19.12.2008 · Nach 26 Jahren im Gefängnis hat der 56 Jahre alte Christian Klar am Freitag die Justizvollzugsanstalt Bruchsal verlassen. Wegen neunfachen Mordes und elffachen versuchten Mordes war er 1985 verurteilt worden. Seine Haftstrafe sollte offiziell am 3. Januar 2009 enden.
Von Rüdiger Soldt, StuttgartDer ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar ist nach 26 Jahren Haft am Freitag aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal entlassen worden. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte am 24. November die Vollstreckung der lebenslangen Freiheitsstrafe von Klar zur Bewährung ausgesetzt. In der Begründung des Beschlusses hatte das Oberlandesgericht darauf hingewiesen, dass nach dem Strafgesetzbuch das entscheidende Kriterium für die Entlassung die Frage sei, ob Klar für die Öffentlichkeit fortdauernd gefährlich sei; das war nach Auffassung des Strafsenats nicht der Fall.
Die Mindesthaftdauer für Klar war 1998 wegen der besonderen Schwere der Schuld vom Stuttgarter Oberlandesgericht auf 26 Jahre festgelegt worden. 1985 hatte ihn das Oberlandesgericht Stuttgart wegen neunfachen Mordes und elffachen Mordversuchs - nach damaligem Recht - zu sechsmal lebenslanger Haft und 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Geht Klar nach Berlin?
Eigentlich war Klars Entlassung erst für die ersten Januartage 2009 angekündigt worden. Weil ihm noch Ausgleichstage für in der Haft geleistete Arbeit angerechnet werden müssten, habe der 56 Jahre alte Klar die Haftanstalt jedoch früher verlassen können, sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums. Klars Anwalt sagte, sein Mandant werde nicht die Öffentlichkeit suchen und nicht „in Talkshows auftreten“.
Der in Freiburg geborene, aus einer Lehrerfamilie stammende Klar gehörte zu den wichtigsten RAF-Terroristen der „zweiten Generation“. Klar war maßgeblich an der Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto, des früheren Generalbundesanwalts Siegfried Buback und des früheren Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer beteiligt.
Der ehemalige Oberbefehlshaber der amerikanischen Armee in Europa, Frederick J. Kroesen, sagte, er sei zu einem Gespräch mit Klar bereit. „Ich werde ihm zwar nicht meine Telefonnummer geben, aber sollte er mich anrufen, würde ich mich einem Gespräch nicht verweigern und mit ihm reden.“ Kroesen war 1981 bei einem RAF-Anschlag verletzt worden, an dem Klar beteiligt war.
Unklarheit herrschte noch darüber, ob sich Klar künftig in Berlin aufhalten wird. Der Intendant des Berliner Ensembles, Peymann, hatte kürzlich bestritten, Klar ein Praktikum angeboten zu haben. „Er hat gefragt, ob er bei uns am Berliner Ensemble ein Praktikum machen kann, wenn er Freigang hat“, sagte Peymann. Er sei aber wegen möglicher Auflagen skeptisch, ob Klar überhaupt nach Berlin gehen werde.
ARD und ZDF wollen Klar kein Forum geben
Die Entscheidung des Oberlandesgerichts, Klar freizulassen, war von Politikern vereinzelt kritisiert worden, obwohl es sich - im Gegensatz zu einer Gnadenentscheidung - nicht um eine politische Entscheidung handelt. Zu den Kritikern der Entscheidung gehörte der bayerische Innenminister Herrmann (CSU). Die baden-württembergische CDU-Landtagsfraktion bezeichnete Klars Freilassung als einen „Schlag ins Gesicht“ für Aufklärer und die Hinterbliebenen der Opfer. „Wir erkennen nicht, dass Christian Klar jemals bereit war, die Verantwortung für seine Taten und die damit verbundenen furchtbaren Folgen für die Angehörigen der Opfer zu übernehmen und seine Schuld zu bekennen“, hieß es in einer Erklärung.
Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF kündigten am Freitag an, Klar kein Forum zu geben. Der Intendant des SWR, Boudgoust, sagte, es gebe momentan kein journalistisches Interesse, Klar in Talkshowsendungen zu holen. Nach der Freilassung von Christian Klar verbüßt noch Birgit Hogefeld als einzige ehemalige RAF-Terroristin eine lebenslange Haftstrafe.
Erst die Geschichte wird zeigen, was unser heutiges Recht wert ist!!!
Stefan Schaller (hnosteve)
- 19.12.2008, 12:33 Uhr
Mord verjährt nie...
Stephan Weber (YtFirestorm)
- 19.12.2008, 12:46 Uhr
14 Tage zu früh?!
Jörg Potthoff (jpotthoff)
- 19.12.2008, 12:57 Uhr
Des woa ja a Moardsgaudi !
Bertram von Steuben (Elim_Garak)
- 19.12.2008, 13:32 Uhr
Ein kräftiger Schlag ins Gesicht fürs Rechtsempfinden des Bürgers
Hanns J. Baum (HansJoachimBaum)
- 19.12.2008, 13:48 Uhr