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Veröffentlicht: 20.02.2013, 13:30 Uhr

Nordrhein-Westfalen Brücken überbrücken

In Nordrhein-Westfalen müssten in den kommenden zehn Jahren 3,5 Milliarden Euro für den Erhalt der 375 besonders sanierungsbedürftigen Brücken aufgewandt werden. Es drohen Megastaus. Speditionen rechnen mit erheblichen Mehrkosten.

von , Düsseldorf
© dpa In Nordrhein-Westfalen müssen 375 Brücken saniert werden. Es drohen Megastaus.

Wenn Politiker vom Brückenbauen reden, geht es ihnen nicht selten darum, Widersprüche zu verkleistern und Konflikte klein zu halten. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) ist qua Amt Brückenbauer. Aber in dieser Funktion sucht er regelmäßig den Konflikt mit dem Bund, um auf eklatante Widersprüche hinzuweisen. Für die Sanierung maroder Autobahnbrücken beispielsweise ist viel zu wenig Geld da. Allein in Nordrhein-Westfalen müssten in den kommenden zehn Jahren 3,5 Milliarden Euro für den Erhalt der 375 besonders sanierungsbedürftigen Brücken an Bundesfernstraßen aufgewandt werden. Groschek erinnerte nun an diesen unter Fachpolitikern seit langem bekannten Umstand - aus gegebenen Anlass.

Reiner Burger Folgen:

Zum Auftakt der Woche musste der Verkehrsminister wieder einmal eine Brücken-Hiobsbotschaft verkünden: Fachleute hatten bei Nachberechnungen festgestellt, dass auch die Brücke der A 3 über die A 1 im Autobahnkreuz Leverkusen dringend sanierungsbedürftig ist. In den kommenden drei bis sechs Monaten soll die 1961 gebaute Querung nun so hergerichtet werden, dass sie noch einige Jahre durchhält. Während der Bauarbeiten werden die Fahrstreifen verengt und das Tempo wird auf 60 Kilometer in der Stunde gedrosselt. All das würde auch dann schon auf dem stark befahrenen Autobahnabschnitt zu Stockungen und Stauungen führen, wenn ansonsten alles in Ordnung wäre.

„Fuhrunternehmen haben es schwer, Routen zu finden“

Doch am Leverkusener Kreuz ist die Verkehrslage zugespitzt. Anfang Dezember ließ Groschek nämlich die nur einen Steinwurf entfernte Brücke der A 1 über den Rhein überraschend für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen sperren, weil dort eine „gravierende Schadensstufe erreicht“ war, die zu sofortigem Handeln zwinge. Wegen der Sanierungsarbeiten an der 50 Jahre alten Schrägseilbrücke muss also fast der gesamte Güterverkehr - mithin 21000 Lastwagen am Tag - von der A 1 auf die A 3 umgeleitet werden. Die Bauarbeiten an der Brücke der A 3 dürfte in den Hauptverkehrszeiten nun zu Megastaus führen. Frühestens in zwei Wochen, wenn die Sanierungsarbeiten an der Rheinbrücke abgeschlossen sein sollen, darf mit etwas Entlastung zu rechnen.

Weil der Kölner Ring einer der wichtigsten Knotenpunkte im deutschen Autobahnnetz ist, rechnen Verkehrsfachleute mit Auswirkungen auf den nationalen Fernverkehr. Aber auch die Region leidet. Pendler stecken im Stau und manche verzweifelte Lastwagenfahrer fahren auf der Suche nach Ausweichrouten über den Rhein mitten durch Köln. Anfang Januar musste die Stadt reagieren und die marode Mülheimer Brücke für LKW mit mehr als 30 Tonnen Gesamtgewicht sperren. Für die regionale Wirtschaft hat sich die Brücken-Malaise längst zum bedrohlichen Problem ausgewachsen. „Fuhrunternehmen haben es immer schwerer, überhaupt noch Routen zu finden“, klagt Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln.

Transportunternehmen entstehen Mehrkosten von 1750 Euro pro Tag

Eine Umfrage der IHK unter Speditionen ergab kürzlich, dass den Transportunternehmen der Region mittlerweile Zusatzkosten durch erhöhte Spritkosten, höhere Maut und längere Arbeitszeiten in Höhe von durchschnittlich 1750 Euro entstehen - pro Tag. „Bisher läuft das ganze Sanierungsprogramm viel zu chaotisch“, moniert Soénius. Zwar sei der Hinweis von Verkehrsminister Groschek richtig, dass der Bund für die Finanzierung der Brücken über Bundesfernstraßen zuständig, dieser Pflicht aber in den vergangenen Jahren nicht ausreichend nachgekommen sei. Soénius glaubt sogar, dass der Bund auch für kommunale Brücken, die wie die Rheinquerung in Köln-Mülheim über eine Bundeswasserstraße führen, bezahlen sollte. „Aber die Landesregierung ist auch in der Pflicht. Sie muss endlich einen Masterplan Verkehrsinfrastruktur vorlegen. Das erste Kapitel muss sich mit der Rang- und Reihenfolge einer abgestimmten Brückensanierung befassen.“

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Hinzu kommt, dass auch das Land in den vergangenen Jahren die Sanierung seiner Straßen hat schleifen lassen. Auch dies lässt sich am Beispiel Brücken gut aufzeigen. Derzeit hat die nordrhein-westfälische Straßenbauverwaltung 770 Brücken verschärft im Blick, deren Statik nachberechnet werden muss. Der Sanierungsbedarf Landstraßenbrücken wird auf rund 650 Millionen Euro geschätzt.

Gewiss auch, weil er die nordrhein-westfälischen Versäumnisse sieht, setzt Brückenbauer Groschek trotz der nahenden Bundestagswahl nicht auf die ultimative Konfrontation mit der Bundesregierung. „Wir wollen zusammen mit dem Bund nach dem Motto ‚Wir reparieren Deutschland‘ unsere Infrastruktur wieder fit machen.“ Die nächste Brückensanierung ist jedenfalls schon fest terminiert: Die ebenfalls arg in die Jahre gekommen Brücke der A 52 über das Ruhrtal wird im Sommer komplett gesperrt. Für drei Monate.

Quelle: F.A.Z.

 

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