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Norbert Lammert : Eine Art Bundespräsident

Er empfing den Papst und ließ Wolf Biermann singen - Norbert Lammert geht ebenso wie einige Altersgenossen. Was heißt das für die Nation und Europa?

          Im Grunde war Norbert Lammert schon in den vergangenen Jahren eine Art Bundespräsident: Er empfing den Papst, maßregelte die Kanzlerin und ließ Wolf Biermann im Parlament singen. Auch das Bundesverfassungsgericht bekam sein Fett weg - obwohl die Karlsruher Richter die Rolle des Bundestages und damit auch Lammert über die Jahre so gestärkt haben, dass es diesem Anspruch kaum mehr genügen kann.

          Mehr geht kaum - mag sich auch Lammert gedacht haben, der für den Sprung auf den formal höchsten Posten des Landes womöglich zu sehr Politprofi der großen Koalition ist in einer Zeit, die nach eher politisierten Künstlern giert - Bob Dylan müsste allerdings erst noch eingebürgert werden.

          Jedenfalls geht Lammerts Abschied aus dem Bundestag einher mit dem einiger Weggefährten, die ebenfalls noch zu ganz anderen Zeiten sozialisiert wurden. Das ist der Lauf der Dinge. Mit Blick auf die Lage der Nation wie auf Europa wäre es allerdings gut, wenn noch einige mitgestalten, denen der Wert von Einheit in Vielfalt noch etwas bedeutet, schlicht deshalb, weil sie noch andere Zeiten kennen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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