20.05.2012 · Norbert Röttgen ist abgestürzt wie nur wenige. Er wähnte sich auf den Weg in den politischen Olymp. Doch dann verließ ihn seine Urteilskraft.
Von Eckart Lohse, BerlinRichtlinien für Lesermeinungen
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Der typische Leistungsträger als Sohn der Kohl-Genscher-Regentschaft
Können? Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!
Und zu allem Überfluss kommt auch noch hinzu, dass diese ganze Neue
Elite aus nichts anderem besteht, als aus einem marodierenden und
brandschatzenden Haufen von Besitzstandshuligans, die schon längst
dabei sind, als Handlanger und Helfershelfer der Neuen Sozialen
Marktwirtschaft jenen das Geschäft zu besorgen, die den
Mehrheitsbevölkerungen mittels der Neuen Sozialen Marktwirtschaft,
also der neuen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft jene
Vermögen zu entwenden, die in Form der "Einsparungen" zu
Lasten der Vermögenssubstanzen der naiven und gutgläubigen
Erwerbstätigen nicht nur in Deutschlands, nein - auch in
Griechenland, den Niederlanden, vielen anderen europäischen
Ländern und sogar den USA.
Plutonomy - ein anderes Wort für Neonazismus auf
kannibalkapitalistische Art.
Aber das will wohl niemand erkennen, weil es "zu" grauenhafte
Konsequenzen haben wird.
Die Kritik an R ist berechtigt und ich war nie ein grosser Freund von ihm. Allerdings wird die allseitige Kritik in den Medien an diesem Mann wohlfeil und im Augenblick seines Sturzes schäbig. Als er noch in Amt und Wűrden war, konnte man solche Kritik nämlich nicht lesen.
Die "Energiewende" als Abschuss-Ausrede.
Norbert Röttgen hat viele Fehler gemacht und die Niderlage in NRW
war redlich verdient.
Jetzt aber seine Entlassung mit dem Verzug bei der Energiewende zu
begründen geht fehl. Schließlich würde das bedeuten,
dass ausschließlich persönliche Fehler Röttgens bzw. des
Ministeriums für diesen Verzug verantwortlich sind.
Zu klären ist, ob dieses Unternehmen nicht jeden überfordern
würde - auch einen Herrn Altmaier ^^
Frau Merkel hat vor einem Jahr die Energiewende durchgesetzt. Dass
für ein Projekt dieser Größenordnung kein Masdterplan in
den Schubladen liehgt, dass weder Kräfte noch Mittel bereitstehen,
Kompetenzen nicht geklärt sind und keine fertigen Pläne, das
alles ist nicht (nur) Röttgens Schuld. Es ist Frau Merkels Schuld,
die das Projekt auf biegen und Brechen durchboxte.
Wir sehen, dass bereits Schuldige für das zu erwartende Debakel
gesucht werden. Röttgen ist insofern nur ein Bauernopfer. Das
nächste könnte Altmaier sein.
Die Menschen drängen sich zum Lichte,nicht um besser sehen zu
können,sondern um besser glänzen zu können(Nietzsche)
Wer nach oben kommen will,stellt sich gerne auf die Zehen anderer(Lothar Schmidt)
Zu einer Blitzkarriere kommt es selten ohne Donnerwetter(Rupert Schutzbach)
Es gibt 2 Wege für den politischen Aufstieg:entweder man paßt
sich an oder man legt sich quer(Konrad Adenauer)
Angst vor dem Abstieg hält manchen auf den Gipfeln des Vorgebirges
fest(Lothar Schmidt)
Mehr ist zu Röttgen nicht zu sagen. Der Absturz war schon vor der NRW-Wahl absehbar.
Der von sich selbst allzu überzeugte Ichling Röttgen ist
endlich aus dem Verkehr gezogen.
Er hat das unrealistische, wirtschaftsfeindliche Konzept der
"Energiewende" zu verantworten. Diese hätte 1:1 auch von
Trittins Grünen stammen können.
Sodann hat er bei der Realisierung und beim Management seines Konzepts
kläglich versagt.
Mehrfach ist Deutschland haarscharf an Netzzusammenbrüchen
vorbeigeschlittert, die Netze werden zunehmend instabil und die
Strompreise steigen rasant. Dabei steht seine "Energiewende"
erst am Anfang.
Anschließend hat er noch spektakulär den NRW-Wahlkampf
vergurkt (26%) und versucht, Frau Merkel sein Versagen anzuhängen.
Jeder einzelne dieser Gründe ist hinreichend, einen sogenannten
"Spitzenpolitiker" zu entlassen. Endlich, viel zu spät,
ist das geschehen.
Her Röttgen sollte sich bei den Grünen bewerben. Dort
gehört er hin, und vielleicht wollen die ihn.
Luschen
haben die Grünen eigentlich selbst genug.
Probieren kann er es ja...
"die Netze werden zunehmend instabil"
Jetzt schon?
Ich sehe das nicht so. Machtansprüche haben alle, die sich in der
Politik bewegen und hoch hinaus wollen.
Es geht hier einzig um die Frage, wie Merkel Röttgen
"abgeschossen" hat.
