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Neue Umfragewerte für CSU : Hoffnung trotz desaströser Ergebnisse

  • -Aktualisiert am

In einem Boot: Demoskopen und Medien sieht die CSU gemeinsam agierend. Darauf deutete die von Söder geäußerte Vermutung hin, „dass ein Teil der Bürger sich bewusst anders verhalten wird“, als es die Umfragen nahelegen. Bild: dpa

Eine neue Umfrage sieht die CSU bei 35 Prozent – die Partei sieht trotzdem Grund zur Hoffnung, obwohl dieses Ergebnis für sie am Wahltag mehr als nur enttäuschend wäre.

          Es gehört zum Standardrepertoire der Autosuggestion aller politischen Parteien, Umfragen immer dann für überbewertet zu erklären, wenn sie nicht die erwünschten Ergebnisse bringen. In Bayern haben derzeit die SPD und die CSU besonders viel Übung darin. Wobei sie einen bestimmten Umfragewert für keineswegs überbewertet halten: dass etwa die Hälfte der Bayern noch unsicher ist, wen sie am 14. Oktober wählen wird.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          In der CSU, die derzeit bei Mitte 30 Prozent liegt, was für sie am Wahltag desaströs wäre, werden mehrere Gründe angeführt, warum in die eine wie in die andere Richtung noch sehr viel Bewegung möglich sei, vor allem in die eine, nämlich in Richtung 40 Prozent und nach Möglichkeit darüber hinaus. Zum einen sei das Wahlsystem in Bayern ein anderes als im Bund: Auf den Bezirkslisten kann man einzelnen Personen unabhängig von ihrem Listenplatz die Stimme geben. Parteien mit bekannten Politikern, von denen die CSU mehr habe als jede andere Partei, hätten dadurch einen Vorteil. Dieser bilde sich in den Umfragen nicht ab. Zum anderen glaubt die CSU, dass unter den noch Unentschlossenen überdurchschnittlich viele mögliche CSU-Wähler sind, während andere Parteien ihr Potential in den Umfragen schon weitgehend ausgeschöpft haben könnten. Vor allem aber baut die CSU ihren Zweckoptimismus darauf, dass der Ausgang fast aller wichtigeren Wahlen der jüngeren Vergangenheit mehrere Wochen vor dem Termin falsch prognostiziert worden sei. Verwiesen wird hier auf Rheinland-Pfalz, das Saarland, Nordrhein-Westfalen oder auch den Bund, wo sich gerade die CSU lange Zeit in der Komfortzone wähnte – zu Unrecht, wie sich 2017 herausstellte. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach in diesem Zusammenhang von einem „völligen Demoskopiedesaster“.

          Demoskopen und Medien sieht die CSU tendenziell in einem Boot. Darauf deutete die von Söder geäußerte Vermutung hin, „dass ein Teil der Bürger sich bewusst anders verhalten wird“, als es die Umfragen nahelegen, „weil sie es nicht möchten, dass ihnen ständig von außen suggeriert wird, wie sie zu wählen haben“. Mehr noch hat in jüngster Zeit CSU-Chef Horst Seehofer den Verdacht genährt, dass das, was über die CSU und ihn geschrieben werde, nicht der Realität entspreche und nicht dem, was er an der Basis wahrnehme.

          Am Montagabend war Seehofer auf Einladung der örtlichen CSU in Erding. Im vollen Bierzelt sprach er in Bezug auf Chemnitz von „null Toleranz gegenüber Hetze und menschenverachtenden Parolen“, von den Voraussetzungen gelingender Integration, von der damit einhergehenden Notwendigkeit, Zuwanderung zu begrenzen. Er berief sich auf den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Man mochte sich vielleicht wundern, wie offen Seehofer, der Parteivorsitzende, der aber auch Bundesinnenminister ist, über angebliche Unzulänglichkeiten der Flüchtlingspolitik sprach. Ganze fünf Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge seien in der Lage, gefälschte Papiere „zu entdecken und zu beurteilen“. Mag sein, dass er derlei lieber unerwähnt ließe, um die Bevölkerung, mit einem Wort seines Vorgängers Thomas de Maizière, nicht zu „verunsichern“. Aber insgesamt war es eine maßvolle Rede, die beim Publikum sehr gut ankam. Nun ist Erding eine Art Heimspiel für den Oberbayern Seehofer, die örtliche Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, die er als Umweltministerin in sein Kabinett berufen hatte und die von Söder nicht mehr berücksichtigt wurde, ist ihm nach wie vor dankbar. Trotzdem ist die Unterstützung für Seehofer bemerkenswert, wenn man bedenkt, was wiederum Umfragen über seine derzeitige Beliebtheit sagen.

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