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Neonazi-Verbrechen Der fünfte Mord

 ·  Als Yunus Turgut 2004 in Rostock erschossen wird, ist schnell klar, dass sein Fall zu den „Döner-Morden“ gehört. Über verschiedene Motive wurde spekuliert. Rechtsextremismus spielte keine Rolle. Die Geschichte einer Ermittlung.

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Der 25. Februar 2004 war Aschermittwoch. An diesem Tag schloss der 25 Jahre alte Yunus Turgut gegen 10 Uhr den Dönerstand „Mr. Kebap“ in Rostock-Toitenwinkel auf. Turgut war nur zu Besuch aus Hamburg da, seit zehn Tagen. Der Inhaber von „Mr. Kebap“ war ein Bekannter und hatte ihn an diesem Tag gebeten, schon mal zum Stand vorzugehen, weil er noch etwas anderes zu tun habe.

Turgut war allein, als zwischen 10.10 und 10.20 Uhr die Mörder kamen. Sie gaben drei Schüsse auf ihr Opfer ab. Zwei trafen den Kopf, einer den Hals. Turgut war sofort tot. Als der Besitzer des Dönerstandes nur wenige Minuten später kam, lag Turgut blutüberströmt da. Die „Döner-Mörder“ hatten abermals zugeschlagen. Turgut war ihr fünftes Opfer.

Zwischen dem vierten und fünften Opfer hatten sie eine etwas längere Pause gelassen. Das Landeskriminalamt (LKA) von Mecklenburg-Vorpommern richtete eine Sonderkommission (Soko) „Kormoran“ ein, um den Fall aufzuklären. Zu diesem Zeitpunkt gab es längst die Soko „Bosporus“ in Nürnberg, wo der erste Mord an einem Döner-Stand verübt worden war. Dass der Rostocker Mord in die Serie gehörte, war sogleich klar. Es war dieselbe Waffe benutzt worden, eine Pistole Ceska 83, Kaliber 7,65 Millimeter.

„Womöglich verwechselt“

Die Waffe hatte einen Schalldämpfer. Die Rostocker Ermittler glaubten zunächst, eine heiße Spur verfolgen zu können. Ein damals vielleicht zwölf Jahre altes Mädchen soll weinend vom Tatort fortgelaufen sein, meinten Zeugen. Das Mädchen wurde allerdings nie gefunden. Auch Verdächtige hatte niemand gesehen. Eine andere Spur erhofften sich die Ermittler über das Opfer selbst. Turgut lebte illegal in Deutschland und war zuvor in Hamburg gewesen, wo es ebenfalls einen „Döner-Mord“ gegeben hatte.

Allerdings war Turgut bei früheren Deutschland-Aufenthalten auch in weiteren Orten Mecklenburg-Vorpommerns, in Demmin, in Bergen auf Rügen und in Schwerin. Aber er war auch in Wahlstedt in Schleswig-Holstein und im Alten Land an der Grenze zwischen Hamburg und Niedersachsen als Helfer in der Obsternte. Schließlich hieß es, Turgut sei vermutlich zufällig Mordopfer geworden und sei womöglich verwechselt worden.

„Kormoran“ wurde wie „Bosporus“ aufgelöst

Die Ermittler waren sich später auch sicher, dass es einen Zusammenhang geben musste zwischen dem Rostocker Mord und zwei Banküberfällen auf eine Sparkasse in Stralsund 2006 und 2007. Beim zweiten Überfall auf dieselbe Filiale schoss einer der Täter in die Decke. Noch im Februar 2007 wurden tausend Rostocker Haushalte angeschrieben, ob es nicht doch noch Hinweise auf den Mord gibt. Ermittelt wurde in zwei Richtungen.

Interaktiv: Die Tatorte der Rechtsextremen

Die eine These lautete, hier sei eine Bande aus dem Mafia-Milieu am Werk, womöglich sogar Berufskiller. Die andere: Ein verrückter Einzeltäter treibt sein Unwesen. Von einem möglichen Motiv Rechtsextremismus war damals keine Rede. Die Polizei hatte eine Belohnung von 300.000 Euro ausgesetzt für die Ergreifung des Täters oder der Täter der „Döner-Morde“. Es nützte aber alles nicht. „Kormoran“ blieb genau wie „Bosporus“ ohne Erfolg und wurde schließlich aufgelöst.

Die Staatsanwaltschaft in Rostock stellte das Verfahren gegen Unbekannt ein - im September dieses Jahres. Sogar vom „perfekten Mord“ war die Rede. Das LKA in Mecklenburg-Vorpommern erklärte inzwischen, im Licht der Erkenntnisse über den „Nationalsozialistischen Untergrund“ den Rostocker Fall noch einmal zu prüfen. Ergebnisse gebe es noch nicht, hieß es. Man arbeite eng mit der Bundesanwaltschaft zusammen. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fühlt sich durch die neuen Ermittlungsergebnisse auch im Rostocker Mordfall bestätigt. Er tritt schon seit Jahren für ein neues NPD-Verbotsverfahren ein.

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15.11.2011, 14:59 Uhr

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