http://www.faz.net/-gpf-7ha87
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.09.2013, 18:16 Uhr

Nach Kritik an Bischof Vatikan schickt Schlichter nach Limburg

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kommt Kardinal Lajolo aus dem Vatikan nach Limburg. Er soll im Streit über die Amtsführung des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst vermitteln.

© Röth, Frank Unter Supervision: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Der Vatikan greift in den Konflikt über die Amts- und Lebensführung des Bischofs von Limburg ein. Das Bistum bestätigte am Samstag Informationen der F.A.S., dass Kardinal Giovanni Lajolo am Montagnachmittag in Deutschland erwartet wird. Es veröffentlichte zudem ein Schreiben des Vatikans an den Bischof, in dem von einem „brüderlichen Besuch“ die Rede ist.

Der Kardinal werde den brüderlichen Austausch mit dem Bischof und dem Domkapitel sowie weiteren relevanten Personen führen, „um wachen Auges auf die Gegebenheiten Ihrer Ortskirche zu schauen, die Geister zu unterscheiden helfen, gegebenenfalls brüderlich zu ermahnen, vor allem aber um Ihren bischöflichen Dienst zu stützen und zum Frieden und zur Einheit zu ermutigen“, heißt es in dem Brief weiter, der von Kardinal Ouellet unterzeichnet ist. Es handle sich nicht um eine formelle Apostolische Visitation, um die Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Ende August geben habe. Der Heilige Stuhl hege volles Vertrauen in die Amtsführung des Bischofs, nehme aber die Kritik in Medien und Öffentlichkeit ernst.

„Klima lähmender Furcht“

Im März vergangenen Jahres hatte eine Gruppe namhafter Priester über ein „Klima lähmender Furcht“ geklagt. Bald darauf wurde ein Erster-Klasse-Flug des Bischofs nach Indien publik. In diesem Zusammenhang ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Erklärung des Bischofs. In den vergangenen Wochen wurde nach Recherchen von F.A.Z. und F.A.S. bekannt, dass sich die Kosten für den Neubau des „Diözesanes Zentrum“ genannten Bischofshauses auf dem Limburger Domberg gegenüber dem ursprünglichen Ansatz in Höhe von zwei Millionen Euro vervielfacht haben.

Kardinal Lajolo ist mit der katholischen Kirche in Deutschland wohlvertraut. Als junger Diplomat beobachtete er in den siebziger Jahren die Würzburger Synode. Von 1995 an war der Geistliche, der fließend deutsch spricht, Botschafter des Heiligen Stuhls in Berlin. In dieser Zeit geriet er mehrfach mit dem Kölner Kardinal Meisner aneinander. Acht Jahre später wurde Lajolo vatikanischer „Außenminister“, bis Papst Benedikt XVI. ihm im Jahr 2006 das Vertrauen entzog. Derzeit ist Lajolo Mitglied der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe.

Mehr zum Thema

Quelle: D.D. , F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bistum Limburg Mehr Aufsicht für den bischöflichen Stuhl

Der ehemalige Bischof Tebartz-van Elst konnte über das Vermögen des Limburger Bistums noch relativ frei entscheiden. Künftig sollen fünf Aufsichtsgremien über die Ausgaben wachen. Mehr

20.05.2016, 14:05 Uhr | Politik
Kinotrailer Bauernopfer

Bauernopfer; 2014. Regie: Edward Zwick. Darsteller: Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard. Start: 28.04.2016 Mehr

28.04.2016, 15:23 Uhr | Feuilleton
Tebartz-van Elst Kirche muss Versuchung zum Schweigen überwinden

Der frühere Limburger Bischof Tebartz-van Elst kehrt zu seinem akademischen Ursprung zurück. In Rom forderte er eine selbstkritische Reflexion von der Kirche und lobte einen Muslim. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

22.05.2016, 15:29 Uhr | Politik
Kinotrailer Junges Licht

Junges Licht, 2016. Regie: Adolf Winkelmann. Darsteller: Charly Hübner, Oscar Brose, Peter Lohmeyer. Verleih: Weltkino Filmverleih. Kinostart: 12. Mai 2016 Mehr

11.05.2016, 17:00 Uhr | Feuilleton
Bistum Mainz Bisheriger Generalvikar folgt Lehmann übergangsweise

Der kommissarische Leiter des Bistums Mainz ist nach dem Abschied von Kardinal Karl Lehmann schnell gefunden. Dietmar Giebelmann zeichnet fortan als Diözesanadministrator. Mehr

17.05.2016, 11:27 Uhr | Rhein-Main

Kein Rabatt für Erdogan

Von Nikolas Busse

Die EU ist zwar auf den türkischen Präsidenten angewiesen, ihre Verhandlungsposition hat sich aber verbessert. Es besteht kein Anlass, Erdogan nachzugeben, einem Mann der eine andere Auffassung von Demokratie und Rechtsstaat hat als wir. Mehr 64