08.01.2009 · Die SPD hat eine neue Homepage und setzt auf Steinmeier und Mitmach-Internet. Das neue Partei-Motto lautet „Anpacken. Für unser Land“. Ein vermeintlicher Hoffnungsträger wurde aber erstmal weggepackt, zumindest von der Startseite.
Von Martin WittmannWo ist Thorsten Schäfer-Gümbel? Das wird sich fragen, wer spd.de anklickt. Bis Donnerstagmittag lachte der hessische Spitzenkandidat noch von gleich zwei Bannern auf der Partei-Homepage, nun gibt es nur noch Frank-Walter Steinmeier, ebenfalls doppelt, da gespiegelt in einer edlen Marmorwand. Die SPD-Homepage hat am Donnerstag einen Relaunch erfahren, schließlich soll der Internet-Auftritt das „Herzstück“ des Bundestagswahlkampfes werden, wie Parteichef Franz Müntefering sagte.
Das Herzstück ist nun aber nicht mehr blutrot, sondern türkis und statt des schlichten Logos steht rechts oben ein SPD-Würfel auf der Homepage. Er solle symbolisieren, dass die SPD eine „Partei mit Ecken und Kanten ist“, sagte Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel. Andere mögen an das entschlossene „Alea iacta est“ (der Würfel ist gefallen) denken, das Julius Caesar gesagt haben soll, als er seine Armee über den Rubikon führte und daraufhin ganz Italien eroberte (und nebenbei einen Bürgerkrieg auslöste).
„Die nächste Stufe zünden“
Das veränderte Partei-Logo ziert jedenfalls künftig neben der Homepage Plakate und Flyer, der neue Wahlspruch lautet: „Anpacken. Für unser Land.“ Man müsse nun „die nächste Stufe zünden“ und „Tempo machen“, sagte Müntefering. SPD-Mitglieder und Unterstützer sollen im Netz auch auf eigenen Seiten für die Partei werben. Sie sollen „bloggen“ und „twittern“ und damit eine Art Schneeballeffekt für die SPD auslösen. Bei Obama hat es ja auch geklappt.
Der neue benutzerfreundliche Internet-Auftritt soll möglichst viele Menschen zum Mitmachen auffordern. „Es geht um mehr als die eigene Startseite. Wir wollen da präsent sein, wo die Meinungsbildung abläuft“, sagte Wasserhövel. Konkret heißt diese Maßnahme auf der Homepage „meineSPD.net“ und ist „die Internetplattform der SPD, die es Parteimitgliedern und Sympathisanten ermöglicht, sich untereinander zu vernetzen und gemeinsame Aktionen vorzubereiten und durchzuführen“. Was sich ein wenig nach Partnerbörse anhört, heißt offiziell Wählermobilisierung.
Jung und sexy
An Obama erinnert auch eine andere neue Strategie: die SPD setzt auf Sex-Appeal. Vier junge, hübsche Menschen lächeln von der Homepage, wo früher alte Herren sich die Hände schüttelten. Man denkt sofort an Schäfer-Gümbel, der kürzlich sagte, den Schönheitswettbewerb gegen Roland Koch würde er gewinnen. Schäfer-Gümbel ist übrigens in die hinteren Seiten des Ordners „Aktuelles“ verschwunden, man muss erst Franz Müntefering (natürlich auch doppelt), einen Wahlkampfspot der saarländischen SPD und einen Geburtstagsgruß an Helmut Schmidt wegblättern, um ihn und sein Motto „Roland Koch wird Geschichte sein“ zu sehen. Trösten dürfte Schäfer-Gümbel, dass seine Degradierung am Donnerstag Nachmittag von vielen Internetnutzern gar nicht nachzuprüfen war - die neue SPD-Seite war oftmals nicht erreichbar.