Zwischen Werbung, Rechnungen und Briefen werden Millionen Krankenversicherte in den kommenden Wochen auch einen Organspendeausweis im Briefkasten finden. Die Krankenkassen müssen wegen des neuen Transplantationsgesetzes, das am kommenden Donnerstag in Kraft tritt, alle Mitglieder, die 16 Jahre oder älter sind, über die Organspende informieren. Nach der im Mai beschlossenen Gesetzesänderung bleibt Krankenkassen ein Jahr und damit bis Ende Oktober 2013 Zeit, um die Versicherten anzuschreiben.
Die sieben Millionen Versicherten der Techniker Krankenkasse erhalten gleich im November Post mit Informationen und einem Organspendeausweis. „Es geht nicht darum, jeden zu überzeugen, Organspender zu werden“, sagt Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der Kasse. Laut dem Gesetz muss die Information ergebnisoffen erfolgen und auf die Patientenverfügung eingehen. „Wir wollen keinen dazu drängen“, sagt er.
12.000 Menschen warten auf Spenderorgane
Aber gerade weil es ein kontroverses Thema sei, müsse man informieren. Krankenkassen hätten die Pflicht, sich diesem gesellschaftlichen Thema zu stellen. „Wir werden damit eine Diskussion auslösen“, ist er sich sicher. In der kommenden Woche verschickt die Krankenkasse zunächst an Mitglieder in Berlin und Hamburg den Brief. Die Kasse informiert in dem Schreiben auch über die Möglichkeit der Lebendspende und zeigt dazu ein Bild des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier, der seiner Frau eine Niere gespendet hat.
Die AOK startet die schriftliche Information der Versicherten zunächst nur in einigen Regionen. Der Großteil der Versendungen finde erst im kommenden Jahr statt, sagte ein Sprecher. Auch die Barmer GEK, die größte Krankenkasse, legt ihre Kampagne so an, dass diese erst Anfang nächsten Jahres ihren Höhepunkt erreichen soll.
12 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Deutschland kommt nach einer Erhebung aus dem Jahr 2011 auf 15,8 Organspender je eine Million Einwohner und liegt damit im internationalen Vergleich hinten. Nach den Skandalen um die Vergabe von Spenderorganen ist die Organspendebereitschaft in Deutschland angeblich zurückgegangen. Im Sommer war bekannt geworden, dass an Kliniken in Göttingen und Regensburg mutmaßlich Krankenakten manipuliert wurden, um den dort wartenden Patienten schneller Spenderorgane zu verschaffen. Auch im Münchner Uniklinikum Rechts der Isar besteht der Verdacht auf Manipulationen.
„Organspende ist gerade nicht positiv besetzt“, sagt Baas. „Das war in der Verteilung nicht richtig und eine Sauerei.“ Aber die Spende eines Menschen habe dennoch einen Menschen erreicht, der sie brauchte. Er kritisiert, dass es zu viele Transplantationszentren in Deutschland gibt. „Wir brauchen weniger Zentren, die kann man auch besser kontrollieren.“
Eine Steigerung der Organspenden lässt sich am ehesten in den Krankenhäusern erzielen, sagt Baas. Er habe er in der Vergangenheit beobachtet, dass die Organspendebereitschaft in einzelnen Krankenhäusern steigt, je nachdem, wie sehr Ärzte dort über das Thema informieren. „Der erklärte Wille, dass jemand seine Organe spenden möchte, ist gerade auch für die Angehörigen eine Erleichterung“, sagt er.
Am Freitag nahm auch eine Kommission in Bayern die Arbeit auf, die die Transplantationszentren in dem Bundesland prüfen soll. Die Kommission soll jedes Lebertransplantationszentrum besuchen und interne Berichte und Strukturpapiere untersuchen. Außerdem werden die aktuellen Wartelisten der Zentren kontrolliert.
Mein Ausweis bleibt da wo er ist
Andreas Pätzold (Andreas1804)
- 27.10.2012, 20:00 Uhr
Vor Jahren hatte ich einen Organspendeausweis,
Jens Muche (Me-110)
- 27.10.2012, 15:13 Uhr
super
Sigi Kiermayer (Sicaine)
- 27.10.2012, 13:39 Uhr
“ergebnisoffen“
Gerhard Rinker (GerdR)
- 26.10.2012, 23:45 Uhr
Ab in die Altpapiertonne mit dem Müll, den der Bundestag
beschlossen hat
Thomas Heinzow (Oekooekonom)
- 26.10.2012, 22:58 Uhr