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Kundgebung in Dresden : „Putin, hilf uns!“

Immer mehr Menschen schließen sich am Montag den Pegida-Protesten in Dresden an. Bild: dpa

Immer mehr Menschen schließen sich in Dresden den „Pegida“-Protesten an, auch der Brandenburger AfD-Vorsitzende Alexander Gauland. Die Demonstranten beschimpfen die Politiker als „Volksverräter“. Auf einem Transparent steht: „Putin, hilf uns!“

          Es war ein Zulauf mit Ansage: Nachdem „Pegida“, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in der vergangenen Woche eines der beherrschenden politischen Themen in ganz Deutschland war sowie in gleich drei Fernseh-Talkshows diskutiert wurde, folgten am Montagabend nach Polizeiangaben 15.000 Menschen und damit etwa die Hälfte mehr als in der vergangenen Woche der Protestkundgebung sowie dem sich anschließenden „Abendspaziergang“ durch das Dresdner Zentrum.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          An mehreren Gegenkundgebungen, auf den unter anderem die Bundesvorsitzenden der Linkspartei, Katja Kipping, sowie der Grünen, Cem Özdemir, sprachen, beteiligten sich der Polizei zufolge rund 6.500 Menschen. Während Özdemir kritisierte, dass sich Parteien auf Pegida überhaupt einließen, sagte Kipping: „Es ist unmenschlich, wenn man Flüchtlingen nicht hilft.“ Pegida solle sich lieber mit den Rüstungskonzernen anlegen. „Denn Waffenexporte führen die Flüchtlinge erst zu uns.“

          Der Stopp von Waffenlieferungen „an verbotene Organisationen wie die PKK“ war allerdings eine der Forderungen, welche die Pegida-Bewegung im Oktober überhaupt erst ins Rollen gebracht hatten. Inzwischen kommen die Teilnehmer von Pegida längst nicht mehr nur aus Dresden, sondern sie reisen aus ganz Sachsen und auch aus anderen Bundesländern, darunter Bayern und Berlin, an. Schon auf Transparenten und erst recht in der kurzen Rede des Anführers von Pegida, Lutz Bachmann, wurde deutlich, dass auch Reaktionen führender Politiker des Landes auf die Proteste nicht unwesentlich zur Mobilisierung der Masse beigetragen haben dürften.

          „Schande für Deutschland“

          So wurden insbesondere Bundespräsident Joachim Gauck, der Pegida in die Rubrik „Chaoten und Störungen, die wenig hilfreich sind“, eingeordnet hatte, Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralph Jäger (SPD), der die Demonstranten als „Nazis in Nadelstreifen“ bezeichnet hatte und vor allem Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der das Bündnis noch am Montag „eine Schande für Deutschland“ genannt hatte, von Bachmann namentlich erwähnt, als „Realitätsverweigerer“ bezeichnet und von der Menge ausgebuht.

          Die Mehrzahl der Teilnehmer wie auch die Organisatoren wehren sich nicht zu Unrecht dagegen, als Neonazis bezeichnet zu werden; sie vermeiden allerdings jede öffentliche Distanzierung etwa von Brandanschlägen wie jüngst im bayerischen Vorra oder von Ereignissen wie im sächsischen Großröhrsdorf, wo sich in der vergangenen Woche offenbar im Zuge der Proteste gegen Asyl und „ungebremste Einwanderung“ ein Einheimischer selbst verletzt und einen Angriff durch Asylbewerber vorgetäuscht hatte.

          Politiker als „Volksverräter“ beschimpft

          Lutz Bachmann, der sich diesmal nach eigener Aussage mit einer kugelsicheren Weste geschützt hatte, begrüßte die Teilnehmer „zum 9. Abendspaziergang gegen Glaubenskriege und für die Meinungsfreiheit“. Beide Themen tauchen in dem vergangene Woche veröffentlichen ersten Positionspapier von Pegida, das 19 Punkte enthält, allerdings nicht auf. Mit Spannung war erwartet worden, ob die Organisatoren das relativ moderate und wohl auch deshalb von vielen Anhängern im Internet zum Teil scharf kritisierte „Programm“ öffentlich verlesen würden. Doch dazu kam es nicht.
          Stattdessen warf Bachmann Politikern, die er als „Volksverräter“ und „Schreibtischtäter“ bezeichnete, vor, „uns alle als Verlierer mit Abstiegsängsten“ vorzuführen und rief seinem Publikum zu, „die da oben doch weiter quatschen“ zu lassen. „Lasst sie rätseln, was sie falsch machen, sie werden es ohnehin nicht begreifen“, weil sie „den Kontakt zur Basis längst verloren und ihre Wähler verlassen“ hätten, sagte er unter großem Beifall.

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