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Norbert Röttgen im Gespräch „Wir müssen uns gegen die Grünen abgrenzen“

 ·  Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) präsentiert sich in Nordrhein-Westfalen als den personifizierten Neuanfang. Im F.A.Z.-Interview erklärt er, wieso er sein Amt auf Bundesebene auch im Falle der Wahl zum Ministerpräsidenten behalten möchte.

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Herr Röttgen, was qualifiziert Armin Laschet für das Amt des CDU-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen?

Ich fürchte, ich bin der falsche Ansprechpartner für diese Frage.

Gut. Dann zu Ihnen: Was können Sie besser als Laschet?

Wir führen nicht einen Wettbewerb "Wer kann was besser?". Jeder von uns ist eine eigene Persönlichkeit und hat eigene inhaltliche Vorstellungen. Jetzt entscheiden die Mitglieder.

Muss ein Landesvorsitzender nicht permanent in Nordrhein-Westfalen sein, um einen Fuß gegen die rot-grüne Düsseldorfer Minderheitsregierung auf den Boden zu bekommen?

Es geht nicht um eine Landes- oder eine Bundeslösung, sondern um eine gute "NRW-Lösung". Dafür trete ich jedenfalls an. Mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Karl-Josef Laumann werde ich eine starke Achse bilden. Es geht um die intelligente Verbindung von Oppositions- und Regierungsfähigkeit, die selbstbewusste Formulierung eines landes- und bundespolitischen Anspruchs. Das macht die nordrhein-westfälische CDU unter dem Strich sichtbarer, stärker, breiter.

Das heißt, dass Sie auf jeden Fall Bundesminister bleiben und sich nicht ausschließlich der Wiederaufrichtung der nordrhein-westfälischen CDU widmen wollen?

Es ist nicht ungewöhnlich, ein Parteiamt und ein Ministeramt zeitgleich auszuüben und ich bin fest davon überzeugt, dass beide Ämter sich gegenseitig sinnvoll befruchten können.

Schwebt Ihnen eine Art Röttgen-Vollkasko-Versicherung vor? Falls die schwarz-gelbe Bundesregierung 2013 abgewählt wird, haben Sie in Düsseldorf eine Rückfallposition, um eine landespolitische Karriere zu beginnen.

Es geht nicht um meine Karriere, sondern darum, dass in Nordrhein-Westfalen jetzt für meine Partei eine wichtige Arbeit zu tun ist. Es geht darum, dass die CDU die Volkspartei bleibt als Säule in einer sich weiter ausdifferenzierenden Parteienlandschaft. Die CDU muss wieder politischer, wieder mehr der Ort von Diskussionen werden. Wir sollten als NRW-CDU auch den Anspruch haben, den Kurs der Gesamtpartei mitzubestimmen und im Land den Anspruch, Nordrhein-Westfalen zu dem machen, was es sein kann: zum wirtschaftlich, kulturell und politisch stärksten Land der Bundesrepublik. Dazu brauchen wir einen glaubwürdigen Neuanfang.

Sie präsentieren sich als den personifizierten Neuanfang. Warum hat man vor dem Wahldebakel der CDU im Mai von Ihnen nichts Kritisches über das sogenannte System Rüttgers gehört?

Ich habe damals in Nordrhein-Westfalen nicht in der Regierungsverantwortung gestanden. Als einer, der seit 30 Jahren in der CDU arbeitet, mit seiner Familie in Nordrhein-Westfalen lebt und hier seinen Wahlkreis hat, traue ich mir zu, diesen glaubwürdigen Neuanfang gemeinsam mit den Mitgliedern unser Landespartei zu leisten.

Wer sind die anderen? Laschet hat sich die Unterstützung von Laumann und CDU-Generalsekretär Krautscheid gesichert. Wenn Sie gewinnen, ist das Trio beschädigt, sitzt aber anders als Sie im Landtag. Wie gedenken Sie mit diesem Selbstzerfleischungspotential umzugehen?

Das Problem kann ich überhaupt nicht erkennen. Ich bin ganz sicher, dass bei uns allen ein großer Wille zur Geschlossenheit vorhanden ist. Ich habe keinen Zweifel, mit Karl-Josef Laumann politisch und menschlich exzellent zusammenarbeiten zu können. Armin Laschet und ich sind zwei Kandidaten, die sich um ein Amt bewerben, das ist ein demokratischer Normalfall. Ich denke, der Prozess hat der Partei schon jetzt sehr gut getan, nicht zuletzt weil deutlich geworden ist, dass wir nur als Mannschaft erfolgreich sein können.

Fürchten Sie sich vor dem Blüm-Effekt - also als Bundesminister beliebt und anerkannt, aber zugleich als CDU-Landesvorsitzender nie richtig im Land angekommen zu sein?

Geschichte wiederholt sich nicht. Zudem: Die Unterschiede fangen schon damit an, dass ich anders als Norbert Blüm in diesem Bundesland aufgewachsen bin und hier mit meiner Familie lebe.

Sie galten immer als eine Verfechter von Bündnissen mit den Grünen. Ist Schwarz-Grün - siehe rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf, siehe "Stuttgart 21" - nicht längst tot?

Darüber entscheiden allein die Wähler. Meine strategische Position ist, die CDU so stark wie möglich zu machen und als Volkspartei zu erhalten. Sie braucht dafür mehrere potentielle Koalitionsmöglichkeiten. Gegenüber den Grünen müssen wir uns dadurch abgrenzen, dass wir Umwelt- und Klimapolitik anders machen, nämlich durch eine originäre Verbindung von christlicher Wertprägung und wirtschaftlicher Vernunft. Der Umfragen-Höhenflug der Grünen sollte für uns ein Ansporn sein, diese originäre CDU-Identität stärker zu entwickeln und zu präsentieren.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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