mitgewirkt“. Dies sei auch aus dem „Willen zur Wiedergutmachung“ heraus geschehen. Ohne seine Aussage, so Weingarten, hätte man weder ihn noch Wohlleben anklagen können. Ohne ihn wäre auch der Weg der Česka nicht nachvollziehbar gewesen. Ein Detail sei den Ermittlern da noch gar nicht bekannt gewesen: dass bei der Übergabe an Böhnhardt und Mundlos ein Schalldämpfer dabei gewesen sei.

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          Die damaligen Überzeugungen von Carsten S. stünden „seiner Welt heute zutiefst“ entgegen. Durch seine ihn selbst belastenden Aussagen, gerade auch zum Schalldämpfer, hat er sich aber demzufolge einem großen Risiko ausgesetzt. „In seiner Verurteilung wird sich das auch realisieren.“

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