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Neue AfD-Alleinvorsitzende : Frauke Petrys Ritt am rechten Rand

Frauke Petry nach ihrer Wahl zur alleinigen Parteivorsitzenden am Sonntag in Essen Bild: Jakob von Siebenthal

Frauke Petry weiß, was ihre Leute nach ihrer Wahl zur alleinigen Vorsitzenden erwarten: Die AfD soll nach rechts rücken. Doch wenn Petry wahr machen will, was sie sagt, muss sie andere Wege gehen.

          Bei 3500 Parteimitgliedern, die dicht auf dicht in einer Halle zum Parteitag versammelt sind, ist es nicht ganz leicht, den Applaus richtig zu deuten. Ein paar Gruppen von hundert Leuten, gut über den Saal verteilt, können mit ihrem Klatschen und ihren Buhrufen den Eindruck erwecken, als sei das die Stimmung im ganzen Saal. Insofern war ein Triumph von Bernd Lucke am Samstag nicht völlig ausgeschlossen, als die AfD sich ihren neuen Vorstand wählte. Könnte ja sein, dass der starke Applaus für seine Konkurrentin Frauke Petry und der etwas geringere für ihn, kombiniert mit zum Teil kräftigen Buh-Rufen, doch nicht exakt die Stimmung im Saal wiedergaben. Könnte ja sein, dass Lucke im Kampf gegen Petry doch noch eine Chance hatte. Vielleicht waren seine Anhänger ja auch einfach etwas zurückhaltender, etwas weniger lautstark.

          Alles Unsinn. Die Zustimmung für Petry, die über Stunden in der Essener Grugahalle wahrzunehmen war, entsprach exakt den Mehrheitsverhältnissen. Lucke verlor krachend, holte nicht einmal vierzig Prozent gegen Petry. Die erste und sicher nicht ganz falsche Interpretation war schnell bei der Hand und hieß: Petrys Rechtskurs hat sich gegen Luckes liberalkonservativen durchgesetzt. Die Alternative für Deutschland wird nach rechts driften.

          Ganz sicher ist das die Erwartung derjenigen, die Petry zu ihrem Triumph verholfen haben. Das waren die, die laut geklatscht haben, wenn die Tonlage gegenüber dem Islam, Asylbewerbern oder Amerika etwas gröber wurde oder wenn die Sanktionen gegen Russland angeprangert wurden.

          Man merkte es diesem rechtspopulistischen Parolen gegenüber aufgeschlossenen Teil der Mitglieder an, dass er sich sogar schwer mit dem kleinen Trick der neuen Vorsitzenden tat, als zweiten Vorsitzenden jemanden wählen zu lassen, der nicht aus ihrem Lager stammt, sondern mindestens eine vermittelnde Position einnimmt. Viele Kandidaten des Petry-Lagers, die auch aufgefordert wurden, für dieses Amt zu kandidieren, verbanden ihren Verzicht mit dem Beisatz, sie stünden „noch“ nicht bereit. Das Klang nach einer Drohung, so, als wolle man noch eine Schamfrist abwarten, in der ein gemäßigter Vorsitzender auf Platz zwei mitmachen dürfe, dass aber schon bald der rechte Flügel ganz die Flugrichtung bestimmen werde.

          Da liegt die Herausforderung für die neue starke Frau der AfD. Petry weiß, was ihre Leute von ihr erwarten. Sie dürfte aber auch wissen, dass der AfD mit einem strammen Rechtskurs ein erheblicher Verlust an Zustimmung drohen würde. Alle rechten Parteien sind bisher in Deutschland nur Nischenexistenzen geblieben. Unterstellt, dass diese Gesetzmäßigkeit weiterhin gilt, würde das für Petry bedeuten, dass sie zwar mehr Macht in der AfD hätte, aber weniger mit ihr.

          Doch gerade das hat sie in Essen deutlich gemacht: Dass sie mitspielen will in der Politik. Das geht nur, wenn sie nicht an den rechten Rand oder darüber hinaus gerät. Sie hat ihre Partei aufgefordert, die Bezeichnung Protestpartei nicht länger als Kampfbegriff zu benutzen. Ob diejenigen, die sie auf den Thron gehoben haben, das auch so sehen und Petrys Spiel mitmachen?

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

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