26.01.2007 · Den Oberbayern wird es unheimlich: Der Franke Beckstein soll bayerischer Ministerpräsident werden, der Niederbayer Huber greift nach dem CSU-Vorsitz, und jetzt rückt mit Django Asül ein Niederbayer mit türkischem Pass in die dritte Machtposition ein.
Von Albert SchäfferLangsam wird es den Oberbayern unheimlich. Mit Günther Beckstein soll ein Franke bayerischer Ministerpräsident werden, der Niederbayer Erwin Huber greift nach dem CSU-Vorsitz - und jetzt rückt mit Django Asül ein Niederbayer mit türkischem Pass in die dritte zentrale Machtposition ein, die der Freistaat zu vergeben hat.
Asül wird Herrscher auf dem kabarettistischen Olymp des Nockherbergs, wo alljährlich im März beim Starkbieranstich die politische Klasse „derbleckt“, sprich verspottet wird.
Asül als satirischer Herold
Der Nockherberg ersetzt in Bayern die Demoskopie. Wer dort als Politiker nicht oder nur kurz erwähnt wird, braucht sich keine Illusionen über seine Zukunft zu machen. Insofern war es schon ein Alarmzeichen für den Oberbayern Stoiber gewesen, dass im vergangenen Jahr Bruno Jonas, der Vorgänger Asüls, seine liebe Mühe mit ihm hatte. Der Funke sprang nicht auf das Publikum über, auch nicht nach der zweiten Salvator-Maß mit 18,8 Prozent Stammwürze und 7,8 Prozent Alkoholgehalt. Stoiber taugte nicht mehr zum Spott-Objekt.
Der weitere Hergang ist bekannt: Jonas - auch ein Niederbayer, was Fachleute für Konspirationen aufhorchen lässt - räumt jetzt den Nockherberg, Stoiber will im September der Staatskanzlei Lebewohl sagen. Es bahnt sich eine Zeitenwende in Bayern an - und Asül wird ihr satirischer Herold sein. Zwischen Weißwürsten mit süßem Senf und Schweinsbraten mit Semmelknödeln werden sich Schicksale entscheiden; wessen Namen nicht fällt, wird ihn nicht auf Becksteins Kabinettsliste finden.
Er entlarvt politische Klischees
Asül, 1972 als Sohn türkischer Eltern in der Marktgemeinde Hengersberg bei Deggendorf unter dem Namen Ugur Bagislayici ins Geburtsregister eingetragen, hat das Niederbayerntum, das sich nicht im regionalen Idiom erschöpft, sondern eine Lebens- und Weltanschauung ist, von Kindesbeinen an verinnerlicht, auch dank fürsorglicher Nachbarn, die auf ihn aufpassten, wenn die Eltern arbeiteten. Asül muss niemand den Dialog erklären, den Beckstein angeblich mit Huber bei der Absprache über die Nachfolge Stoibers geführt haben soll - und der in jedem Fall gut erfunden ist. Beckstein soll Huber gefragt haben, ob er sich auf die Vereinbarung verlassen kann, und nach der Antwort Hubers, er sei doch Niederbayer, gesagt haben: „Ja eben!“ Anders gesagt, der Niederbayer weiß, was er will - und das wusste auch Asül nach dem Gymnasium, einer Banklehre, und einer, wie er es nennt, „Selbsterfahrungsphase“ als Tennislehrer.
Dass sein Aufschlag als Kabarettist sitzt, zeigte sich gleich in seinem Debütprogramm „Hämokratie“. Die Folgeprogramme „Autark“ und „Hardliner“, Auftritte im Fernsehen und Kolumnen in Zeitungen brachten Asül in die Königsklasse unter den Kabarettisten. Mit mimischer Minimalistik, dem Dialektischen im Dialekt nachspürend, entlarvt er politische Klischees - etwa wenn er darüber räsoniert, ob die Bundesrepublik nicht besser beraten gewesen wäre, eine Einheit mit der Türkei statt mit der DDR einzugehen.
Ein Niederbayer mit türkischem Pass auf dem Nockherberg: Das „Mir san mir“ wird beim Starkbieranstich eine besondere Beglaubigung erhalten - und den Oberbayern bleibt der Trost, dass immerhin der Vatikan noch fest in ihrer Hand ist.
Der Asül,
Alfred Freudenberger (Forgetit)
- 26.01.2007, 13:36 Uhr