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NS-Vergangenheit im Saarland Nur Röchling. Ohne Krieg.

 ·  Im saarländischen Völklingen streitet man seit Jahren über einen Stadtteil, der nach einem großzügigen Industriemäzen und verurteilten Kriegsverbrecher benannt ist. Der Kompromiss, der jetzt verabschiedet werden soll, dürfte kaum für Ruhe sorgen.

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© dpa Vergrößern Benannt nach einem verurteilten Kriegsverbrecher: der Völklinger Stadtteil „Hermann-Röchling-Höhe“

Im kleinen Saarland, das an Problemen nicht eben arm ist, neigt man zum Pragmatismus – und das nicht nur, wenn es um die Dramaturgie eines neuen „Tatort“ geht. Großes Problem, kleinste gemeinsame Lösung: Nach diesem Grundsatz verfährt man derzeit auch in  Völklingen. Schon seit Jahren streiten die Völklinger um ihren Stadtteil „Hermann-Röchling-Höhe“, einen 1500-Seelen-Flecken im Wald zwischen der einstigen Stahlstadt und dem Nachbarort Bous. Lange Jahre hieß die Ansiedlung – auch das ganz pragmatisch - „Bouser Höhe“, bis sie 1956, in der bedenkenlosen Nachkriegsamnesie des Landes, nach Hermann Röchling benannt wurde, einem saarländischen Großindustriellen, dessen Familie über Jahrhunderte das Stahlwerk Völklinger Hütte gehörte. Hermann Röchling hatte die Siedlung 1937 als Wohnstadt für seine Arbeiter begründet und diesen dafür billiges Bauland und Kredite zur Verfügung gestellt, was ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt und Anerkennung über Generationen sicherte.

Erfolgreicher Industrieller, überzeugter Antisemit

Dass Röchling aber nicht nur ein erfolgreicher Industrieller und Mäzen, sondern ein noch besserer Antisemit und Nationalsozialist war, der während des Zweiten Weltkrieges Tausende Zwangsarbeiter auf der Hütte ausbeutete und nach beiden Weltkriegen als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, blendeten die Völklinger lange aus. Erst im Jahr 2000 brachte ein Fernsehbeitrag über Röchlings Vergangenheit eine erbitterte Fehde in Gang, die seither eine ganze Stadt spaltet. Die Bürgerinitiative „Bouser Höhe“ fordert die Rückbenennung des Stadtteils, eine andere kämpft für die Beibehaltung des Namens; SPD und Linkspartei könnten auch mit „Völklinger Höhe“ leben – nur viele alte Völklinger nicht. Trotzig halten sie an Röchling, dem Gönner, fest und schieben Röchling, den Kriegsverbrecher, beiseite. Der Krieg ist doch lange her, aber die Häuser, die stehen noch.

Erst Ende des letzten Jahres, nach Jahren des erbitterten Streits und gegenseitiger Vorwürfe, kam  Bewegung in die  verfahrene Sache. Nach langem Hin- und Her präsentierte der Völklinger Stadtrat einen Kompromissvorschlag, den die CDU-Fraktion eingebracht hatte: Umbenennung ja, aber nicht in „Bouser Höhe“, sondern in „Röchling-Höhe“. Röchling ohne Hermann, das ist wie Krieg ohne Tote: Das ganze Mäzenatentum, aber keine Verbrechen - quasi das Beste aus beiden Welten. Das finden auf einmal auch die Sozialdemokraten, die den Namen Röchling wie die Linkspartei ursprünglich ganz hatten streichen wollen: Der Name sei ein „tragbarer Kompromiss“, sagte der SPD-Stadtratsvorsitzende Erik Kuhn dieser Tage beim Neujahrsempfang der Stadt. Noch während er sprach, stellten zahlreiche Demonstranten, die sich vor der Tür zu einer Mahnwache versammelt hatten und Kuhn vorwarfen, dem Kompromiss nur aus Machtkalkül zuzustimmen, die ganze Tragfähigkeit schon wieder infrage.

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