Wären Defizite in seiner Amtsführung als Umweltminister
gewesen, hätte sie ihn vorher schon darauf ansprechen könen,
was auch für Seehofer gilt.
Dass die Wahlen in NRW schlecht für die CDU standen, war bekannt.
Die Niederlage nun Röttgen in die Schuhe zu schieben, halte ich
für unfair.
Merkel hatte bisher willige Helfer, zu denen auch Röttgen
gehörte. Dass einige dieser Willigen auf Merkels Druck freiwillig
gegangen sind, hat Mekel nur gestärkt.
Röttgen ist der erste, der öffentlich nicht auf Druck
zurücktritt sondern sich echt entlassen lässt. Das erfordert
Mut und Rückgrat.
Merkel hätte, wenn sie ihn wirklich als Fachmann und Mensch gemocht
hätte, ihn anders behandelt. So aber war er nur einer von Vielen,
der helfen sollte, ihre Macht zu sichern und sich ihr bedingungslos
unterordnen sollte.
@ Frau Schramm: Wir wissen zu wenig
Sie schreiben: "Wären Defizite in seiner Amtsführung als
Umweltminister gewesen, hätte sie ihn vorher schon darauf
ansprechen könen, was auch für Seehofer gilt."
Ich meine, wir sehen meist nur die einstudierten Rollen auf der
Theaterbühne der Politik. Was sich "Backstage" abspielt,
bekommen wir kaum mit. Vielleicht hatte Merkel R. schon auf
"Defizite in seiner Amtsführung" angesprochen. Das wird
dann aber natürlich nicht an die große Glocke gehängt.
Was Seehofer angeht, so sind m.W. er und Röttgen schon öfters
aneinandergeraten. Für einen Kanzler ist es dabei auch bei
Fehlern/Mängeln /Vertrauensverlust etc. bzgl. eines Ministers nie
leicht, ihn zu entlassen bzw. zu "schassen", es bedeutet doch
immer etwas Negatives auch für die gesamte Regierung. - Ob man es
als Zeichen von "Mut und Rückgrat" Röttgens ansehen
soll, dass Röttgen nicht "freiwillig" um seine Entlassung
nachsuchte, erscheint mir auch ungewiss. Man könnte es auch als
Halsstarrigkeit und falsche Selbsteinschätzung sehen.
Röttgens größter Fehler bleibt verborgen
Der Jurist Röttgen ohne wirkliche Berufserfahrung hat die Energiewende an die Wand gefahren. Er glaubte an Solar- und Windstrom als Grundlaststrom und hat Einwände der Fachleute ignoriert, dass sie ohne Speichertechnologie nicht umsetzbar ist. Ein Minister muss kein Experte in seinem Resort sein aber es wäre sehr nützlich. Ohne Expertenkenntnisse braucht man gute Berater mit exzellenter Fachkenntnis. Ist man zudem Beratungsresistent, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Sein Rausschmiss hat ihn davor bewahrt dass ihm sein Missmanagement auf die Füße fiel. Altmaier, der ebenfalls Jurist ist, übernimmt ein schweres Erbe. Mutti will Ruhe im Land, keinen Blackout und auch bezahlbaren Strom. Das sollten die Leitlinien für Altmaier sein. Den grünen Schreihälsen ohne Physikverständnis und Rechenkünste muss gezeigt werden was machbar ist und was ein Wolkenkuckucksheim bleibt. Röttgen ist als Umweltminister hier einem Traum nachgejagt. Wäre er länger geblieben, wäre das Desaster noch größer.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.05.2012 13:03 Uhr@Herrn Sax
Ich stimme Ihnen fast vöölig zu. Die Hauptverantwortliche für all das aber heißt ANGELA MERKEL. Sie ist die Bundeskanzlerin. Sie bestimmt die Richtlinien der Politik. Das Sündenböcklein Röttgen sollte davon nicht ablenken.
von Herren und hochbegabten Knechten
Zur Ergänzung:
Röttgen hat gegen innere Widerstände schon vor Fukushima eine
andere Energiepolitik gefordert und Recht behalten. Dann hat Merkel die
Energiewende übers Knie gebrochen und Röttgen soll jetzt den
Ausputzer machen und mal, aber fix, günstigen Ökostrom
ranschaffen. Die Lorbeeren heimst aber die Kanzlerin ein. Da kann schon
Verbitterung aufkommen.
Ich erkenne hierin ein Muster, dass sich in vielen anderen Bereichen des
Lebens widerspiegelt, z.B. im Verhältnis von Professoren zum
Nachwuchs und überall dort wo man in quasi feudalistische
Strukturen eingebunden ist. In der freien Wirtschaft wechseln
überragende Leute einfach die Firma.
Röttgen hat eventuell die bittere Erfahrung machen müssen, die
viele Menschen in diesem Land kennen: das Gefühl, benutzt zu
werden. Das Gefühl, sein Bestes geben zu müssen und andere die
Ernte einfahren zu sehen. Wahrscheinlich hat er bisher von diesem System
immer profitiert und "Leichen" hinterlassen. Jetzt kennt er
auch die andere Seite.
Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Röttgen wird so beschrieben, wie ich ihn den in den letzten zwei oder drei Jahren wahrgenommen habe. Bleibt da noch die Frage: Wenn ich - als absoluter Berlin-Outsider - so wahrnehme - warum ging das bei den Insidern nicht? Zuviele Ähnlichkeiten?
... da schreibt Eckart Lohse - ganz korrekt - vom
"Hochschreiben" durch die Medien und macht klar, wie sehr die
Medien Anteil haben an der Außendarstellung von Politikern als
"Hoffnungsträger", "Nachwuchstalent" oder
"aufgehender Stern am Berliner Firmament".
Wie alle anderen Journalisten aber vergisst er, den Lebensweg, der da
scheinbar sorgsam rekonstruiert wird, durch dieses kleine Detail zu
bereichern, welches inzwischen fast alle unserer angeblichen
"Spitzen-" Politiker kennzeichnet: Jurastudium, parallel zum
Studium Parteifunktionärsdasein, mit Abschluss des Studium noch
eine schnelle Promotion (macht sich gut, der Dr.Titel) und dann "in
die Politik gehen".
Ich möchte endlich von Menschen vertreten werden, die in ihrem
Beruf außerhalb von Parteistiftungen (Schavan),
Parteilandesverbänden (Kramp-Karrenbauer) oder als Mitarbeiter im
Büro eines Bundestagsabgeordneten (die überwiegende (!!) Zahl
aller Bundestagsabgeordneten) Erfahrungen gesammelt haben.
Gewogen und zu leicht befunden
Röttgen hat eine unter Politikern verbreitete Karriere gemacht:
Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Dieser Typus Politiker, der
keine Erfahrung in einem bürgerlichen Beruf vorzuweisen hat, trifft
dann auch bei der Einschätzung seiner Möglichkeiten
Fehlentscheidungen. So zum Beispiel die, kein klares Bekenntnis zu NRW
zu machen. Aber auch nach diesem persönlich verantworteten
Wahldesaster einfach weiter machen zu wollen, zeugt von
Realitätsverlust. Die Bürger merken diesen nicht geerdeten
Poltiikern an, dass sie von diesen nicht ernsdt genommen werden. Merkel
hatte keine Wahl bei dieser Entscheidung
"Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal"
kann vielen Politschaffenden noch gesteigert werden in: Kreißsaal, Hörsaal ohne Abschluss, Plenarsaal.
Energiewende: Falsche Propheten aus der Beamtenstube
Neben parteitaktischen Ränken gibt es für den Sturz von Röttgen vielleicht eine ganz einfache andere Erklärung. Mit der Energiewende hat er seiner Chefin ein dickes Kuckucksei hinterlassen, über das sie selbst noch stürzen kann. Das kapert sie jetzt in kleinen Schritten.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.05.2012 12:46 Uhr@Herrn Wildner
Dieses Ei hat Merkel selber gelegt bzw. versucht es mit
auszubrüten. Jedenfalls in all ihren Erklärungen seit dem
Beginn von Fukushima passte zwischen sie und Röttgen doch kein
Blatt. Merkel ist hier voll verantwortlich. Die Richtlinienkompetenz
liegt beim Bundeskanzler. Fehler beim Umsetzen des Ganzen durch
Röttgen sind vielleicht nochmal etwas anderes. Aber hinter diese
sogenannte Energiewende hat sich Merkel doch ganz klar gestellt und ohne
ihre Billigung und Zutun wäre sie so nicht angegangen worden.
Interessant übrigens, was Oettinger dazu heute in der WELT in einem
Interview sagte - ich zitiere:
„Oettinger: Die Energiewende ist eine Herkulesaufgabe. Ob sie
gelingt, ist völlig offen. Der Ausstieg aus der Kernenergie ist
beschlossen. Wir haben ins Gesetzbuch geschrieben, bis zu welchem Tag
welches Atomkraftwerk abgeschaltet werden muss. Aber niemand kann sagen,
ob erneuerbare Energien die Kernkraft ersetzen können und unsere
Stromversorgung sicher und bezahlbar bleibt.“
Der letzte Satz des Artikels trifft voll zu, denn in der Tat muss man an
R.'s (politischer) Urteilsfähigkeit zweifeln. Abgesehen von den
Wahlkampf-Fehlern und seiner Beratungsresistenz: Dass er am Ende die
Kanzlerin zwang, ihn zu entlassen statt zurückzutreten, zeugt
erneut von wenig Weitblick. Aus Wut oder Trotz oder warum auch immer
ließ er sich rauswerfen statt gesichtswahrend zurück zu
treten und mag nun Genugtuung empfinden, dass ein Teil der Union Merkel
das eher übel nimmt. Der andere Teil der Union aber sieht das mit
mindestens mit Kopfschütteln oder findet Merkels handeln richtig.
Das Spalten der Partei verschließt jedoch für Röttgen
die Comeback-Tür. Jedenfalls zeugt sein Handeln nicht von Weitblick
und war daher vielleicht sein letzter - und größter - Fehler
Eckart Lohse Jahrgang 1963, Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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